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CSR-Strategie

Mazars: Viel Luft nach oben bei Nachhaltigkeit von Banken

Nachhaltigkeit spielt in den meisten großen europäischen Bankhäusern weiterhin nur eine untergeordnete Rolle. Und das sowohl mit Blick auf die Einbettung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien in die eigenen Reihen, als auch mit Blick auf nachhaltige Finanzprodukte. Es ist nicht die erste Schelte, die die Branche dieses Jahr kassiert. Die Lücke zwischen Anspruch und Realität klafft weiter.

17.09.2020

Mazars: Viel Luft nach oben bei Nachhaltigkeit von Banken

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Mazars, für die Nachhaltigkeits- und Geschäftsberichte von 30 vorwiegend europäischen Großbanken ausgewertet wurden, darunter Barclays, Citi, Credit Suisse, Santander und UBS. Die bewerteten Institute sind allesamt Mitglieder der Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP-FI oder bekennen sich zu den von der Initiative entwickelten Grundsätzen für ein verantwortungsbewusstes Bankgeschäft.

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Mit dem Bekenntnis zu diesen Grundsätzen verpflichten sich die Geldhäuser eigentlich dazu, verantwortungsbewusst zu handeln, die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und des Pariser Klimaabkommens zu unterstützen. Folgt man den Ergebnissen der Mazars-Studie gibt es dabei indes noch viel Luft nach oben: Von den 30 bewerteten Instituten konnten die Unternehmensberater keinem eine Top-Bewertung bescheinigen. Voraussetzung dafür wäre die Erfüllung von mindestens 90 Prozent ausgewählter Nachhaltigkeitskriterien, beispielsweise zu öko-sozialen Initiativen und Zielen oder zu Berichterstattungsstandards.

Nachhaltigkeit ja, aber …

Immerhin: Zehn der untersuchten Banken können zumindest mit der Einhaltung einiger dieser Kriterien punkten. Siebzehn weitere Institute schmücken sich mit nachhaltigen Ansätzen, erbringen laut Mazars aber „für die meisten Faktoren nur begrenzte Belege“. Freiwillige ESG-Berichtsstandards hätten die meisten Häuser zwar schon eingeführt. Die seien aber bei mehr als der Hälfte der Unternehmen nur unzureichend in interne Prozesse wie dem Risikomanagement integriert. 

Vieles bleibt der Studie zufolge noch im Vagen. So hätten die meisten Banken Programme zur sozialen Verantwortung aufgelegt oder ihrem ESG-Engagement einen Rahmen gegeben. Die Definition und Offenlegung von Nachhaltigkeitszielen sei aber „noch nicht gängige Praxis“, so die Autoren. Auch die von den Banken angebotenen Produkte mit Nachhaltigkeitsanspruch springen laut Studie noch zu kurz: Zwar böten alle Häuser umweltverträgliche Finanzdienste an. Ein Angebot, das sozioökonomische Aspekte vollständig berücksichtigt, könnten aber nur 13 von 30 vorweisen.

Branche unter Beobachtung 

Die Ende Juni von Mazars vorgelegten Studienergebnisse decken sich mit einer ganzen Reihe ähnlicher Untersuchungen. So hat die Umweltstiftung WWF erst Anfang des Jahres in einer eigenen Analyse beklagt, dass sich viele (deutsche) Institute zwar zu Grundsätzen für ein verantwortungsbewusstes Bankgeschäft bekennen würden. Die „konsequente Implementierung“ in den eigenen Reihen sei „jedoch noch nicht fortgeschritten“. Auch sei der Anteil der nachhaltigen Finanzprodukte im Vergleich zu bisherigen konventionellen Bankprodukten „nach wie vor sehr gering“, so der WWF.

Die Umweltschützer drängen auf eine „Transformation der Branche“. Und auch die Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Mazars rät den Finanzinstituten, „ESG-Faktoren wirklich (sic!) in ihre Entscheidungen über Investitionen zum Wohl des Unternehmens, ihrer Kunden und der Gesellschaft einzubetten“, so Mazars-Partnerin Leila Kamdem-Fotso. Eine gute Gelegenheit dafür sieht die Finanzexpertin in der Bewältigung der Corona-Pandemie, in der der Bankensektor bereits mitgeholfen habe, die Wirtschaft am Laufen zu halten. Jetzt biete die Krise Banken die Chance, „ihren Zweck und ihre Werte neu zu bewerten“.

Die Skyline des Bankenviertels von Frankfurt

Ziele setzen – und Anreize!

Wichtig nach Ansicht der Studienautoren: die Einführung expliziter ESG-Ziele. In der Mazars-Erhebung sind die nämlich noch die Ausnahme. Bei lediglich acht der bewerteten Banken konnten solche spezifischen, messbaren sozioökonomischen Ziele, die im Einklang mit den jeweiligen Nachhaltigkeitsrahmenwerken stehen, identifiziert werden. Wichtig seien auch finanzielle Anreize für den Vorstand und das Top-Management, die beim Erreichen bestimmter Nachhaltigkeitsziele zum Tragen kommen. Lediglich in vier von 30 Geldhäusern würden solche Anreize gesetzt. 

Dennoch: Eine Handvoll Banken scheint Nachhaltigkeitsaspekte auf der eigenen Agenda inzwischen etwas nach oben zu rücken. Die Citi Bank etwa arbeitet derzeit nach eigenen Angaben Umwelt- und Sozialkriterien für Finanzierungen aus, die greifen sollen, wenn sich Lücken zwischen internationalen Standards und den öko-sozialen Praktiken eines Kunden auftun. Die britische Barclays Bank wiederum hat bestimmte Menschenrechte wie das Verbot von Zwangsarbeit in die Risikobewertungen besonders sensibler Projekte etwa im Palmölanbau aufgenommen. Und die vor allem in Nordeuropa und auf dem Baltikum aktive Nordea Bank investiert eigenen Angaben zufolge zunehmend klimafreundlich.

Branche unter Zugzwang? 

Die Wettbewerber zeigen sich von diesem Engagement zwar offensichtlich eher unbeeindruckt. Nach Einschätzung von Mazars könnte der Druck aber wachsen – und zwar von politischer Seite. Virginie Mennesson, bei Mazars Großbritannien für regulatorische Fragen verantwortlich, sagt, die Politik erwarte, dass der Bankensektor eine Schlüsselrolle bei der Überwindung der Covid-19-Nachwehen übernimmt. Und damit sei – zumindest in Europa – die Erwartung verbunden, die wirtschaftliche Erholung durch „langfristig grüne und nachhaltige Investitionen“ zu fördern. Die meisten bewerteten Banken, so Mennesson, hätten da „noch einiges an Arbeit vor sich“.

Quelle: UmweltDialog
 

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