Klimawandel

Prognosen von Klimamodellen oft zu einseitig

Der Klimawandel gewinnt für Politik und Öffentlichkeit immer mehr an Bedeutung. Viele ambitionierte Klimapläne verlassen sich jedoch auf gezielte Eingriffe ins Klimageschehen, deren Risiken nur unzureichend verstanden werden. In einer neuen Publikation beschreiben IASS-Forscher, wie Klimamodelle zu „Best-Case-Szenarien“ tendieren. Sie warnen, dass eine verzerrte Wahrnehmung der Chancen von Climate-Engineering-Technologien die Trägheit von Politik und Industrie beim Klimaschutz verstärken könnte.

29.09.2020

Prognosen von Klimamodellen oft zu einseitig
Neben Plänen zur Emissionsminderung werden auch technische Eingriffe ins Klimageschehen diskutiert.

 Der Fokus der Analyse liegt auf den Modellen, die den Berichten des Weltklimarates zugrunde liegen. Diese liefern Prognosen für verschiedene Kombinationen von Technologien, untersuchen alternative Einsatzmöglichkeiten und prognostizieren klimatische Auswirkungen. Die Autoren zeigen, dass die Modellierung von zwei Gruppen von Climate-Engineering-Technologien, dem Solar Radiation Management und der Abscheidung von Kohlendioxid aus der Luft, zu „Best-Case-Prognosen“ tendiert. Dies könne unerwünschte Folgen haben: Wenn Forschung, Politik und Industrieplanung sich auf allzu optimistische Prognosen stützen, zeigen sie bei der Abkehr von fossilen Infrastrukturen womöglich weniger Ehrgeiz. Besonders der Einsatz bestimmter Arten der Kohlendioxidabscheidung wird bisweilen fälschlicherweise als Ersatz für Emissionsminderungen angesehen.

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Klimamodelle sind nicht neutral

Die Forscher zeigen Wege auf, diesem Trend entgegenzuwirken. So schlagen sie Mechanismen vor, um die Beteiligung von Interessengruppen bei der Klima-Modellierung zu erhöhen und politischen Realismus zu stärken. „Ein Verständnis von Modellierungen als explorative und technisch fokussierte Berechnungen zur Unterstützung von Entscheidungsfindungen ist vereinfachend. Modellierer müssen Parameter und Entwurfsszenarien auswählen. Ihre Entscheidungen können nicht ‚neutral‘ sein – Szenarien spiegeln versteckte Urteile wider und schaffen Maßstäbe für weitere Gespräche, sei es bei der Bewertung oder bei der Technologie- und Politikentwicklung“, sagt Co-Autor Sean Low. Aus diesem Grund sei mehr Transparenz nötig, wie Modelle konstruiert, wahrgenommen und angewendet werden. Bemühungen der wissenschaftlichen Gemeinschaft, Modellierungsansätze mit Technologieexperten, Innovationswissenschaftlern und anderen Sozialwissenschaftlern abzustimmen, seien ein pragmatischer erster Schritt in diese Richtung.

Vernachlässigung des Kleingedruckten kann zu Problemen führen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten zudem darauf achten, dass es durch selektive Nutzung von Modellierungsergebnissen nicht zu Missverständnissen kommt. Diese Gefahr bestehe, weil die Ergebnisse stilisierte, optimierte Szenarien anbieten. Diese seien aber nicht ohne weiteres als Alternativen zu gegenwärtigen Klimaschutzplänen oder sogar als Handlungsanweisungen zu nutzen. Weil keine technischen Fehler und kein politisches Hin und Her einberechnet sind, können die Modelle ein falsches Gefühl der Gewissheit bezüglich der Durchführbarkeit einer bestimmten Vorgehensweise hervorrufen. Da Modellierungsprojektionen systemische Risiken nur unzureichend abbilden können, sei es problematisch, wenn Entscheidungsträger sie aus politischen und wirtschaftlichen Interessen für bereits existierende Agenden nutzen und das „Kleingedruckte“ der Modelle übersehen.

Noch viel politische Arbeit nötig

Die Autoren betonen die Notwendigkeit von politischen Leitplanken: „Bei der Klimapolitik liegt der Teufel wirklich im Detail. Die Trägheit unseres kohlenstoffbasierten Wirtschaftssystems macht erhebliche Anstrengungen notwendig, damit kurzfristige Partikularinteressen nicht die politische Integrität untergraben“, sagt Co-Autor Matthias Honegger. Es seien sorgsame politische Steuerung und Transparenz bei der Modellierung erforderlich, wenn Solar Radiation Management und Kohlenstoffabscheidung eine konstruktive Rolle in der künftigen Klimapolitik spielen sollen.

Quelle: UD/fo
 

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