Wirtschaft & Strategie

Wie eine Golfkrise die globalen CO₂-Emissionen 2026 unfreiwillig senkt

Die anhaltende Hormus-Krise bremst die weltweite Ölnachfrage so stark, dass die globalen fossilen Emissionen 2026 gegenüber den ursprünglichen Erwartungen sinken. Eine Carbon-Brief-Analyse zeigt: Die Internationale Energieagentur korrigierte ihre Jahresprognose von einem Nachfrageplus auf ein Minus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau, während die Kohlenachfrage parallel steigt.

12.10.2026

Wie eine Golfkrise die globalen CO₂-Emissionen 2026 unfreiwillig senkt

Es ist ein Nebeneffekt, den niemand geplant hat, aber den Klimastatistiker aufmerksam registrieren: Die geopolitische Eskalation rund um die Straße von Hormus drückt die weltweite Ölnachfrage 2026 so deutlich, dass die globalen fossilen CO₂-Emissionen in diesem Jahr niedriger ausfallen werden als noch im Januar prognostiziert. Das zeigt eine Analyse von Carbon Brief.

Zu Jahresbeginn ging die Internationale Energieagentur (IEA) noch von einem Nachfrageanstieg um 930.000 Barrel pro Tag aus. Im Zuge der andauernden Angriffe auf Ölinfrastruktur und der zeitweisen Schließung der Straße von Hormus revidierte die Behörde diese Zahl im Monatsrhythmus nach unten – bis sie im September schließlich einen Rückgang von 2,5 Millionen Barrel pro Tag auswies, ein Minus von 2,4 Prozent gegenüber 2025. Eine unabhängige Analyse von Morgan Stanley kommt mit einem prognostizierten Rückgang von 2,415 Millionen Barrel pro Tag zu einem fast deckungsgleichen Ergebnis.

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Der Effekt ist jedoch kein Grund zur Erleichterung für die Klimabilanz, betonen Beobachter. Er beruht nicht auf Politik oder technologischem Fortschritt, sondern auf einer Angebotsunterbrechung mit erheblichen wirtschaftlichen Kollateralschäden – von Kraftstoffknappheit in importabhängigen Ländern bis zu steigenden Gaspreisen in Europa und Asien. Parallel meldet die IEA für die Kohlenachfrage sogar das Gegenteil: Sie soll 2026 um 1,2 Prozent steigen, weil Länder mit Gasengpässen kurzfristig auf Kohle ausweichen – ebenfalls eine direkte Folge der Krise.

Für Unternehmen mit globalen Lieferketten illustriert die Entwicklung ein grundsätzliches Risiko: Energiesicherheit und Klimabilanz sind enger verknüpft, als viele Nachhaltigkeitsstrategien bislang abbilden. Ein einzelner geopolitischer Schock kann kurzfristig Emissionszahlen verschieben, ohne dass sich am strukturellen Dekarbonisierungspfad etwas ändert. Wer seine Klimaziele auf Basis eines einzigen Krisenjahres bewertet, riskiert daher eine verzerrte Erfolgsmeldung – und blendet aus, dass die zugrunde liegende fossile Abhängigkeit unverändert fortbesteht.

Quelle: UD

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