19.07.2019
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05.07.2019

Logistik

Ist E-Commerce ohne Berge aus Verpackungsmüll möglich?

Online-Shopping ist praktisch. Nur wenige Mausklicks, und der Einkauf ist erledigt. Mit etwas Glück steht der Paketbote schon am nächsten Tag mit der Lieferung vor der Tür. Wenn da nicht das Müllproblem wäre! Allerdings wächst die Zahl der Anbieter, die Mehrwegverpackungen einsetzen und alternative Zustellmöglichkeiten erproben.

Ist E-Commerce ohne Berge aus Verpackungsmüll möglich?

E-Commerce boomt. 53,6 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten die deutschen Online-Händler im Jahr 2018, schätzt das Statistische Bundesamt. Das waren über 4,5 Milliarden Euro mehr als noch ein Jahr zuvor. Bis zu 3,5 Milliarden Versandpakete transportieren Lieferdienste jedes Jahr kreuz und quer durch die Republik, hat die Bundesvereinigung Logistik (BVL) ermittelt. Die Folgen: verstopfte Straßen, Umweltbelastungen und vor allem viel Verpackungsmüll. Denn nach dem Auspacken bleiben oft Berge von Kartonagen, Kunststofffolien und Füllmaterial zurück.

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Es geht aber auch anders. Das zeigt das wachsende Angebot nachhaltiger Online-Shops, die sich abseits der alles dominierenden Giganten entwickelt hat. Dort werden verschiedene Modelle ausprobiert, von der exklusiven Kunststofftransportbox bis hin zu einem Pfandsystem für Versandtaschen. Auch umweltschonendere Zustellmöglichkeiten auf der „letzten Meile“ gehören dazu.

Die „memo Box“ nutzt die Vorteile von Kunststoff 

Einer der erfahrensten Versender nachhaltiger Produkte ist die memo AG. Die Gestaltung der Transportverpackungen ist für den 1989 gegründeten Versandhändler besonders wichtig, wie Sprecherin Claudia Silber sagt: „Als nachhaltig ausgerichtetes Unternehmen achten wir bereits bei der Aufnahme der Produkte in unser Sortiment darauf, dass diese eine möglichst sparsame, gut recyclingfähige Verpackung haben. Beim Versand der Ware an unsere Kunden müssen wir jedoch sicherstellen, dass diese unversehrt ankommen. Wir setzen dabei jedoch möglichst wenig Füllmaterial ein, das bei uns ausschließlich aus Recyclingpapier und -pappe und nicht aus Kunststoff besteht.“

"memo-Box" mit "Blauem Engel" ausgezeichnet

Für memo ist die ideale Kombination aus Nachhaltigkeit und optimalem Produktschutz ein Kunststoffbehälter: Die „memo Box“, die die Kunden kostenfrei zurückschicken können, ist seit zehn Jahren eine erfolgreiche Alternative zum klassischen Versandkarton. Im Jahr 2017 erhielt der Internethändler aus dem unterfränkischen Greußenheim u.a. dafür sogar den BVL-Nachhaltigkeitspreis. Schon seit 2014 ist das Mehrweg-Versandsystem mit dem Blauen Engel ausgezeichnet.

Viele Artikel aus dem Online-Sortiment können mit der „memo Box“ verschickt werden. Diese bietet die typischen Vorteile von Kunststoffverpackungen. Sie ist so langlebig wie stabil und hält sowohl gleißendem Sonnenlicht als auch klirrender Kälte stand. Seit drei Jahren besteht sie aus dem Recycling-Kunststoff Procyclen, den der Kölner Umweltdienstleister Interseroh entwickelt hat. Procyclen setzt bei der Herstellung 30 Prozent weniger Treibhausgasemissionen frei als Kunststoff, der aus Primärrohstoffen gefertigt wird, hat der Produzent berechnet.

23 Prozent aller Kunden nutzen die Kunststoffbox

Immerhin 23 Prozent der memo-Kunden entscheiden sich nach Angaben der Unternehmenssprecherin für den Mehrweg-Versand. Viele von ihnen tun das aus ökologischen Gründen. Jede Box kann innerhalb von 14 Tagen kostenfrei zurückgeschickt werden – leer oder auch mit Retouren. Wer den praktischen Behälter hingegen behalten möchte, lässt die Frist einfach verstreichen und erhält dann eine Rechnung.

Eine Mitarbeiterin befüllt eine memo Box.

Befüllt werden kann die Box bei der Rücksendung sogar mit Verpackungen sowie verbrauchten Produkten aus früheren Bestellungen, z.B. alten Schreibgeräten. Zehn Prozent aller Kunden nutzen diese Möglichkeiten, sagt Claudia Silber. Die Wertstoffe werden bei memo sortiert und dann an Recyclingunternehmen zur sinnvollen Verwertung weitergegeben. Jede zurückgeschickte Box wird auf Schäden oder Verunreinigungen überprüft. Nur im Bedarfsfall wird sie extra gereinigt. „Deutlich mehr als 200 Umläufe“ hätten die ersten memo Boxen bereits geschafft, erzählt Silber.

Der Instandhaltungsaufwand für die Mehrwegverpackungen lohnt sich auch an anderer Stelle. Laut Verpackungsgesetz müssen sie nämlich nicht kostenpflichtig bei einem Dualen System lizenziert werden – anders als Einweg-Kartonagen.

Versandtaschen werden bis zu 50 Mal wiederverwendet

Online-Shops, die keine exklusiven Mehrweg-Versandverpackungen entwickeln wollen, können trotzdem den Einwegverpackungsmüll reduzieren. Am unkompliziertesten ist es, Versandkartonagen einfach wiederzuverwenden. Das bietet beispielsweise das nachhaltige Modelabel von Claudia Lanius an. Wenn die Kunden dort während der Bestellung eine entsprechende Option aktivieren, erhalten sie ihre Lieferung in gebrauchten Kartons.

Eine Pfandsystem für Mehrweg-Versandtaschen hat hingegen der finnische Anbieter RePack aufgebaut. Online-Shops können den Versand in den für die vielfache Nutzung optimierten Kunststoffbeuteln anbieten. Die Kunden zahlen dafür dann gegebenenfalls bis zu drei Euro mehr. Den Betrag gibt es aber zurück, sobald die Versandtasche wieder kostenfrei an RePack zurückgeschickt worden ist. Das Rücksendesystem funktioniert weltweit, weil dazu Post-Briefkästen genutzt werden, in die die auf Briefgröße zusammengefalteten RePacks geworfen werden. Von der Deutschen Post seien die Beutel für den Versand ohne Aufpreis zertifiziert, berichtet Christof Trowitz vom deutschen Business Development.

Die Rücksendungen werden in Behindertenwerkstätten gereinigt und für die nächste Nutzung aufbereitet. Das lohnt sich. Bis zu 20 Umläufe schaffen die zum großen Teil aus recyceltem Polypropylen bestehenden Versandtaschen auf jeden Fall, versichert das Unternehmen. Einige hätte sogar schon 50 Versandreisen „auf dem Buckel“.
Mehr als 50 Online-Shops weltweit sind nach Angaben von RePack bereits an das System angeschlossen. In Deutschland können es unter anderem Kunden von Mudjeans oder auch Ethnotek nutzen. Derzeit fokussiere sich RePack vor allem auf Mode-Shops und den Versand von Produkten in Weichverpackungen. Diese ließen sich am besten per Post verschicken, erläutert Christof Trowitz.

Auf der letzten Meile besser ans Ziel kommen

Auch bei der Nutzung von Mehrwegverpackungen bleibt die „letzte Meile“ ein besonders kritischer Punkt des E-Commerce, gerade wenn der – meist im Transporter mit Verbrennungsmotor fahrende – Zusteller mehrere Male vergeblich beim Empfänger klingeln muss. Aber auch dafür gibt es alternative Lösungsansätze. So bietet die memo AG beispielsweise in Berlin und Frankfurt bereits die Paketzustellung mit dem Elektro-Lastenrad an. Das Transportmittel ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern innerstädtisch meist auch schneller als Kleintransporter mit Verbrennungsmotor, hat memo festgestellt. Die Deutsche Post DHL wiederum hat bereits 2012 begonnen, die Zustellung mit elektrisch betriebenen StreetScootern zu testen. Im Jahr 2017 waren bereits 5.000 solcher E-Mobile im Einsatz. Zusätzlich nutzt der gelbe Brief- und Paketversender etwa 10.500 Pedelecs.

Das spart unnötige Wege, eine Menge Zeit und sorgt für eine ausgeglichenere Work-Life-Balance

Einen anderen Weg geht im Wortsinne Pakadoo aus Böblingen. Das Start-up der LGI Logistics Group International will mit einer speziellen Smartphone-App die Zahl der erfolglosen Zustellversuche reduzieren. Pakete von Angestellten werden nicht mehr an deren Privatadresse, sondern an die üblicherweise besser erreichbare Poststelle des Arbeitgebers geschickt – deren Zustimmung natürlich vorausgesetzt. Die App bringt alle Beteiligten zusammen und koordiniert die Verteilung der jeweils notwendigen Informationen. „Das spart unnötige Wege, eine Menge Zeit und sorgt für eine ausgeglichenere Work-Life-Balance“, preist Pakadoo die Vorteile an. Die Pakadoo-App hat ein Jahr nach memo, nämlich 2018, den BVL-Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Der Juryvorsitzende Dr. Christian Plas würdigte sie als „hervorragendes Beispiel für Nachhaltigkeit durch logistische Effizienz“.

Quelle: UmweltDialog
 

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