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Business Case

Wirtschaftsprüfung im Wandel: Gute Beratung rechnet sich

Der Markt der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Steuerberater wandelt sich. Reine Prüfungsdienstleistungen werden weniger, Kunden verlangen stattdessen öfter nach digitalen Services und individueller Beratung. Anbieter, die sich darauf bereits eingestellt haben, profitieren davon in der Corona-Krise besonders.

25.06.2020

Wirtschaftsprüfung im Wandel: Gute Beratung rechnet sich

Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Steuerberater blicken trotz der Corona-Krise eher optimistisch in die Zukunft. Das hat eine im März durchgeführte Online-Umfrage des Marktforschungsunternehmens Lünendonk & Hossenfelder ergeben. Immerhin 29 Prozent der 157 Befragten rechneten sogar mit steigenden Umsätzen im laufenden Geschäftsjahr. Der Grund: Der Beratungsbedarf für Optimierungs-, Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen steigt, während reine Steuerprüfungen und damit verbundene Beratungen weniger nachgefragt werden.

Damit könnte ausgerechnet die Pandemie als Beschleuniger für einen sowieso anstehenden Wandel der gesamten Branche wirken. Denn die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erleben eine digitale Transformation und müssen ihre Geschäftsprozesse daraufhin mit hohen Investitionen anpassen. Begleitet wird diese Entwicklung von einer abflauenden Konjunktur und Handelskrisen, weswegen das Marktwachstum in Deutschland schwächelt. 2018 lag es laut Lünendonk-Studie 2019 bei einem Gesamt-Marktvolumen von etwa 15 Milliarden Euro bei 5,8 Prozent, für 2019 prognostizierten die Mindelheimer Marktforscher nochmal fast zwei Prozent weniger.

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Das reine Prüf-Geschäft verspreche immer weniger Wachstumschancen, resümiert Lünendonk. Potenzial liege hingegen in Beratungsleistungen und Lösungen rund um „Business Analytics, Cloud und Cyber Security“. Was darunter zu verstehen ist, erläutert das Magazin „brand eins“: Wirtschaftsprüfer „bereiten bei Übernahmen sensible Daten auf, erstellen Gutachten und bewerten Beteiligungen. Sie prüfen interne IT-Systeme und begleiten Unternehmen bei der digitalen Transformation.“ Die Arbeit werde dadurch vielfältiger, vielfach auch lukrativer, allerdings drohten Interessenkonflikte.

Die digitale Transformation wie auch der Ausbau des Beratungsgeschäfts werde wesentlich durch die sogenannten „Big Four“ vorangetrieben – der Gruppe der vier weltgrößten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die zusammen 140 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften –, schreibt brand eins weiter. Inzwischen würden aber auch mittelständische Unternehmen von der Welle erfasst.

Mazars wächst bei Beratungen überdurchschnittlich

So befindet sich beispielsweise die deutsche Dependance von Mazars schon seit einiger Zeit in einem Restrukturierungsprozess. Bis 2024 sollen die drei Bereiche Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und „Financial Advisory Services“ (FAS) zu gleichen Teilen etwa 30 Prozent zum Unternehmensumsatz beitragen, berichtet das Finance-Magazin.

Tatsächlich sorgen der FAS-Bereich und die Rechtsberatung demnach bereits jetzt dafür, dass die laut Lünendonk-Liste 2018 neuntgrößte deutsche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft überdurchschnittlich stark wächst. Um 10,5 Prozent – und damit mehr als doppelt so stark wie ursprünglich prognostiziert – legte der Umsatz demnach im Geschäftsjahr 2018/2019 zu und liegt nun bei rund 158 Millionen Euro.
Das Arbeitsfeld der Wirtschaftsprüfungsbranche verändert sich wegen der neuen Anforderungen also deutlich. In Zukunft werden Buchungen nicht mehr nur stichprobenartig geprüft. Stattdessen erlauben digitale Werkzeuge Vollprüfungen. Wertpapiere können IT-gestützt in Echtzeit bewertet und Dokumente automatisiert erstellt werden, erklärt brand eins. Für die Berater heißt das, dass von ihnen ganz neue Qualifikationen verlangt werden. „Künftig werden wir verstärkt Mitarbeiter benötigen, die neben rein betriebswirtschaftlichen Kenntnissen auch ein tiefer greifendes Verständnis für Datenstrukturen sowie ein Prozessverständnis bezüglich Datenverarbeitung und systemübergreifendem Datenmanagement mitbringen“, beschreibt Mazars-Manager Patrick Oelze gegenüber dem Karriere-Portal „high potential“ die neuen Anforderungen ans Personal. Entscheidend bleibe aber weiterhin der menschliche Faktor, betont Rainer Bongarth vom Wirtschaftsprüfungsnetzwerk RSM aus Krefeld: „Software-Lösungen werden immer komplexer und komplizierter, sodass gerade für die Untersuchungen schlaue Köpfe gefragt sind und Menschen somit niemals überflüssig werden.“

Konzentration auf Zielmärkte

Die digitale Transformation und daraus folgende neue Aufgaben sind die eine Baustelle für die Wirtschaftsprüfer. Erst kürzlich hat Mazars in einer Umfrage herausgefunden, dass deutsche Führungskräfte bei der Investitionsbereitschaft für die digitale Transformation im europäischen Vergleich vorn liegen. Die andere große Herausforderung gerade für die Gesellschaften, die hinter den Big Four kommen, besteht in der Erhaltung der Leistungsfähigkeit, ohne dabei die Flexibilität zu verlieren. Mancher Wirtschaftsprüfer stecke in der Zwickmühle, dass sein Unternehmen für manche Mandate in der mittelständischen Wirtschaft eher zu groß und zu teuer sei, während die Größe für große, hochattraktive Kunden nicht ausreiche, schreiben Alex Sieben und Joachim Klostermann von Sieben & Partner bei haufe.de. Viele Gesellschaften schlössen sich deshalb zu größeren Einheiten zusammen, um im Wettbewerb zu bestehen. So hat Mazars beispielsweise seine heutige Stellung durch verschiedene Fusionen ab 2015 erreicht.

Mazars will seine Marktposition vor allem aber durch eine Konzentration auf bestimmte Kundenmärkte ausbauen – vor allem den Automotive- und Finanzsektor. Erst jüngst meldeten die Hamburger einen wichtigen Erfolg auf diesem Weg. Sie gewannen das Abschlussprüfungsmandat für Goldmann Sachs in Deutschland und Großbritannien. 

Die Investmentbank benötigte wegen der 2016 auf europäischer Ebene eingeführten Abschlussprüfer-Rotation eine neue Wirtschaftsprüfung. Der bisherige Anbieter aus dem Kreis der Big Four hatte das Mandat seit 1922 inne, weiß das Finance-Magazin.
Auch im Automotive-Sektor geht es demnach für Mazars voran. Als neue Mandate wurden unter anderem Opel und die Werkstatt-Kette A.T.U. gewonnen.

Quelle: UmweltDialog
 

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