Wie Salesforce, EY und Autodesk den Markt für CO₂-Zertifikate neu definieren
Drei Konzerne stechen im globalen Markt für Kohlenstoffzertifikate hervor: Salesforce, EY und Autodesk kaufen als einzige Großabnehmer ausschließlich Credits mit überdurchschnittlicher Qualitätsbewertung. Das zeigt eine Analyse des unabhängigen Ratinganbieters Calyx Global. Ihr Ansatz verbindet strikte Dekarbonisierung mit gezieltem Ausgleich unvermeidbarer Restemissionen – und könnte als Blaupause für andere Unternehmen dienen.
17.06.2026
Rund 150 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente wurden 2025 in Form von Kohlenstoffzertifikaten eingelöst – finanziert durch Projekte von Waldschutz bis zur Methanabscheidung auf Deponien. Doch wer kauft tatsächlich qualitativ hochwertige Credits? Um diese Frage zu beantworten, hat das Fachportal Trellis gemeinsam mit Calyx Global Daten aus 4 großen Registern ausgewertet: Verra, Gold Standard, ACR und der Climate Action Reserve. Das Ergebnis ist ernüchternd für den Markt insgesamt – aber aufschlussreich im Detail.
Von allen Unternehmen, die 2025 mindestens 100.000 Tonnen CO₂-Zertifikate einlösten, erreichten lediglich 3 ein Durchschnittsrating von BBB oder besser: Salesforce (Bewertung: A, rund 1,74 Millionen Tonnen), EY (BBB, rund 1,25 Millionen Tonnen) und Autodesk (BBB bis A, rund 170.000 Tonnen). Calyx bewertet Credits auf einer Skala von AAA bis D anhand des Risikos, dass ein Zertifikat nicht die behauptete Klimawirkung entfaltet.
Inhaltlich setzen alle 3 Unternehmen auf sogenannte Superschadstoffe – klimawirksame Gase wie Methan, die für schätzungsweise die Hälfte der globalen Erwärmung mitverantwortlich sind und deren Abbau schnellere Klimaeffekte verspricht als reine CO₂-Projekte. EY etwa hält Credits aus einem Projekt zur Deponiegasverbrennung in Recife, Brasilien; Salesforce und Autodesk investieren in die Vernichtung ausgedienter Kältemittel in Thailand und Chile. Ergänzend finden sich in den Portfolios Waldschutzprojekte in Indonesien und Malaysia – wenn auch mit höherem Risikoprofil.
Die Auswahlmethodik ist dabei systematisch. Lou Mark, Senior Manager für nachhaltige Betriebsführung bei Autodesk, nennt als Kernfrage, ob die Klimawirkung eines Projekts tatsächlich „zusätzlich“ ist – also nur durch das Projekt entsteht und nicht ohnehin eingetreten wäre. Genau dieses Kriterium haben in der Vergangenheit zahlreiche Skandalprojekte verfehlt. Salesforce prüft Credits zusätzlich anhand von Drittratings: „Wir kaufen nur Credits, die von mindestens 1 unabhängigen Agentur hoch bewertet wurden“, sagt Sunya Norman, Senior Vice President of Impact bei Salesforce. Beide Unternehmen sind zudem Mitglied in Käufernetzwerken wie der Symbiosis Coalition oder der Superpollutant Action Initiative.
Entscheidend für die Glaubwürdigkeit beider Unternehmen ist jedoch, wie sie die Credits einsetzen. Sie dienen ausdrücklich nicht dazu, Klimaziele auf dem Papier zu erfüllen oder Emissionsreduktionen zu ersetzen. „Wir wissen, dass wir uns nicht freikaufen können, um 1,5 Grad Celsius zu erreichen“, sagt Norman. „Deshalb rechnen wir unsere Credit-Einlösungen nicht auf unsere Reduktionsziele an.“ Autodesk finanziert den Kauf über einen internen CO₂-Preis: Im Geschäftsjahr 2026 flossen 6,5 Millionen Dollar zu einem Preis von 34 Dollar pro Tonne durch den unternehmensinternen Carbon Fund. Salesforce hat darüber hinaus zugesagt, bis 2030 insgesamt 100 Millionen Dollar in CO₂-Entnahmen zu investieren.
Transparenz spielt dabei eine wachsende Rolle. Seit Januar 2026 müssen große Unternehmen in Kalifornien ihre Zertifikatskäufe offenlegen. Die Portfolios von Salesforce, Autodesk und EY sind öffentlich einsehbar. Das ist ein Fortschritt in einem Markt, der lange von Intransparenz geprägt war – und ein Zeichen dafür, dass Qualität im Kohlenstoffmarkt zunehmend auch öffentlich verhandelbar wird.