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Mobilität & Logistik

Einzelhandel in der Corona-Krise: Cargobikes boomen

Das Lastenrad ist eine attraktive, nachhaltige Alternative für Warenzustellungen auf der „letzten Meile“. Unternehmen wie memo oder Kyocera liefern damit bereits in einigen Städten aus. Nun könnte gerade die Corona-Krise der Cargobike-Logistik zum Durchbruch verhelfen, wie das Beispiel der „Leezenkiepe“ in Münster zeigt.

17.04.2020

Einzelhandel in der Corona-Krise: Cargobikes boomen

Es sind besondere Zeiten: „Heute haben wir bereits drei Fuhren Toilettenpapier ausgeliefert“, erzählt Lastenrad-Fahrer Roland Kurtz von der „Leezenkiepe“. Das derzeit heiß begehrte Produkt gehört normalerweise nicht zu den „Topsellern“ aus dem Sortiment des Münsterschen Bürobedarfs-Großhändlers Isfort, der seit dem vorigen Jahr innerstädtisch seine Waren mit dem zur Unternehmensgruppe gehörenden Lastenrad-Lieferservice ausliefert.

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In der Corona-Krise ist aber vieles anders. Tatsächlich sei die Nachfrage nach Produkten aus dem originären B2B-Sortiment – unter anderem ist Isfort Partner von Kyocera Document Solutions – deutlich gesunken, berichtet Head of Operations Patrick Melcher. Trotzdem habe sein Team gerade viel mehr zu tun als sonst. Denn nun werden Kleidungsstücke, Geschenkartikel, Bücher, Kaffee und eben das für ein nahes Seniorenheim bestimmte Hygienepapier zu den Kunden transportiert – klimaneutral mit dem Paket-Pedelec! Sogar Lebensmittel, die nicht aktiv gekühlt werden müssen, gehen per Liefer-Fahrrad auf die Reise.

Unverpacktes wird an die Haustür gebracht

Bei der Leezenkiepe „brummt“ es, und bei Isfort-Radlogistik-Chef Melcher steht das Telefon nicht mehr still. Das liegt auch an „Münster bingt‘s“. Mit diesem Projekt hat die „Initiative starke Innenstadt Münster“ (ISI) den durch die Schließung wegen des Coronavirus gebeutelten Innenstadt-Geschäften neue Vertriebswege erschlossen. Alteingesessene Kaufleute wurden so quasi über Nacht zu Versandhändlern.
„Münster bringt‘s“ bringt die Kunden über eine gemeinsame Website mit ihren Lieblingsgeschäften aus Münsters „guter Stube“ zusammen. Die Verbraucher können sich nahezu alle Produkte – auch zur Ansicht und mit Wiederabhol-Service – nach Hause bestellen. Lieferzeit: oft nicht mal 24 Stunden. Patrick Melcher ist von der hohen Nachfrage beeindruckt.

Patrick Melcher belädt eine Ladebox des Lastenrades Leezenkiepe
Patrick Melcher belädt eine Ladebox des Lastenrades Leezenkiepe

Besonders freut er sich über die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten in ernsten Zeiten: „Mit den Händlern ist es sehr kollegial. Alle sind solidarisch.“ Das gelte auch für die Kundschaft: „Die Kunden freuen sich sehr, dass wir ihnen ihre Lieblingsprodukte nun nach Hause liefern. Sie sind auch nachsichtig, wenn es dann doch mal etwas länger dauert.“ Der Radlogistik-Experte glaubt, dass das neue Serviceangebot auch nach der Corona-Krise erfolgreich bleiben werde.

Vorhandene Infrastruktur erleichterte den Start

Dass der neue Pedelec-Lieferservice quasi von null auf hundert direkt loslegen konnte, liegt auch daran, dass die Leezenkiepe bereits eine funktionierende Radlogistik-Infrastruktur aufgebaut hatte. Dabei etablierte sie ein System, das sich schon in Entwicklungsprojekten in Düsseldorf, Berlin oder Nürnberg bewährt hat: Zustelldienste fahren nur noch einige zentrale Lager an. Dort werden die Warensendungen gesammelt und anschließend auf kleine Zwischenlager verteilt. Die Zustellung von diesen „Mikrodepots“ auf der letzten Meile zum Kunden erfolgt umweltschonend mit dem Lastenrad.

Ladebox eines Lastenrades der Leezenkiepe

Auf diese Weise ist nun eine unscheinbare Kellergarage an einer der meist befahrenen Straßen in Münsters Innenstadt zum Fixpunkt des Münsteraner Lastenradverkehrs geworden. Von dort aus, nämlich dem Mikrodepot der Leezenkiepe, machen sich die Lastenrad-Fahrer mit insgesamt drei verschieden großen Lastenrädern auf den Weg und versorgen Adressaten im Münsteraner Stadtgebiet. Zwei weitere Cargobikes sind im Isfort-Hauptlager im Westen von Münster stationiert. Außerdem fährt eine Leezenkiepe in Osnabrück.

Reges Kommen und Gehen im Mikrodepot

Im Kleinlager herrscht ein reges Kommen und Gehen. Radkuriere machen sich auf den Weg. Einmal pro Tag kommt der Isfort-Transporter mit Waren des normalen Sortiments aus dem Hauptlager. Die Einzelhändler von Münster bringt‘s liefern ihre Waren entweder selbst an, oder die Lastenradkuriere bringen die auszuliefernden Sendungen auf ihren Rückfahrten gleich mit ins Depot.

Zwischendurch beladen die Fahrer ihre Lastenräder selbst. Welches Teil für welches Ziel bestimmt ist, sagt ihnen das Software-System „Dispatch Now“, das auch eine Tourenplanung vorschlägt. Manchmal ändern die Fahrer aber die vorgeschlagenen Routen: „Wir kennen oft einfach die besseren Verbindungen mit dem Fahrrad“, schmunzelt Patrick Melcher.

Dafür, dass die Versandgüter keinen Schaden nehmen, sorgen stabile Mehrweg-Kunststoffboxen, die auch der nachhaltige Versandhändler memo verwendet. Auf einer späteren Tour werden sie dann wieder eingesammelt. Das kommt gerade bei den Kunden des neuen Services „Liefergrün“ gut an. Seit kurzem kooperiert man nämlich mit dem Münsteraner Original-Unverpackt-Laden und liefert dessen Waren in Pfand-Boxen aus. Auch diese Lieferungen müssen mit eingeplant werden.

Mit einer Lastenrad-Fuhre können ganz schön viele Pakete transportiert werden. Das größte Rad hat eine Aluminiumbox mit 1.500 Liter Fassungsvermögen und Innenmaße von 114 mal 160 mal 113 Zentimetern. Theoretisch schafft es Lasten von bis zu 300 Kilogramm. Doch das ist selbst dem kräftigen Roland Kurtz zu viel. Bei ungefähr 120 Kilogramm Zuladung sei Schluss, meint er. Mit dieser Last an Bord aber „nimmt man jedes Hindernis wie mit einem normalen Rad“, fügt der Hüne grinsend hinzu.

Kyocera liefert nachhaltig mit der Leezenkiepe

75 Prozent aller Unternehmen legen Wert auf Umweltfreundlichkeit, hat Kyocera Document Solutions herausgefunden. In Münster setzt der Kyocera-Partner Isfort GmbH diesen Anspruch in die Tat um. Kunden, die dort Verbrauchsmaterial für Kyocera-Produkte wie die Ecosys- oder TaskAlfa-Multifunktionsdrucker bestellen, dürfen sich über eine ressourcenschonende Lieferung freuen. Innerhalb des Stadtgebietes werden die Waren mit der Leezenkiepe zugestellt – „persönlich, nachhaltig und ohne Müll“, wie Isfort-Geschäftsführerin Daniela Isfort betont. Je nach Adressat machen sich die Leezenkiepen mit den Kyocera-Produkten gleich vom Hauptlager oder vom Mikrodepot im Stadtzentrum aus auf den Weg.

Über das umweltfreundliche Lieferkonzept berichtet Kyocera im eigenen Blog und hat darüber sogar ein Video gedreht.

Auf UmweltDialog haben wir erst kürzlich ausführlich über Lieferkonzepte mit dem Lastenrad berichtet.

Lasten-Leezen müssen viel aushalten

Es liegt auf der Hand, dass der Betrieb der Lasten-Leeze für Mensch und Maschine kräftezehrend ist – etwa 40 Kilometer sind täglich zu absolvieren. Bei voller Zuladung kann es durchaus sein, dass der Akku vorzeitig in die Knie geht. Die Fahrer haben deshalb immer einen Ersatz-Energiespender im Gepäck.

Spuren hinterlässt das professionelle Lastenrad-Liefergeschäft auch an den Fahrzeugen selbst: „Ohne spezielle Wartung würden die Räder keinen Monat halten“, weiß Patrick Melcher. Derzeit verfügbare Cargobikes seien nicht für eine derart intensive Nutzung ausgelegt. Deswegen hat die Leezenkiepe ihre Urban-Arrow-Lastenräder bereits modifiziert. Die Speichen des Hinterrades wurden verstärkt, ebenso der Rahmen. Die Sattelstange wurde durch eine zusätzliche Strebe stabilisiert.

Melcher hofft allerdings, dass in absehbarer Zeit spezielle Lastenräder für die professionelle Nutzung verfügbar sind. Diese würden sich bereits rein äußerlich von den derzeitigen Gefährten unterscheiden. Man stehe im Kontakt mit dem Nürnberger Projekt „LEV@KEP“. Geht alles gut, soll ein dort entwickelter Prototyp demnächst auch über Münsters Radwege rollen.

Quelle: UmweltDialog
 

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