18.01.2019

10.12.2018

Textilien

Bitte mehr Bio-Baumwolle!

Baumwolle zählt zu den meistgenutzten Naturfasern in der Textilindustrie. Der konventionelle Anbau ist allerdings oftmals umweltschädlich. Kleidung aus Bio-Baumwolle ist wesentlich nachhaltiger. Noch macht sie aber nur einen geringen Teil der Baumwollproduktion aus. Tchibo will das mit seiner Einkaufspolitik ändern.

Bitte mehr Bio-Baumwolle!
Baumwolle ist in der Textilindustrie sehr beliebt.

Nahezu jeder trägt sie täglich auf der Haut: Baumwolle gilt als eine der wichtigsten Naturfasern in der Textilindustrie. Etwa ein Drittel aller Textilfasern werden laut WWF daraus gefertigt. Das ist kein Wunder: „Baumwolle ist atmungsaktiv, reißfest, saugfähig und angenehm auf der Haut zu tragen“, schreibt das Umweltinstitut München. Aber woher kommt sie eigentlich?

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Baumwolle wächst an Sträuchern. Sie wird in über 70 Ländern angebaut, Indien und China sind dabei die Hauptproduzenten. Der konventionelle Anbau von Baumwolle ist nicht besonders umweltfreundlich: Es werden viele Pestizide verwendet und der Wasserverbrauch ist hoch. Bei Tchibo setzt man daher auf nachhaltige Bio-Baumwolle. Das Unternehmen ist der drittgrößte Abnehmer von ökologischer Baumwolle weltweit. Etwa 80 Prozent der verwendeten Baumwolle stammen aus nachhaltigen Quellen, der Großteil davon ist aus ökologischem Anbau. Bis 2020 sollen es sogar 100 Prozent sein.

Hohe Nachfrage – wenig Angebot 

Das ist kein einfaches Ziel, denn nachhaltige Baumwolle ist am Markt nur eingeschränkt verfügbar. So macht der Anteil an ökologisch angebauter Baumwolle gerade einmal 0,5 Prozent des gesamten Baumwollmarktes weltweit aus, wie Bart Vollard von der Initiative Organic Cotton Accelerator (OCA) weiß. „Die Nachfrage nach Bio-Baumwolle ist zwar hoch, aber die Markt- und Preisstrukturen funktionieren nicht“, ergänzt Crispin Argento vom OCA: „Handelsmarken brauchen viel Bio-Baumwolle und Farmer werden nicht ordentlich entlohnt.“

Die Umstellung von konventionellem Baumwollanbau auf Bio-Baumwolle ist zudem ein langwieriger Prozess. Knapp drei Jahre dauert es, bis die Farmer ihre Ernte als biologisch deklarieren und verkaufen könnten, so Vollard: „Während dieses Prozesses haben die Farmer oftmals mit einem Ernterückgang zu kämpfen, da der Boden seine Zeit braucht, bis er seine natürliche Aktivität restauriert hat.“ Die Folge ist, zumindest vorrübergehend, ein geringeres Einkommen. Auch der Zugang zu gentechnikfreiem Saatgut ist nicht immer einfach: In Indien etwa sind über 95 Prozent der Baumwolle gentechnisch verändert. Sortenreines Saatgut ist daher eine Mangelware: „Außerdem liegen Bio-Baumwollfarmen und solche, die ihre Baumwolle auf herkömmliche Weise anbauen, oft dicht beisammen. Dadurch kann es durch Kreuzbestäubungen ebenfalls zur Kontamination kommen.“

Bio-Baumwolle

Konventioneller Anbau vs. Bio-Baumwolle

Baumwolle ist eine anspruchsvolle Pflanze, heißt es vonseiten des Umweltinstituts München. Sie benötigt zum Wachsen viel Sonne und ist sehr empfindlich gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Daher setzen die Bauern beim konventionellen Anbau viele Pflanzenschutzmittel ein. Das wirkt sich zum einen negativ auf die Gesundheit der Farmer aus. Zum anderen können die Pestizide auch das Grundwasser verschmutzen. Allgemein ist der Wasserverbrauch beim konventionellen Anbau immens hoch: Allein für ein Kilo Baumwolle benötigt man etwa 11.000 Liter, heißt es vom WWF. Zudem ist ein Großteil des Saatguts genetisch modifiziert.

Bio-Baumwolle ist hingegen wesentlich nachhaltiger. Das Saatgut ist frei von Gentechnik, wobei Kreuzbestäubungen mit genmodifiziertem Saatgut nicht unbedingt zu vermeiden sind. Pestizide und künstlicher Dünger dürfen nicht verwendet werden. Das schützt die Farmer und das Grundwasser. Laut dem Organic Cotton Market Report 2016 von der Organisation Textile Exchange verbraucht man gegenüber dem konventionellen Anbau zudem über 70 Prozent weniger Wasser.

Wie kann man den Farmern helfen?

Tchibo möchte die Probleme der Farmer angehen und ist deshalb Mitglied beim Organic Cotton Accelerator. An dieser Multi-Stakeholder-Initiative nehmen sowohl NGOs als auch weitere Bekleidungsunternehmen teil. Gemeinsam erarbeiten sie Lösungen, um den Anbau von Bio-Baumwolle zu stärken und zu fördern. „Wir repräsentieren über 70 Prozent der weltweiten Bezieher von Bio-Baumwolle. Somit haben wir die Möglichkeit, den Markt zu beeinflussen und weiter zu entwickeln, damit er einflussreicher, fairer und zugleich rentabler wird“, erklärt Argento. Die Umstellung von konventionellem zu biologischem Anbau soll für die Farmer einfacher und vor allem risikoärmer werden. So arbeitet die Initiative beispielsweise daran, die Entwicklung von gentechnikfreiem Saatgut voranzubringen. 

Die Kleidung aus Bio-Baumwolle von Tchibo ist unter anderem an der Zertifizierung durch den Organic Content Standard (OCS) oder dem Siegel des Global Organic Textile Standard (GOTS) zu erkennen. Das alleine reicht dem Unternehmen aber nicht. Nanda Bergstein, die Leiterin der Unternehmensverantwortung von Tchibo, erklärt: „Uns ist auch bewusst, dass Zertifizierungen ihre Grenzen haben. Sie beziehen sich häufig nur auf Teile der Lieferkette, auf einzelne, fokussierte Nachhaltigkeitskriterien und deren Wirkungen. Da wir uns vorgenommen haben, ein zu 100 Prozent nachhaltiges Unternehmen zu werden, wissen wir, dass wir an Projekten arbeiten müssen, die über die Zertifizierung von Materialien hinausgehen.“ Daher ist das Unternehmen Mitglied bei der Organisation Textile Exchange, die den Bio-Anbau von Baumwolle ebenfalls fördert, und engagiert sich bei Cotton made in Africa. Diese Initiative setzt sich für den Anbau von nachhaltiger Baumwolle in Afrika ein und hat schon einige Bildungsprojekte ins Leben gerufen.

Quelle: UmweltDialog
 

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