Wirtschaft & Strategie

Kreuzfahrtbranche bleibt trotz Fortschritten auf fossilem Kurs

Das NABU-Kreuzfahrtranking 2026 zeigt: Reedereien verbessern Energieeffizienz und Landstromnutzung, doch beim Ausstieg aus Schweröl und der Einführung klimaneutraler Kraftstoffe fehlen weiterhin entscheidende Schritte.

07.09.2026

Kreuzfahrtbranche bleibt trotz Fortschritten auf fossilem Kurs

Hamburg – Die Kreuzfahrtbranche verbessert ihre Energieeffizienz und investiert zunehmend in Landstromanschlüsse. Beim entscheidenden Schritt hin zur Dekarbonisierung – dem Umstieg auf klimaneutrale Kraftstoffe – bleibt sie jedoch deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das zeigt das heute veröffentlichte NABU-Kreuzfahrtranking 2026. Selbst die bestplatzierten Reedereien erreichen weniger als die Hälfte der möglichen Punkte.

Besonders problematisch: Trotz jahrelanger Kritik setzt die Mehrheit der Kreuzfahrtunternehmen weiterhin auf Schweröl. Nur vier der zwölf untersuchten Reedereien schließen dessen Einsatz vollständig aus. Weiter genutzt werden kann der besonders schadstoffreiche Kraftstoff nur mithilfe von Abgaswäschern (Scrubbern), die die Schadstoffe nicht beseitigen, sondern mit dem Waschwasser ins Meer einleiten.

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„Noch immer setzen Kreuzfahrtunternehmen in großem Umfang auf Schweröl – mit fatalen Folgen für Klima und Umwelt. Dabei wäre der Ausstieg längst möglich. Es fehlt nicht an technischen Lösungen, sondern am Willen zur Umsetzung. Die Unternehmen müssen jetzt verbindlich auf klimafreundliche Antriebe und saubere Kraftstoffe umsteigen und ihre Verantwortung für den Schutz von Meeren und Klima ernst nehmen“, sagt Raija Koch, NABU-Referentin für Schifffahrt.

Auch die Luftverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe belastet weiterhin die Umwelt und die menschliche Gesundheit. Während rund die Hälfte der Reedereien ihre Stickoxidemissionen im Fahrbetrieb reduziert, bleiben wirksame Maßnahmen gegen besonders gesundheits- und klimaschädliche Rußemissionen bislang weitgehend aus.

Fortschritte sieht der NABU hingegen bei der Reduzierung von Emissionen während der Hafenliegezeiten: Der Ausbau und die Nutzung von Landstrom schreitet voran und ermöglicht es, Schiffe während der Liegezeit mit Strom zu versorgen, anstatt die Bordenergie über laufende Motoren zu erzeugen. So lassen sich Klima- und Luftschadstoffemissionen nahezu vollständig vermeiden. Weitere Fortschritte sind im Bereich Energieeffizienz zu verzeichnen. Durch Neubauten und technische Nachrüstungen sinken bei den meisten Unternehmen die Klimaemissionen pro Passagierkilometer.

Die zentrale Herausforderung bleibt jedoch ungelöst: der Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen. Während viele Unternehmen weiterhin auf fossile Energieträger und vermeintliche Übergangslösungen wie LNG oder biogene Kraftstoffe setzen, bleiben Investitionen in tatsächlich klimaneutrale Antriebe und eFuel-fähige Schiffe die Ausnahme, obwohl sich die Branche zu Netto-Null-Emissionen bis 2050 verpflichtet hat.

„Die Kreuzfahrtbranche erwirtschaftet hohe Gewinne und trägt damit eine besondere Verantwortung, beim Klima- und Umweltschutz voranzugehen“, sagt Sönke Diesener, Schifffahrtsexperte beim NABU. „Statt weiter auf Schweröl, LNG oder biogene Kraftstoffe zu setzen, braucht es jetzt Investitionen in Technologien, die echten Klimaschutz ermöglichen. 2026 wurde das erste Konzept für ein vollelektrisches großes Kreuzfahrtschiff von einer deutschen Werft vorgestellt. Auch in der Schublade so mancher Reederei schlummern Konzepte, die einen klimaneutralen Betrieb von Kreuzfahrtschiffen vorsehen. Jetzt müssen daraus konkrete Investitionsentscheidungen werden, damit die nächste Generation von Kreuzfahrtschiffen tatsächlich klimafreundlicher unterwegs ist.“

Quelle: UD/pm

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