Wirtschaft

Wenn KI die IT-Preise treibt und Refurbishing zur Antwort wird

Spätestens seit 2025 schnellen dank KI-Boom die Preise für Arbeitsspeicher in die Höhe – mit spürbaren Folgen für den gesamten IT-Markt. afb social & green IT, Europas größter gemeinnütziger IT-Refurbisher, sieht darin Chance und Risiko zugleich. CEO Daniel Büchle stellte auf einer Online-Pressekonferenz den Wirkungsbericht 2025 vor und zeigte, wie das Unternehmen wirtschaftliches Wachstum mit messbarem ökologischen und sozialen Impact verbindet.

08.04.2026

Wenn KI die IT-Preise treibt und Refurbishing zur Antwort wird

Speicherchips sind knapp – und schuld daran ist ausgerechnet der technologische Fortschritt. Was in den Rechenzentren der Tech-Giganten beginnt, landet als Preisschock in den Budgets von Unternehmen und Privatkäufern weltweit. Seit 2025 steckt der Markt für Arbeitsspeicherchips im sogenannten DRAM-Supercycle – die Nachfrage übersteigt die Produktionskapazitäten dauerhaft, stellt pcgameshardware.de fest. Hintergrund ist der aktuelle Boom um Künstliche Intelligenz. Die dafür benötigten Rechenzentren verbrauchen riesige Mengen an Speicherchips. Cloud-Anbieter, Smartphone-Hersteller und große Automobilkonzerne zählen laut pcgameshardware.de zu den wichtigsten Kunden der Speicherhersteller. Große Technologieunternehmen verfügen über genug Marktmacht, um sich langfristige Lieferverträge zu sichern. Hersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron beliefern diese Großkunden bevorzugt, während rund 190.000 kleinere Betriebe um die verbleibenden Restmengen konkurrieren – häufig mit kurzfristigen Bestellungen und Vorauszahlungen, erklärt das Portal.

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Die Folgen der Speicherkrise bekommen auch die Verbraucher zu spüren. Laut Prognosen des Marktforschungsunternehmens Gartner könnten DRAM- und SSD-Preise bis Ende 2026 im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 130 Prozent steigen – das bedeutet für den gesamten Markt deutlich höhere Kosten für IT-Geräte. Gartner geht davon aus, dass die Preise für PCs um 17 Prozent und für Smartphones um 13 Prozent steigen werden im Vergleich zu 2025 und erwartet in beiden Segmenten daher einen geringeren Absatz.: „Dies ist der stärkste Rückgang bei den Geräteauslieferungen seit über einem Jahrzehnt. Höhere Preise werden die Auswahl an verfügbaren Geräten einschränken, was die Käufer dazu veranlassen wird, ihre Geräte länger zu behalten, wodurch sich die Upgrade-Zyklen grundlegend ändern werden“, meint Analyst Ranjit Atwal. Er glaubt, dass das Segment der Einstiegs-PCs unter 500 US-Dollar bis 2028 sogar ganz vom Markt verschwinden könnte.

Ein schnelles Ende scheint nicht in Sicht. Khein-Seng Pua, CEO des taiwanesischen Elektronikunternehmens Phison, rechnet nach internen Prognosen damit, dass die Speicherknappheit mindestens bis 2030 anhält, berichtet Heise. Kleine Hersteller könnten sogar schon 2026 von der Bildfläche verschwinden.

Längere Nutzung, größerer Markt – afb im Aufwind

afb Geschäftsführer Daniel Büchle

Genau in dieses Marktumfeld hinein präsentierte afb social & green IT Anfang März dieses Jahres seinen Wirkungsbericht für 2025 in einer Pressekonferenz. Der gemeinnützige IT-Refurbisher aus Ettlingen sieht die durchaus schwierige Lage laut CEO Büchle als Chance und Risiko zugleich. Langfristig wächst der Markt für Refurbished IT: Neben der Speicherkrise treiben auch der steigende Kostendruck bei IT-Budgets und verschärfte gesetzliche Umwelt- und Klimavorgaben die Nachfrage nach aufbereiteter Hardware. Retech Days News beziffert den Marktwert für aufbereitete IT in Europa auf 1,35 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024; bis 2034 soll er auf rund 4,1 Milliarden US-Dollar steigen – Zahlen, die afb in der Pressekonferenz präsentierte.

Die aktuelle Situation erinnere ihn an die ersten beiden Corona-Jahre, sagte Büchle auf der Pressekonferenz – auch damals hätten Betriebe ihre Hardware länger im Einsatz gehalten und eine erhöhte Anfrage nach Notebooks (z.B. für Homeoffice) traf auf ein reduziertes Angebot (durch geschlossene Fabriken). Als Chance sieht er, dass steigende Neugerätepreise aufbereitete Hardware preislich attraktiver machen. Das Risiko: Wer seine Endgeräte nicht tauscht, gibt sie später ab – was das Angebot an gebrauchten IT-Produkten vorübergehend verringert und das Geschäft von Refurbishern kurzfristig bremsen kann. Der Wirkungsbericht 2025 zeigt, wie gut das Modell trotz dieses Spannungsfelds in der Praxis funktioniert.

Wirkungsbericht 2025: Weniger CO2, mehr Inklusion

afb Wirkungsgrafik 2025zoom

728.000 IT- und Mobilgeräte übernahm afb im Jahr 2025 von mehr als 2.000 Firmen und Behörden – Angaben von Büchle zufolge ein neues Rekordniveau. Auch die ReUse-Quote stieg: Sieben von zehn abgeholten Geräten gingen zurück in den Markt, die Quote erreichte 71 Prozent – zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und damit nach eigenen Angaben über dem europäischen Branchendurchschnitt.

Höhere Stückzahlen, bessere ReUse-Quote – das bedeutet auch eine größere ökologische Wirkung. Die Umwelt- und Sozialwirkung von afb ist wissenschaftlich geprüft und konkret bezifferbar: afb vermied 2025 insgesamt 68.200 Tonnen CO2-äquivalente Treibhausgasemissionen – 9,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Dafür könnte man etwa 10.000 Mal mit einem Diesel-Pkw die Erde umrunden. Die eingesparte Primärenergie wuchs um zwölf Prozent auf 261.400 Megawattstunden, das entspricht etwa dem Stromverbrauch des Kohlekraftwerks Mannheim über 29 Betriebstage. Dazu kommen 483 Millionen Liter eingesparter Wasserverbrauch und 33.500 Tonnen eingesparte Rohstoffe. Da afb jedes übergebene Gerät einzeln erfasst, erhalten Auftraggeber jährlich genaue Kennzahlen zu Umwelt- und Klimawirkung – ein wachsender Mehrwert angesichts zunehmend verpflichtender ESG-Berichterstattung, wie Büchle betonte.

Überprüfung von IT-Geräten

Ebenso fest verankert ist der soziale Auftrag. An 20 Standorten in fünf europäischen Ländern beschäftigt afb 652 Menschen, davon 49 Prozent mit Behinderung. Damit ist das Unternehmen ein Gegenpol zur sich verschlechternden Inklusionslage auf dem Arbeitsmarkt – laut Inklusionsbarometer 2025 der Aktion Mensch ist die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Erwerbsleben in den vergangenen Jahren gesunken. Automatisierung und KI unterstützen afb zukünftig dabei, Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen in die Arbeitsprozesse einzubinden. „Mit unserem aktuellen Wirkungsbericht beweisen wir, dass nachhaltiges, soziales Unternehmertum am freien Markt wirtschaftlich erfolgreich agieren kann“, so Büchle. „Für die Zukunft setzen wir weiterhin auf Premiumqualität mit zertifizierten, marktrelevanten Serviceprodukten und neben den klassischen Kooperation mit Unternehmen und Behörden auch verstärkt auf Partnerschaften mit Anbietern mit Leasing- und Device-as-a-Service."

Neue Partner, wachsendes Geschäft – und der Blick nach vorn

Das Wachstum zieht sich laut Präsentationsunterlagen durch alle Geschäftsbereiche. Sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich stiegen die Umsätze zweistellig, das Langzeitmietgeschäft legte um 15 Prozent zu. Neben langjährigen Partnerunternehmen (diejenigen, die an afb Business Hardware abgeben) wie Siemens, Pfizer und der Telekom stießen zuletzt Audi, Vinci, Zurich, Fraunhofer und die Leibniz-Institute neu dazu. Im Endkundengeschäft kürte Stiftung Warentest afb in seiner Ausgabe 09/2025 zum Testsieger in der Kategorie Online-Shops für refurbished Apple- und Windows-Laptops mit der Note 2,2.

Auch in Zukunft will afb weiter wachsen – und setzt dafür auf ein klar definiertes Programm. In Europa wächst die Zahl der Elektrogeräte kontinuierlich, was das Potenzial für das Refurbishment-Geschäft vergrößert. afb plant, sein Portfolio weiter zu professionalisieren, unter anderem im Serverbereich. Neue Serviceprodukte wie Refurbishment-as-a-Service und Partnerschaften mit Leasing- und Device-as-a-Service-Unternehmen sollen das Angebot erweitern. Automatisierung und KI unterstützen den Refurbisher zusätzlich bei der Wiederaufbereitung der Hardware. Ökologisch will afb ebenfalls zulegen: Die eigene Fahrzeugflotte wird schrittweise elektrifiziert, Verpackungen optimiert und Energieeffizienzmaßnahmen an den Standorten ausgebaut. Dass ausgerechnet die Speicherkrise den Druck auf Neugerätepreise (für das zweite Quartal 2026 sind bereits weitere Preissteigerungen angekündigt und zum Teil schon umgesetzt) erhöht, dürfte das Interesse an aufbereiteter Hardware weiter beflügeln – und damit den Markt, in dem afb seit Jahren wächst.

Quelle: UmweltDialog
 

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