Zahlen statt Schätzungen: PERI macht CO₂ pro Bauteil sichtbar
Der Schalungs- und Gerüsthersteller PERI hat für mehr als 20.000 Produkte den Product Carbon Footprint berechnet – eine der umfassendsten Initiativen dieser Art in der Baumaschinenbranche. Hintergrund ist die wachsende Nachfrage von Kunden und öffentlichen Vergabestellen nach belastbaren CO₂-Daten, die in Ausschreibungen und Nachhaltigkeitsberichten zunehmend verlangt werden.
29.09.2026
Wenn eine Baucrew ein Gerüst aufbaut, denkt selten jemand zuerst an Nachhaltigkeit. Sicherheit, Tempo und Kosten dominieren die Baustelle. Doch im Hintergrund gewinnen Klimafragen an Gewicht: Wie viel CO₂ steckt in diesem Bauteil, und lässt sich das senken? PERI, einer der weltweit größten Hersteller von Schalungs- und Gerüstsystemen, hat sich entschieden, diese Frage systematisch zu beantworten. Für mehr als 20.000 Komponenten – praktisch den gesamten aktiven Produktkatalog – hat das Unternehmen aus Weißenhorn den Product Carbon Footprint (PCF) berechnet.
Getrieben wird die Initiative weniger von einer einzelnen Verordnung als von einem breiten Marktsog: Öffentliche Vergabestellen fordern zunehmend konkrete CO₂-Daten in Ausschreibungen, und auch private Bauherren mit eigenen Klimazielen verlangen Transparenz. Die CSRD-Pflicht zur Scope-3-Berichterstattung greift für PERI nach der Omnibus-Verschiebung erst ab dem Geschäftsjahr 2027; sein Nachhaltigkeitsbericht 2025 folgt aber bereits freiwillig dem vereinfachten EU-Rahmenwerk.
Im Zentrum steht dabei der Product Carbon Footprint (PCF). Dieser umfasst die Summe aller Treibhausgasemissionen, die über den gesamten Lebensweg eines einzelnen Produkts entstehen – von Rohstoffgewinnung über Herstellung bis Nutzung und Entsorgung. Für Anwender ermöglicht der Product Carbon Footprint, konkrete CO2-Hotspots in der eigenen Lieferkette und Produktion zu identifizieren und damit Anfragen, Ausschreibungen oder Berichtspflichten mit belastbaren Produktdaten statt Schätzwerten zu beantworten.
PERI berechnet seine Werte nach dem PCF-Standard des GSV Güteschutzverbands Betonschalungen, der auf ISO 14067 und dem Greenhouse Gas Protocol basiert; ergänzend fließt EN 15804 ein. „Nachhaltigkeit beginnt mit Transparenz. Die Zukunft des Bauens muss auf klaren, messbaren Prinzipien beruhen", begründet PERI den Ansatz auf der Webseite.
Wie konkret das wird, zeigt eine Referenzkonfiguration des PERI-UP-Gerüsts: eine 9.200 Kilogramm schwere Konstruktion, die bei 15 Jahren Nutzungsdauer eine Fassadenfläche von 638 Quadratmetern abdeckt emittiert laut Berechnungen 141 Kilogramm CO₂e pro Nutzungsmonat. Davon entfallen 59 Prozent auf die Herstellung des genutzten Stahls und 37 Prozent auf Aluminium. Dieser Detailgrad pro Produkt und Lebenszyklusphase unterscheidet eine PCF-Datenbank von den unternehmensweiten Summenwerten, die die meisten Hersteller bislang melden.
Dass die Emissionen so deutlich an den Materialien hängen, verweist auf den wichtigsten Hebel: Kreislaufwirtschaft. Je länger Bauteile im Einsatz bleiben und je häufiger sie wiederverwendet werden, desto stärker sinkt der CO₂-Rucksack pro Nutzungseinheit. PERIs Vermietungsmodell setzt hier an: dieselben Bauteile zirkulieren über mehr als 15 Jahre durch Dutzende Projekte, was den Bedarf an Neuproduktion und damit an Primärstahl und Aluminium senkt.
Bis Ende 2026 will PERI umfassende PCF-Daten für seine Hauptprodukte vorlegen, bis 2040 den durchschnittlichen PCF des gesamten Portfolios um 20 Prozent senken. Das Bauwesen verursacht nach Branchenschätzungen rund 40 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen, der überwiegende Teil davon im Gebäudebetrieb – Schalungen und Gerüste stehen am Rand dieser Rechnung, aber eben nicht außerhalb.
Hintergrund:
Die regulatorische Landschaft verschärft den Handlungsdruck zusätzlich. Über die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) wird die Kommission Nachhaltigkeitsanforderungen für ausgewählte Produktgruppen festlegen; Stahl und Aluminium sind als priorisierte Zwischenprodukte benannt. Für regulierte Produkte wird ein digitaler Produktpass (DPP) verpflichtend, in dem der CO₂-Fußabdruck voraussichtlich eine zentrale Kenngröße sein wird. Da Stahl einer der Hauptwerkstoffe von PERI ist, dürfte das Unternehmen mittelbar betroffen sein – inwieweit die Pflichten bei PERI selbst oder bei den Stahllieferanten greifen, hängt von ausstehenden delegierten Rechtsakten ab. Beim CO₂-Grenzausgleich CBAM hat die Kommission Ende 2025 eine Ausweitung auf rund 180 nachgelagerte Produktgruppen ab 2028 vorgeschlagen. Die EU-Bauproduktenverordnung (CPR) verlangt zwar seit Januar 2026 Umweltkennzahlen, doch Schalungen und Gerüste fallen als temporäre Betriebsmittel überwiegend nicht unter ihren Anwendungsbereich.
Der Nachhaltigkeitsbericht 2025 ist unter peri.com/sustainability abrufbar.
Quelle: UD/cp
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