Energiewende

Energiesicherheit ist im Energietrilemma oberste Priorität für 2023

Die Sorge um die Energiesicherheit übertrifft die Notwendigkeit sauberer und bezahlbarer Energie auf der Prioritätenliste der Energieunternehmen weltweit, da das Energiesystem laut Meinung der Branche das Energietrilemma in den nächsten zehn Jahren nicht lösen wird. Dies geht aus einer DNV-Studie hervor, die auf Basis einer Erhebung zwischen Dezember 2022 und Januar 2023 die Ansichten von mehr als 1.300 leitenden Energiefachleuten analysiert.

05.05.2023

Energiesicherheit ist im Energietrilemma oberste Priorität für 2023
Trotz der Fortschritte in der Energiewende ist weniger als die Hälfte der Branche zuversichtlich, die Dekarbonisierungs- und Klimaziele zu erreichen.

Die Energiesicherheit wird im kommenden Jahr für sowohl den Öl- und Gas- als auch den Energiesektor im Mittelpunkt stehen. Für die Akteure im Bereich der erneuerbaren Energien steht weiterhin die saubere Energie im Fokus, während die Prioritäten der industriellen Energieverbraucher im Gegensatz zu deren Lieferanten und Partnern stehen, da sie zugängliche und bezahlbare Energie bevorzugen.

In Deutschland sollte sich die Energiewirtschaft auf den Nachhaltigkeitsaspekt fokussieren. 45 Prozent der Befragten räumten diesem Aspekt des „Energietrilemmas“ höchste Priorität ein. 51 Prozent der Befragten stimmen zu, dass die jüngsten politischen Veränderungen die Dekarbonisierungsziele für ihr Unternehmen erreichbarer gemacht haben; 41 Prozent glauben, dass sie die richtigen Mitarbeiter haben, um mit der Energiewende Schritt zu halten, und 49 Prozentsind optimistisch, dass ihr Unternehmen diese Ziele tatsächlich erreichen kann. Gründe für diesen Optimismus sind laut 55 Prozent der Befragten nationale oder internationale energiepolitische Veränderungen oder Reformen, gefolgt von Fortschritten bei der Energiewende, die von 48 Prozent favorisiert werden.

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Nur 39 Prozent der Energiefachleute sind zuversichtlich, dass die Dekarbonisierungs- und Klimaziele erreicht werden können. Dennoch sind die Fortschritte bei der Energiewende der größte Grund für die Zuversicht der Energiefachleute für das kommende Jahr und die Mehrheit glaubt, dass sich die Energiewende beschleunigt.

Die Lösung des Energie-Trilemmas – die Bereitstellung sicherer, sauberer und bezahlbarer Energie – wird von der Energiewirtschaft als langfristiges Ziel angesehen, so Trilemma and Transition: The momentum to break barriers, der neuesten Ausgabe der jährlichen DNV-Studie über die Aussichten der Energiebranche. Nur wenige in der Branche (17 Prozent) glauben, dass die Energiewende im nächsten Jahrzehnt sichere, saubere und bezahlbare Energie für alle Teile des Energiesystems in ihrem Land liefern wird. Die meisten (41 Prozent) sind der Ansicht, dass dies in zehn bis 20 Jahren erreicht wird, während eine große Gruppe (32 Prozent) glaubt, dass dieses entscheidende Ergebnis der Energiewende erst weit in den 2040er Jahren erreicht wird. Diese Einschätzung gilt für alle Regionen; nur die Energieexperten in Nordamerika sind in Bezug auf den Zeitplan etwas konservativer

„Das Energie-Trilemma steht im Jahr 2023 im Mittelpunkt, da das Energiesystem in allen drei Aspekten kämpft. Russlands Einmarsch in der Ukraine hat die Welt daran erinnert, wie fragil die Energiesicherheit sein kann; Kohlekraftwerke werden hochgefahren, während Projekte für erneuerbare Energien unter Druck geraten; und die Energieverbraucher werden durch die Energiekosten unter Druck gesetzt“, sagt Ditlev Engel, CEO, Energy Systems bei DNV. „Das Trilemma ist ebenfalls im Wandel begriffen. In einem komplexen und schwierigen Jahr für die Energiewirtschaft sehen wir, dass das Trilemma zu konkurrierenden Prioritäten führt. Aber in einem dekarbonisierten Energiesystem ziehen Nachhaltigkeit, Erschwinglichkeit und Sicherheit tatsächlich alle an einem Strang, und der öffentliche und private Sektor kann das Trilemma durch einen neuen Ansatz zur Skalierung und Umsetzung lösen.“

Steigende Investitionen in saubere Energien?

Etwa 80 Prozent der Fachleute im Bereich der erneuerbaren Energien glauben, dass die Sorge um die Energieversorgungssicherheit im kommenden Jahr zu mehr Investitionen in erneuerbare Energien führen wird, während die Mehrheit (61 Prozent) aus der gesamten Energiebranche der Meinung ist, dass ihr Unternehmen durch eine Verbesserung der Nachhaltigkeit rentabler werden kann.

Im Gegensatz dazu hat ein Rekordjahr mit Gewinnen für die Öl- und Gasindustrie neu definiert, wie akzeptable Gewinne für den Sektor aussehen. Im Jahr 2022 gaben 52 Prozent der Führungskräfte in der Öl- und Gasindustrie an, dass ihr Unternehmen akzeptable Gewinne erzielen würde, wenn der Ölpreis im Durchschnitt 40 bis 50 US-Dollar pro Barrel betragen würde. Für das kommende Jahr sehen das nur 39 Prozent so. Die Hälfte der Befragten aus der Öl- und Gasindustrie (53 Prozent) gibt an, dass ihr Unternehmen die Investitionen in Gas im Jahr 2023 erhöhen wird, das sind acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Etwa 43 Prozent der Öl- und Gasindustrie erwarten, dass sie ihre Investitionen in Öl erhöhen werden, ein Anstieg um neun Prozentpunkte. Die Öl- und Gasunternehmen verlangsamen ihre Verlagerung in Bereiche außerhalb des Kerngeschäfts mit Kohlenwasserstoffen und halten ihren Fokus auf die Dekarbonisierung im Vergleich zu 2022 zurück.

Im Jahr 2023 erwartet die Energiebranche insgesamt höhere Investitionen in saubere Energiequellen und -träger. Die Hälfte der Energiefachleute erwartet, dass ihr Unternehmen in kohlenstoffarmen Wasserstoff/Ammoniak (52 Prozent) investieren wird, und ein ähnlicher Anteil in Windkraft (49 Prozent) und Solarenergie (46 Prozent). Mehr als ein Drittel erwartet, dass ihr Unternehmen die Investitionen in die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung erhöhen wird. In Bezug auf Grundlagentechnologien geben sechs von zehn an, dass ihr Unternehmen die Investitionen in Energieeffizienz und Digitalisierung erhöhen wird, und die Hälfte der Branche investiert in Energiespeichertechnologien.

„Die Energiewende hat sich sowohl durch eine Pandemie als auch durch eine Energiekrise beschleunigt, und dies hat dazu geführt, dass die Märkte sich bemühen, mit der Entwicklung Schritt zu halten, und zwar in Bezug auf Übertragungs- und Verteilungssysteme, Lieferketten, Genehmigungen und Lizenzen, Finanzierung, Infrastruktur und Arbeitskräfte“, sagt Engel. „Im kommenden Jahr könnten wir eine Verlangsamung des Abbaus fossiler Brennstoffe erleben, aber möglicherweise auch eine Verlangsamung des Ausbaus sauberer Energie - wenn die Hindernisse nicht überwunden werden. Regierungen und politische Entscheidungsträger müssen sich engagieren und Hindernisse für die Umsetzung beseitigen, und jeder in der Energiebranche muss den Übergang vorantreiben.“

Niedrigeres Tempo und wachsende Dynamik

Die DNV-Studie zeigt Anzeichen auf, dass Barrieren das Tempo der Energiewende im kommenden Jahr verlangsamen könnten. Allerdings wächst die Dynamik, diese Barrieren zu überwinden, da die Gesellschaft zunehmend die Auswirkungen der Klima- und Energiekrisen spürt und Engpässe den Fortschritt immer stärker behindern.

Im Stromsektor herrscht große Einigkeit über die dringende Notwendigkeit größerer Investitionen in das Stromnetz, während nur ein Fünftel des Sektors der erneuerbaren Energien der Meinung ist, dass die derzeitige Planung der Übertragungskapazitäten ausreicht, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu ermöglichen. Drei Viertel der Energiebranche geben an, dass Probleme in der Lieferkette den Übergang verlangsamen, während weniger als die Hälfte der Branche (44 Prozent) eine deutliche Verbesserung der Warenverfügbarkeit im Jahr 2023 erwartet.

Für den Sektor der erneuerbaren Energien sind fehlende politische/staatliche Unterstützung und Probleme bei der Genehmigung/Lizenzierung die größten Wachstumshemmnisse, und eine große Mehrheit (88 Prozent) ist der Meinung, dass eine Beschleunigung der Genehmigung und Lizenzierung für die Erreichung der Klimaziele entscheidend ist. Für etwa 40 Prozent der Energieunternehmen weltweit wird es immer schwieriger, günstige Finanzierungen für Projekte zu erhalten. Regional gesehen ist der Zugang zu Finanzmitteln für Unternehmen in Nordamerika und Europa einfacher. Aufgeschlüsselt nach Sektoren haben fast die Hälfte der Energieversorgungsunternehmen (47 Prozent) und 62 Prozent der industriellen Energieverbraucher zunehmend Schwierigkeiten, Finanzierungen zu erhalten.

Laden Sie hier den Bericht herunter (in englischer Sprache).

Über die Studie

Die DNV-Studie Energy Industry Insights, die bereits zum 13. Mal herausgegeben wird, untersucht das Vertrauen, die Stimmung und die Prioritäten der Energiebranche für das kommende Jahr.

Trilemma and Transition: The momentum to break barriers stützt sich auf DNV’s weltweite Erhebung unter mehr als 1.300 leitenden Energieexperten. Ergänzt wird dies durch ein Programm von ausführlichen Interviews mit führenden Persönlichkeiten der Energiebranche. Der Bericht wurde von DNV und FT Longitude (einem Unternehmen der Financial Times) entwickelt und erstellt.

Die Untersuchung wurde im Dezember 2022 und Januar 2023 durchgeführt. Die Befragten stammten aus der gesamten Energiewirtschaft und umfassten die Bereiche Strom, erneuerbare Energien, Öl und Gas, Branchenspezialisten (zum Beispiel aus den Bereichen Technologie, Finanzen oder Politik) sowie industrielle Energieverbraucher. Die Befragten repräsentieren eine Reihe von Funktionen innerhalb der Branche, von Führungskräften auf Vorstandsebene bis hin zu leitenden Ingenieuren.

Quelle: UD/cp
 

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