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31.05.2017

Mobilität

E-Mobilität: Boom in China elektrisiert deutsche Konzerne

China prescht bei der Elektromobilität voran – und deutsche Autobauer wittern gute Geschäfte. Branchengrößen wie der Volkswagen-Konzern überschlagen sich derzeit geradezu mit neuen Modellen, Partnerschaften und Technologien für den chinesischen Markt. Auch Zulieferer wie der Technologiekonzern Schaeffler setzen mehr und mehr aufs Reich der Mitte. Die Absatzmöglichkeiten scheinen gigantisch.

E-Mobilität: Boom in China elektrisiert deutsche Konzerne
Budd-E in China

„Die Zukunft der E-Mobilität entscheidet sich in China“, sagt Nicolai Müller, Seniorpartner bei McKinsey. Die Unternehmens- und Strategieberatung untersucht regelmäßig, wo die für die Elektromobilität wichtigsten Nationen jeweils stehen und wie sich Angebot und Nachfrage dort entwickeln. China konnte sich demnach zuletzt mit deutlichem Abstand vor den Verfolgern an die Pole Position setzen: Die Hälfte der vergangenes Jahr weltweit 743.000 neu zugelassenen E-Fahrzeuge stromern auf Straßen der Volksrepublik.

Laut McKinsey wuchs der chinesische Markt für E-Autos alleine 2016 um satte 69 Prozent. In den Vereinigten Staaten verzeichneten die Berater zwar ein ebenfalls deutliches Plus von 37 Prozent. Dennoch konnte „China die USA als Land mit der größten E-Auto-Flotte erstmals überholen“, sagt Müller. Weit abgeschlagen liegt Deutschland. Hier legte der Markt für E-Autos um lediglich elf Prozent zu. Auch das Gesamtniveau blieb mit rund 27.000 verkauften Fahrzeugen niedrig, trotz Kaufprämie.

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VW will „noch chinesischer werden“

Deutsche Hersteller blicken ob solcher Zahlen gebannt ins Reich der Mitte. Der Volkswagen-Konzern etwa, der schon seit über 30 Jahren vor Ort präsent ist und seine Geschäfte dort massiv ausbauen will. VW, sagt Vorstandsvorsitzender Matthias Müller, werde „in den kommenden Jahren noch chinesischer werden“. Das Land sei „schnell, dynamisch, innovativ und weltweit führend in Sachen E-Mobilität“. Deswegen wolle man die Zusammenarbeit mit bestehenden Partnern stärken und neue Partnerschaften schließen. Müller hat neben der E-Mobilität auch das wachsende Car-Sharing-Geschäft in China im Blick.

Dass sich der Konzern viel vom boomenden chinesischen Markt für E-Autos verspricht, zeigte sich zuletzt im April auf der Fachmesse „Auto Shanghai 2017“. Die Wolfsburger nutzten die Leistungsschau zur Vorstellung von gleich drei neuen E-Modellen: das Audi e-tron Sportback concept, den ŠKODA VISION E sowie die Volkswagen Studie I.D. Crozz. Hinter Letzterer verbirgt sich das erste elektrisch angetriebene Crossover Utility Vehicle (CUV) der Marke, eine Mischung aus Coupé und Sport Utility Vehicle. Es soll nach Konzernangaben auf die Reichweite heutiger Benziner kommen, über Allradantrieb und einen Autopilot-Modus verfügen, der sich auf Wunsch zuschalten lässt. Mit der Produktion als Volumenmodell will VW 2020 beginnen – in Europa und in China.

Absatzziel: eine Millionen E-Autos jährlich

Bei Volkswagen gilt die Elektromobilität mittlerweile als ein zentraler Pfeiler für die eigene Zukunft. Mit einer weltweiten Produktoffensive soll sie bis Mitte des nächsten Jahrzehnts aus der Startup-Nische in die Großserie transferiert werden. China spielt dabei eine maßgebliche Rolle: „Wir haben klare Ziele“, so VW-Markenvorstand Dr. Herbert Diess in Shanghai. „Bis 2025 wollen wir jährlich eine Millionen Elektrofahrzeuge verkaufen, 60 Prozent davon in China.“ VW will dazu auch bestehende Joint Ventures mit seinen chinesischen Partnern SAIC und FAW ausbauen. Gemeinsam werde man einen „signifikanten Beitrag zur Elektrifizierung Chinas“ leisten, so Diess. Und das auch durch Batteriezellen „Made in China“.

Deutsche Automobilzulieferer dürften Diess’ Ankündigungen aufhorchen lassen. Viele sehen E-Autos ohnehin mit Sorge, fallen etliche Komponenten der heutigen Benzin- und Dieselmotoren doch durch sie weg – und damit lukrative Aufträge. Der fränkische Zulieferer Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler verspricht sich von der zunehmenden Elektrifizierung der Mobilität dennoch auch in Zukunft gute Geschäfte. „Dank unserer technologischen Kompetenz ist Schaeffler für diese Entwicklung hervorragend aufgestellt”, sagt der für China verantwortliche CEO des Konzerns, Dr. Yilin Zhang.

Von Hybridmodulen über die elektrische Achse bietet Schaeffler Lösungen für Hybrid-Fahrzeuge und reine Elektroautos an – sowohl bei 48-Volt- als auch bei Hochvolt-Systemen.

Politik treibt E-Mobilität voran

Zupass kommt Schaeffler ebenso wie VW ein klare Ansage der chinesischen Regierung: Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch von Fahrzeugen, die in China vom Band laufen, darf schon in drei Jahren nicht mehr über fünf Liter pro 100 Kilometer liegen. Machbar ist das nur, wenn die Hersteller und ihre Zulieferer stärker auf Elektrifizierung setzen. „Getrieben von politischen Rahmenbedingungen“, sagt Zhang, befinde sich die Automobilindustrie in der Volksrepublik „in einem dramatischen Wandel“. Wie die Franken diesen Wandel mit gestalten wollen, zeigten sie ebenfalls auf der Shanghaier Automesse. Vorgestellt wurden dort eine E-Achse für Hybrid- und vollelektrische Fahrzeuge, mit der auch die in China besonders beliebten SUVs elektrifiziert werden können; daneben ein sogenanntes P2-Hybridmodul, das den Kraftstoffverbrauch von Plug-In-Hybriden um mindestens 70 Prozent senken soll. Mit einer „E-Clutch“ genannten Technologie wollen die Franken außerdem kraftstoffsenkende Fahrstrategien – vom „Segeln“ bis hin zum elektrisch unterstützten Fahren – auch bei Fahrzeugen mit manuellem Schaltgetriebe möglich machen. Bislang geht das nur in Verbindung mit Automatikgetrieben.

Nach Konzernangaben wurden die drei Komponenten eigens für den chinesischen Markt zugeschnitten. Ihre Serienproduktion soll in den nächsten Monaten anlaufen. „China ist ein wichtiger Markt für uns“, sagt Matthias Zink, CEO Automotive bei Schaeffler. Man werde hier „weiter in maßgeschneiderte Technologien für die Mobilität von morgen investieren“. Schon heute ist der Konzern mit acht Werken, einem Forschungs- und Entwicklungszentrum und mehr als 11.000 Mitarbeitern vor Ort präsent. Eine weitere Produktionsstätte soll bis 2018 in der südchinesischen Millionenmetropole Xiangtan entstehen. Die Strategie scheint aufzugehen: 2016 konnten die Franken ihren Umsatz in China um 13,3 Prozent steigern.

Infobox: E-Mobilität in China

Beim „großen Sprung nach vorn“ in Sachen E-Mobilität liebäugelt die chinesische Regierung auch mit festen Quoten. Ein entsprechender Gesetzesentwurf kursierte Ende vergangenen Jahres und sorgte unter deutschen Herstellern für erhebliche Unruhe. Laut Presseberichten hätten sie demnach schon ab 2018 acht Prozent ihrer in China abgesetzten Wagen mit Elektro- oder Hybridmotor ausstatten müssen. 2019 sollte der Anteil auf zehn Prozent steigen, 2020 auf zwölf. Bei Nichterfüllung hätten Strafzahlungen gedroht.

Sogar die Bundesregierung hat das auf den Plan gerufen: In einem Telefonat mit dem chinesischen Staatspräsident Xi Jinping hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel Mitte März „insbesondere auch über die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Elektromobilität in China“ gesprochen, wie Regierungssprecher Steffen Seibert anschließend verlautete. Sie müssten es der „deutschen Autoindustrie erlauben, weiter erfolgreich im chinesischen Markt tätig zu sein“.

Mittlerweile scheinen die Quoten zwar vom Tisch. Politischer Einflussnahme allein dürfte dies indes nicht geschuldet sein. Darauf deuten die jüngsten Ankündigungen von VW, Schaeffler und etlichen anderen Branchengrößen hin, viel Geld in die Hand zu nehmen, um ihre Produktion in der Volksrepublik weiter auszubauen und die Zusammenarbeit vor Ort zu intensivieren. Und ein Ende der Charme- und Investitionsoffensive scheint vorerst nicht in Sicht.

Jüngster im Bunde ist die VW-Tochter Audi: Die Ingolstädter machten Ende Mai ihre neue Strategie für ein künftiges Händlernetz in China publik, in deren Zuge der Autobauer sein „Portfolio an lokal produzierten und importierten Modellen ausweiten“ will. Vorgesehen ist unter anderem eine stärkere Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern in der Elektromobilität und der „Aufbau von Schlüsseltechnologien im Joint-Venture“. Auch die Zusammenarbeit beim Werkzeugbau soll verstärkt werden, um, so Audi, „die Lokalisierung zu intensivieren“.

Quelle: UmweltDialog
 

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