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Zurück in die Zukunft - Bericht zur CSR-Konferenz der Humboldt Universität

In welche Richtung entwickelt sich Corporate Social Responsibility (CSR)? Was sind derzeit die entscheidenden Fragen und Trends rund um den Globus? Nur wenige Konferenzen geben darauf so reflektiert Antwort wie die alle zwei Jahre stattfindende CSR-Konferenz der Humboldt-Universität. Ein persönlicher Rückblick aus Berlin von UmweltDialog-Chefredakteur Elmer Lenzen.

10.10.2012

Cover des Programms zur Konferenz
Cover des Programms zur Konferenz
Seit nunmehr einem Jahrzehnt hat sich die „International Conference on Corporate Social Responsibility“ als feste Größe im Terminkalender von CSR-Akteuren etabliert. In diesem Jahr lautete der Titel „The future of CSR“, aber aus meiner Sicht war es vor allem eine Reise zurück an die Kernfragen von CSR. Dazu trugen Redner wie Simon Zadek, Archie Carroll oder auch Björn Stigson bei. Es gebührt den beiden Organisatoren Professor Joachim Schwalbach und Anja Schwerk ein großes Lob für diesen Ansatz: Dadurch, dass sie nämlich mit solchen Rednern die Basics zurück auf die Tagesordnung brachten, öffneten sie auch den Weg für eine fundierte Debatte über die Zukunft von CSR, die nicht nur tagesaktuelles Reagieren und jährliches Reporting kennt.

„Es kommt bei CSR darauf an, dass die Unternehmen das Richtige tun, und sei es aus falschen Beweggründen.“ Das sagte Simon Zadek. So charmant ihm der Satz über die Lippen ging, so wenig hilfreich ist er natürlich am Ende des Tages. Zadek weiß das am Allerbesten und sein Grinsen, mit dem er solche und ähnliche Sätze in Berlin begleitete, war wohl britischer Humor pur. Nein, CSR ist keine Fata Morgana und keine leichte Fingerübung, betonte Zadek vielmehr eindringlich.

Vor 20 Jahren, erinnerte er sich, habe CSR begonnen - mit schrägen Typen mit ebensolchen Ideen. Heute hänge die Lebenswirklichkeit von Millionen von Farmern und Arbeitern in Fabriken rund um den Globus von der Antwort auf die Frage ab, wie wir mit Zulieferketten umgehen, welche Art von Arbeitsbedingungen wir tolerieren, und wie wir als Verbraucher uns entscheiden.

Simon Zadek ist eine Institution in der CSR-Szene: Der Brite gründete die renommierte Denkfabrik AccountAbility, die er bis 2009 leitete. Als Berater arbeitet er für Regierungen, internationale Agenturen, Firmen und NGOs. Zadeks Stärke ist es, größere Zusammenhänge zu erkennen und zu benennen.

CSR habe viel in den letzten 20 Jahres erreicht, so Zadeks versöhnliches Resümee. Er zählt dazu etwa die Fortschritte im Gesundheitswesen. Kinderlähmung - um ein Beispiel zu nennen - stehe kurz vor der Ausrottung. Und CSR habe auch vieles nicht erreicht: Wie wenig die Politiker dieser Welt sich für derzeit die Umwelt interessieren, hat erst jüngst der Erdgipfel von Rio gezeigt. In wenigen Jahren werden die Weltmeere leergefischt sein. Und es gibt die Defizite im Lebensentwurf jedes Einzelnen, warnte Zadek: Wenn wir uns heute immer öfter als Konsumenten denn als Bürger verstehen, tauschen wir unsere Bürgerrechte gegen einen Kassenbon, so er Brite. Wir würden folglich unsere Identität über das begreifen, was wir konsumieren statt dem, was wir sind.  

Zugleich lieferte Zadek in Berlin eine sehr präzise und Management-orientiere Definition von dem, was CSR heute ist und künftig leisten muss: Es gehe nicht alleine darum, aus einer moralischen Position heraus zu handeln. Vielmehr sei CSR für Zadek eine Methode zur effektiven Einbeziehung nicht-finanzieller externer Effekte in den Geschäftsprozess. Das mache Handlungen und Abläufe unabhängig von einer Individualethik und verankert sie in der „DNA“ des Unternehmens. Da ist der Brite dann ganz Wirtschaftswissenschaftler und jahrzehntelanger Praktiker. Und er ist Realist: Die Welt sei seit der Finanzkrise 2008 rauer geworden. Corporate Social Responsibility müsse in der Zukunft mehr denn je fester Bestandteil von Managementprozessen werden. Als „moralisches Beiwerk“ bestehe zu sehr die Gefahr, dass man es schnell weglässt.

An dieser Stelle setzte auch der Beitrag von Björn Stigson an. Für annähernd zwei Dekaden war der Schwede Präsident des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD). Ursprünglich mit dem Gedanken der Energieeffizienz gestartet hat sich das WBCSD über Jahre ein breites Themenfeld erarbeitet. Dazu zählen aktuell vor allem Zukunftsszenarien und was diese für nachhaltige Entwicklung bedeuten: So verwies Stigson darauf, dass sich bis zum Jahr 2050 die Zahl der Stadtbewohner von derzeit ca. drei Mrd. Menschen auf sechs Milliarden verdoppeln wird. Das bedeutet für die urbane Infrastruktur eine fast unvorstellbare Herausforderung an Versorgungsfragen - ob Wasser, Energie, Mobilität, Müllabfuhr, Nahrung. Das sei aber nicht nur als Problem zu erfassen, so Stigson, sondern es sei zugleich auch die „vielleicht größte Geschäftschance in der Menschheitsgeschichte“. Eine Geschäftschance, die vor allem mit grünen Techniken umsetzbar sei. Das „Rennen um Green Business“, so Stigson, sei eröffnet, und vor allem China habe dies erkannt und strebe hier die Weltmarktführung an.

Erstmals wurde bei der Konferenz auch eine Auszeichnung für das Lebenswerk verliehen. Erster und würdiger Preisträger ist Archie Carroll. Der erimitierte Professor der Universität von Georgia hat sich seit den 60er Jahren wie nur wenige andere um die Entwicklung und Systematisierung des CSR-Ansatzes verdient gemacht. Archie Carroll hat beispielsweise eines der bekanntesten und meist diskutierten Konzepte zu CSR erarbeitet. Mit einer Pyramide werden der Umfang und die Kategorien der sozialen Verantwortung abgebildet. Dabei bilden die wirtschaftliche, die rechtliche, die ethische und die philantrophische Verantwortung eine gemeinsame Rolle und weisen den unternehmerischen Auftrag über das gesetzlich vorgeschriebene Minimum hinaus. Ein Gedanke, den fast jede CSR-Definition auf die eine oder andere Art so beinhaltet. Gerade die Dimension der „legal responsibilities“ gewinnt dabei heute zunehmend wieder Aktualität und Relevanz, wenn man etwa einen Blick auf die CSR-Empfehlungen der EU Kommission wirft.   
Quelle: UD
 
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