Regulatorik

Wo alle Risiken zusammenlaufen

Geopolitische Spannungen, der Ausbau künstlicher Intelligenz und wachsende physische Klimarisiken treffen zunehmend an derselben Stelle aufeinander: in der globalen Lieferkette. Das ist die zentrale These des Business Breakthrough Barometer 2026, das der WBCSD zur London Climate Action Week vorgestellt hat. Für Unternehmen wird Lieferkettenresilienz damit zur strategischen Frage.

26.08.2026

Wo alle Risiken zusammenlaufen

Ausgangspunkt der Debatte ist der Business Breakthrough Barometer 2026 des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD), veröffentlicht zum Auftakt der London Climate Action Week. Der Bericht wurde in Partnerschaft mit der Breakthrough Agenda, den Climate High-Level Champions und der Marrakech Partnership sowie mit Unterstützung von Bain & Company erarbeitet. Für die dritte Ausgabe befragte der WBCSD mehr als 500 Führungskräfte aus 50 Volkswirtschaften und führte 70 vertiefende Interviews. Die teilnehmenden Unternehmen stehen zusammen für ein Umsatzvolumen von über 2 Billionen US-Dollar.

Zentraler Befund: Fast 7 von 10 Führungskräften halten einen ungeordneten Klimaübergang inzwischen für wahrscheinlicher als noch vor einem Jahr, 40 Prozent erwarten dadurch erhebliche Betriebsstörungen, wie die Pressemitteilung des WBCSD zusammenfasst. Als Treiber dieser Sorge nennt der Bericht explizit die Wechselwirkung aus physischen Klimafolgen, volatiler Klimapolitik und geopolitischer Instabilität, die gemeinsam Kosten in die Höhe treiben und Lieferketten stören.

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WBCSD-Präsident und Vorstandsvorsitzender Peter Bakker ordnet die Entwicklung als Übergangsphase ein: „Der Klimawandel beschleunigt sich zunehmend, da die wirtschaftlichen und lieferkettenbezogenen Sicherheitsvorteile von Nachhaltigkeit immer stärker werden.“ Zugleich wachse eine Sorgenwolke am Horizont, da Klimafolgen und politische Volatilität die Kosten und Risiken für Unternehmen in die Höhe trieben, so Bakker in der Veröffentlichung. Der WBCSD selbst bringt die politische Botschaft gegenüber Journalisten pointiert auf den Punkt. Unternehmen könnten sich auf strengere Regeln einstellen, nicht aber auf Unsicherheit – sie forderten von Regierungen im Kern, keine neuen Risiken mehr zu schaffen, heißt es in einem Bericht des Energy Mix zur Veröffentlichung. An der Umfrage beteiligt haben sich unter anderem Bayer, BMW, BYD, Danone, Enel, Heineken, ING, Michelin, Nestlé, Ørsted, PepsiCo, RWE, Toyota und Vestas.

Die Konvergenzthese lässt sich unmittelbar auf die aktuelle Regulierungslage übertragen. Während europäische Unternehmen sich auf CSRD, CSDDD, CBAM und EmpCo einstellen, wachsen parallel die Anforderungen aus dem US-amerikanischen und chinesischen Rechtsraum – von Exportkontrollen bis zu eigenen Lieferketten- und Klimaberichtspflichten. Für multinational tätige Unternehmen ergeben sich daraus zunehmend Pflichtenkollisionen, bei denen unterschiedliche Rechtsordnungen widersprüchliche oder zumindest schwer vereinbare Anforderungen an dieselbe Lieferkette stellen. Was lange als rein juristisches Compliance-Thema behandelt wurde, rückt damit in den Bereich der Unternehmensstrategie: Standortentscheidungen, Lieferantenauswahl und Investitionsplanung richten sich zunehmend an diesen Kollisionen aus.

Auch der Ton des Reports selbst deutet auf einen Phasenwechsel hin. Die Ära einer primär ambitionsgetriebenen Nachhaltigkeitsagenda gehe zu Ende, an ihre Stelle trete eine dauerhaftere Phase, in der sich Nachhaltigkeit zunehmend wirtschaftlich auszahle, wird Bakker in einer Einordnung von Business Chief zitiert.

Für Unternehmenslenker bedeutet das, Lieferkettenresilienz nicht länger als Nachhaltigkeitsthema am Rand zu behandeln, sondern als Schnittstelle, an der geopolitisches Risiko, technologischer Wandel und physische Klimafolgen zusammenlaufen – und gemeinsam über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.

Quelle: UD
 

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