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Mittwoch, 13.Dezember 2017
Maritime Energiewende: „Koalition der Willigen“ formiert sich

07.12.2017

Maritime Energiewende: „Koalition der Willigen“ formiert sich

Das hat Seltenheitswert: Unternehmen und Industrieverbände, die eine neue Ökosteuer oder -abgabe fordern, von der auch sie nicht verschont blieben. In der internationalen Schifffahrtsindustrie ist genau das gerade zu beobachten. Viele Unternehmen aus der Branche finden, dass die Klimaschutzvorgaben der Politik nicht weit genug gehen. Jetzt arbeiten sie an einen eigenen Aktionsplan – und wollen sich für eine CO2-Steuer stark machen.

Das wurde Mitte November am Rande des Weltklimagipfels in Bonn bekannt. Die internationale Schifffahrtsindustrie hatte dort zur Konferenz „Ambition 1.5°C eingeladen, um, wie es in einem Pressetext heißt, „die Dekarbonisierungsagenda mit einem geschäftsorientierten Ansatz“ voranzutreiben. Sprich: Um zu schauen, wie sich Klimaschutz und Geldverdienen unter einen Hut bringen lassen. Und das am besten vor neuen Regulierungen seitens der Politik.

Beim globalen Seeverkehr sind die Vorgaben nach Ansicht vieler Branchenvertreter eh nicht ehrgeizig genug. Sie reichten nicht, „um der Dringlichkeit der Herausforderung gerecht zu werden“, hieß es auf der Konferenz unter anderem mit Blick auf das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015, das die Branche von verbindlichen Vorgaben ausgenommen hat. Auch die International Maritime Organization (IMO) der Vereinten Nationen spielt auf Zeit: Mit der Entwicklung eines Fahrplans zur Reduzierung der CO2-Emissionen haben die IMO-Mitgliedstaaten erst dieses Jahr begonnen. Konkrete Maßnahmen sollen ab 2023 festgelegt werden.

Business as usual: 250 Prozent mehr CO2

Das geht vielen Branchengrößen nicht schnell genug. Zumal sich das „Auf-die-lange-Bank-Schieben“ mit der rasanten Entwicklung der Seefahrt beißt: Von der Globalisierung befeuert, befahren mehr und mehr Schiffe die Weltmeere – und stoßen dabei Unmengen CO2 aus. „Wäre der internationale Seeverkehr ein Land, wäre er bereits der sechst größte Emittent von Treibhausgasen“, so Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, auf der Konferenz. Auch eine Studie der IMO geht davon aus, dass die Emissionen aus der Seefahrt bis zur Jahrhundertmitte um 50 bis 250 Prozent steigen, wenn nichts passiert.

Jetzt soll also etwas passieren. Zumindest nach dem Willen wichtiger Branchenvertreter wie der Schiffs-Klassifikationsgesellschaft Lloyd's Register, dem Turbinenbauer MAN Diesel & Turbo oder dem dänischen Branchenverband Danish Shipping. Zusammen mit weiteren Organisationen und Konzernen hatten sie nach Bonn geladen, um, wie es die Umweltmanagerin von Lloyd's Register, Katharine Palmer, formulierte, die „wichtigsten Akteure einer oft zersplitterten Industrie zusammenzubringen und uns zu einem globalen Aktionsplan zu verpflichten“.

„Koalition der Willigen“ will zeigen, was geht

Der stand am Ende der Konferenz zwar noch nicht. Wohl aber erste Eckpunkte, die sich in ihm wiederfinden sollen. Am weitesten geht dabei die Selbstverpflichtung der rund 150 Konferenzteilnehmer, auf eine „CO2-Steuer oder -Abgabe hinzuarbeiten, um die Einführung sauberer Technologien zu fördern“. Die in Bonn aus der Taufe gehobene „Koalition der Willigen“ (Eigenbeschreibung) will außerdem auf robustere Vorgaben zur Energieeffizienz in der Schifffahrt drängen und neue Demonstrationsschiffe bauen, um zu zeigen, was klimaschutztechnisch auf See alles möglich ist.

Und da geht tatsächlich schon einiges, wie das Beispiel des Containerschiffs „Wes Amelie“ zeigt. Das befährt die Nord- und Ostsee, ist mit einer Kapazität von 1.000 Standardcontainern vergleichsweise klein, weist aber gegenüber herkömmlichen Frachtschiffen einen großen Klimavorteil auf: Die „Wes Amelie“ fährt nicht mit Diesel oder Schweröl, sondern nutzt viel klimafreundlicheres verflüssigtes Erdgas (Liquid Natural Gas, LNG).

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Möglich: Retrofit fürs Klima

Die „Wes Amelie“ kann noch mit einer zweiten Besonderheit punkten: Sie wurde nicht am Reißbrett auf Klimafreundlichkeit getrimmt, sondern später auf Gas umgerüstet, laut Reederei als weltweit erstes Containerschiff. Dieser „Retrofit“ war nicht ganz billig, das Bundesverkehrsministerium hat Zuschüsse gezahlt. Und er war auch technisch nicht trivial. Vier Jahre sind von der Idee bis zur ersten Betankung mit sauberem Flüssigerdgas in diesem Sommer ins Land gegangen. Von Anfang an mit an Bord: Ingenieure von MAN Turbo & Diesel, die den alten MAN-Hauptmotor zukunftstauglich nachgerüstet haben.

Gelohnt hat sich der Aufwand allemal. Laut MAN hat die Umrüstung der „Wes Amelie“ deren Schwefeloxid-Emissionen um über 99 Prozent reduziert, die von Stickoxid um rund 90 Prozent und die von CO2 um immerhin bis zu 20 Prozent. Weil die „Wes Amelie“ zudem 23 ähnlich gebaute Schwesterschiffe hat, lassen sich die künftig zu geringeren Kosten umbauen – was jetzt auch passieren soll: Ein Memorandum über die Umrüstung drei weiterer Schiffe aus der Wessel-Flotte haben die Reederei und der Turbinenproduzent Anfang November unterschrieben.

„Realistischer Weg“

„Das Projekt ‚Wes Amelie’“, sagt Stefan Eefting, Senior Vice President von MAN Diesel & Turbo, „war ein Durchbruch auf dem europäischen Markt für Containerschiffe“. Zwar sei das jetzt unterschriebene Memorandum nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zur klimaneutralen Schifffahrt. Aber es zeige einen „realistischen Weg“. Um weitere Reedereien für ihn zu gewinnen, hatte MAN bereits Anfang Oktober auf der internationalen Konferenz „Our Ocean 2017“ in Malta Preisnachlässe in Höhe von zwei Millionen Euro für zehn weitere Flüssiggas-Umrüstungen angekündigt. Auch das Bundesverkehrsministerium will das weiter finanziell fördern.

Technologisch scheint mehr Klimaschutz auf den Weltmeeren also schon heute möglich. Darauf weist auch die „Koalition der Willigen“ in ihrem Abschlusspapier nachdrücklich hin. Nur: „Maßnahmen zur Intensivierung der CO2-Reduzierung der Schifffahrtsindustrie müssen in einem wesentlich schnelleren Tempo getroffen werden“, meint Gavin Allwright, Generalsekretär der International Windship Association, die die Konferenz mit veranstaltet hat. Jetzt sei erst einmal die Branche gefordert, Fortschritte zu erreichen – vor etwaigen Regulierungen.

 
Quelle: UmweltDialog

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