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EU nimmt Ausbeutung von Flüchtlingen in Libyen in Kauf zoom

13.09.2017

EU nimmt Ausbeutung von Flüchtlingen in Libyen in Kauf

Deutschland und weitere EU-Mitgliedstaaten nehmen bewusst systematische Ausbeutung und schwere Misshandlungen von Flüchtlingen in Libyen in Kauf. Dies schreibt die internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, Joanne Liu, in einem jetzt veröffentlichten Brief an die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union.

"Sind Vergewaltigungen, Folter und Versklavung wirklich der Preis, den die europäischen Staaten bereit sind zu zahlen, um den Flüchtlingsstrom zu drosseln?", schreibt sie in dem offenen Brief. Liu hat in den vergangenen Tagen mehrere Internierungslager in Tripolis besucht, die unter Kontrolle der international anerkannten Einheitsregierung stehen, und dort mit Gefangenen gesprochen.

"Menschen werden wie Waren behandelt. Sie werden in dunkle, schmutzige und stickige Räume gepfercht", schreibt Liu weiter. "Frauen werden vergewaltigt und dann gezwungen, ihre Familien zu Hause anzurufen und von ihnen Geld zu verlangen, damit sie freikommen. Alle, mit denen ich geredet habe, fragten mich mit Tränen in den Augen immer wieder, wann sie freigelassen würden. Ihre Verzweiflung war überwältigend."

Gefangene berichteten, dass sie willkürlich auf der Straße aufgegriffen, ausgeraubt, an die Betreiber ihres Internierungslagers verkauft wurden und nun hunderte Euro für ihre Freilassung bezahlen müssen. Andere wurden von der libyschen Küstenwache in die Internierungslager gebracht. Viele berichten, geschlagen zu werden, sogar mit Peitschen.

"Die Internierung von Migranten und Flüchtenden in Libyen ist durch und durch niederträchtig", so Liu. "Um das Kind beim Namen zu nennen: Es handelt sich um ein florierendes Geschäft mit Entführungen, Folter und Erpressung. Die EU-Regierungen haben die bewusste Entscheidung getroffen, Menschen unter solchen Bedingungen einsperren zu lassen."

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"Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Gabriel nehmen in Kauf, dass Menschen in höllischen Zuständen festgehalten werden", sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. "Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung und die EU-Staaten mit Hilfe der libyschen Küstenwache Schutzsuchende in menschenunwürdige Gefängnisse im Konfliktgebiet in Libyen zurückdrängen. Jegliche Unterstützung für die libysche Küstenwache muss ausgesetzt werden. Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass die willkürlich inhaftierten Menschen aus den entsetzlichen Internierungslagern freigelassen werden."

Teams von Ärzte ohne Grenzen leisten seit mehr als einem Jahr medizinische Hilfe in sieben Internierungslagern in Tripolis und vier weiteren in der Region Misrata. In der Publikation "Human Suffering - Inside Libya´s migrant detention centers" hat die Organisation die Zustände in einigen Internierungslagern dokumentiert. Sie kann hier abgerufen werden.

 
Quelle: UD/na

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