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26.07.2019

Digitalisierung

VW macht Ernst mit digitalem Wandel

Die Volkswagen AG will 2023 bis zu vier Milliarden Euro in die Digitalisierung des Konzerns investieren. Das Geld soll vorrangig in die Verwaltung fließen, auch für die Produktion sind Projekte geplant. 2.000 Stellen könnten im Saldo wegfallen.

VW macht Ernst mit digitalem Wandel

Das gab die Unternehmensspitze des DAX-Konzerns bereits Anfang Juni bei der Vorstellung der von Vorstand und Gesamtbetriebsrat vereinbarten „Roadmap Digitale Transformation“ bekannt. Der größte europäische Automobilhersteller will sich damit für das digitale Zeitalter aufstellen. „Mit der Roadmap geben wir der Modernisierung von Volkswagen weiteren Schub“, sagt Ralf Brandstätter, der im Konzern als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft der Marke VW verantwortlich zeichnet.

Beschleuniger für E-Mobilität

Volkswagen erachtet den Fahrplan als Beschleuniger für die Transformation in die E-Mobilität. Der Konzern will bis zum Jahr 2023 rund 30 Milliarden Euro in die Elektromobilität investieren, bis 2028 sollen mehr als 70 neue E-Modelle auf den Markt rollen. VW engagiert sich zudem beim Aufbau der Ladeinfrastruktur und bietet über seine Tochter Elli Volkswagen Naturstrom an. Erst Mitte Juni ist der Konzern beim schwedischen Batteriezellhersteller Northvolt eingestiegen, um eine gemeinsame Batteriezellen-Produktion in Europa aufzubauen.

Thomas Schmall, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Group Components, sagt, der VW-Konzern übernehme in der E-Mobilität künftig Verantwortung von der Batteriezelle über den E-Antrieb bis zur Ladeinfrastruktur und dem Recycling. Dafür brauche Volkswagen „eine Digitalisierung unserer Prozesse, eine höhere Software-Kompetenz und eine schlanke und agile Steuerung der weltweiten Komponentenaktivitäten“.

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Bis zu 4.000 Stellen auf der Kippe

Schmalls Geschäftseinheit, seit Jahresanfang eigenständig, beschäftigt weltweit rund 80.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für fahrzeugproduzierenden Marken des VW-Konzerns Teile wie Getriebe, Sitze oder Fahrwerk entwickeln und fertigen. Ganz ohne Stellenabbau wird sein Reich nicht durch die Digitalisierung kommen: In den kommenden vier Jahren sollen bis zu 4.000 Stellen nicht wieder besetzt werden. Neben VW Group Components soll dies die Konzernsparte Pkw und Volkswagen Sachsen betreffen, wo rund 10.000 Menschen arbeiten.

Betriebsbedingte Kündigungen sind bei Volkswagen dennoch in den kommenden zehn Jahren ausgeschlossen. „Das ist ein wichtiges Signal“, sagt der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei VW, Bernd Osterloh. Beim Abbau von Arbeitsplätzen müsse klar sein, dass diese Tätigkeiten tatsächlich entfallen und nicht in einer Arbeitsverdichtung münden. „Die Digitalisierung bringt Veränderungen, aber der Arbeitsplatz bei Volkswagen bleibt sicher.“ Die Einigung zwischen Vorstand und Betriebsrat sieht den Angaben zufolge zudem mindestens die Schaffung 2.000 neuer Arbeitsplätze mit Bezug zur Digitalisierung vor.

„Mitarbeiter mitnehmen“

VW-Topmanager Brandstätter sagte bei der Vorstellung des Digitalfahrplans, zwei Ziele hätten bei dessen Entwicklung im Mittelpunkt gestanden. „Erstens: Volkswagen fit zu machen für das digitale Zeitalter und zweitens: die Mitarbeiter auf dem Weg der digitalen Transformation mitzunehmen“. Dafür lege man das größte Digital-Investment in der Geschichte des Konzerns auf. Die Mittel flössen in ein neues Finanzsystem, ein neues Einkaufs- und ein neues Personalsystem, jeweils auf SAP-Basis. Das verbessere auch die Produktivität im Konzern.

Die rund 2.000 neuen Arbeitsplätze, die Volkswagen bis 2023 in Aussicht stellt, sollen unabhängig von bereits zugesagten Arbeitsplätzen entstehen, vor allem am Standort Wolfsburg. Auf 1.000 Quadratmeter sollen hier zusätzlich agile Arbeitsplätze entstehen, die sich am sogenannten „Less push, more pull“-Ansatz orientieren: VW-Teams bearbeiten dabei Projekte weitgehend autonom, während die Führungskräfte sich auf übergeordnete Aufgaben konzentrieren. Volkswagen nutzt agile Arbeitsmethoden derzeit vor allem in der Softwareentwicklung.

Qualifizierung für die Digitalzukunft

Der Digitalfahrplan sieht zudem eine spürbare Ausweitung der Qualifizierung der VW-Beschäftigten vor. Volkswagen stellt dafür bis 2023 rund 160 Millionen Euro zur Verfügung, 60 Millionen mehr als ursprünglich veranschlagt. Das Geld soll allen Beschäftigten und Abteilungen zugutekommen, die von der Digitalisierung des Konzerns betroffenen sind. „Transformation und Digitalisierung gelingen nur mit einem top-qualifizierten Team“, sagt VW-Personalvorstand Gunnar Kilian.

Volkswagen hat bei der Vorstellung des Digitalfahrplans zudem die Gründung einer Online-Universität angekündigt, ohne dabei ins Detail zu gehen. Mitgeteilt wurde lediglich die Absicht, das Online-Lernen zu stärken. Der Konzern kämpft wie alle seine Mitbewerber mit einem Fachkräftemangel in den Informations- und Kommunikationstechnologien. Nach VW-Angaben fehlen bis 2020 europaweit bis zu 750.000 dieser Spezialisten.

Digitale Expertise, hausgemacht

Seit diesem Frühjahr bildet der Konzern deswegen Junior-Softwareentwickler in einem eigenen Programm aus. Die „Fakultät 73“ getaufte Qualifizierung richtet sich nicht nur an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns, sondern auch an IT-Begabte, Studienabbrecher oder Azubis. Nach erfolgreichem Abschluss winkt ihnen ein unbefristeter Arbeitsvertrag bei Volkswagen. Die Ausbildungsgänge, die Volkswagen anbietet, will der Konzern ebenfalls an künftige Bedarfe anpassen, ebenso die Elektro- und IT-Labore sowie Projektwerkstätten, wofür zunächst 8,5 Millionen Euro bereitstehen.

Auch wenn die „Roadmap Digitale Transformation“ für den Konzern mit hohen Investitionen verbunden ist, kalkuliert VW mittelfristig sinkende Kosten, die den Wandel ein Stück weit finanzieren helfen. Ab 2022 will Volkswagen dann derart neu aufgestellt eine Rendite von sechs Prozent erwirtschaften – drei Jahre eher als einst geplant. Das Renditeziel gilt als eine wichtige Voraussetzung, um den Wandel zur E-Mobilität zu stemmen. Zuletzt war VW davon weit entfernt. Die Umsatzrendite schrumpfte 2018 von 4,1 Prozent im Vorjahr auf 3,8 Prozent.

Als ein Grund gelten Probleme bei der Zulassung neuer Modelle nach den neuen Abgasmessregeln. Immerhin: Die dürften Europas größten Autobauer in seiner elektromobilen Zukunft kaum mehr aus der Bahn werfen.

Quelle: UmweltDialog
 

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