26.04.2012

Wie viel kulturelle Vielfalt lässt der Arbeitsmarkt zu?

Die Themen Interkulturalität, interkulturelle Öffnung und Diversity Management werden für deutsche Unternehmen und Verwaltungen immer bedeutsamer. Zu diesem Ergebnis kam die Fachtagung „Muslime und Arbeitsmarkt“ der Deutschen Islam Konferenz, die in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit in Berlin stattfand. Ziel der Veranstaltung mit dem Untertitel „Vielfalt fördern, Potenziale besser nutzen“ war es, die Situation von Muslimen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu veranschaulichen und verschiedene Strategien für den Umgang mit kultureller und religiöser Vielfalt darzustellen.

Gesprächsrunde nach Sitzungsende während der Deutschen Islam Konferenz 2012. Foto: Dirk Enters / Deutsche Islam Konferenz
Gesprächsrunde nach Sitzungsende während der Deutschen Islam Konferenz 2012. Foto: Dirk Enters / Deutsche Islam Konferenz
„Deutschland als Exportweltmeister muss interkulturelle Kompetenz von Arbeitnehmern als Vorteil begreifen, anstatt sich von überholten Klischees leiten zu lassen“, sagte Dr. Manfred Schmidt, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, zu Beginn der Tagung. Er ermutigte Migranten ausdrücklich, ihre interkulturellen und oftmals bilingualen Fähigkeiten noch stärker herauszustellen, um auf dem Arbeitsmarkt zu punkten.

„Ein in Deutschland anerkanntes Studium oder eine Ausbildung begünstigt die eigenen Arbeitsmarktchancen unabhängig von der Religionszugehörigkeit.“

„Nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten können wir dem demografischen Wandel und dem Fachkräftebedarf begegnen“, so Dr. Jens Regg, Regionalvorstand Grundsicherung der Bundesagentur für Arbeit. Die Strategie seiner Behörde sei es, „die Potenziale des Einzelnen zu erkennen und gezielt zu fördern.“ Cornelia Spohn, Supervisorin und Moderatorin der Veranstaltung, warnte: „Wenn Religion in den Vordergrund gerückt wird, ist zu befürchten, dass individuelle Potenziale nicht gesehen werden“. Entscheidender Faktor auf dem Arbeitsmarkt sei nicht Religionszugehörigkeit, sondern Qualifikation, stimmte Dr. Axel Kreienbrink vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu. Er verwies dabei auf empirische Analysen der Forschungsgruppe des Bundesamts. Eine Auswertung der Daten zur Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ habe ergeben: „Ein in Deutschland anerkanntes Studium oder eine Ausbildung begünstigt die eigenen Arbeitsmarktchancen unabhängig von der Religionszugehörigkeit.“

Die Tagungsteilnehmer waren sich einig, dass kulturelle Vielfalt im Arbeitsalltag dennoch eine Rolle spiele. Das Eingehen auf hieraus entstehende Besonderheiten und Bedürfnisse in Form von Diversity-Programmen sei daher für Arbeitgeber ein an Wichtigkeit gewinnendes Thema. IKEA-Personalmanager Rolf Westphal stellte das Diversity-Konzept seines Unternehmens vor, in dessen Rahmen unter anderem besondere Rücksicht auf Personal mit muslimischem Hintergrund genommen werde. Beispielsweise werde das Fastenbrechen stets als „gemeinsames Event“ aller Mitarbeiter begangen. Kopftücher würden nicht nur selbstverständlich als Bekleidungsbestandteil respektiert, sondern beim Zuschnitt von Arbeitsuniformen mit bedacht. „Maßnahmen wie diese - sofern sie in die betrieblichen Abläufe passen - stärken die Motivation der Mitarbeiter und die Bindung an ihr Unternehmen“, bekräftigte Emre Hızlı vom Deutsch-Türkischen Unternehmerverband in der Metropolregion Nürnberg. Aus eben diesem Grund sei es auch von besonderer Bedeutung, Diskriminierung am Arbeitsplatz durch geeignete Maßnahmen zu verhindern, erklärte Friedrich Scheerer, Leiter der Koordinierungsstelle Migration der Bundesagentur für Arbeit. Die Bundesagentur engagiere sich hier in Form verschiedener Programme.

„Kulturelle Vielfalt bringt im Arbeitsalltag mehr Vorteile als Herausforderungen mit sich“, resümierte BAMF-Präsident Dr. Schmidt. „In einer Zeit, in der der Fachkräftemangel beinahe täglich diskutiert wird, zählen die vorhandenen Potenziale und die dahinter stehenden Menschen, um das Land und den Arbeitsmarkt zu gestalten.“
 
Quelle: UD / pm

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