Kakao ohne Herkunftsnachweis: Elfenbeinküste vor EU-Frist mit gefährlichen Lücken
Nur 48 Prozent der Kakaoexporte der Elfenbeinküste lassen sich bis zu den Anbaukooperativen zurückverfolgen – und dieser Wert hat sich in 2 Jahren kaum verändert. Dabei liefert das Land über ein Drittel des weltweiten Kakaos. Ab Dezember verlangt die EU-Entwaldungsverordnung von Importeuren den lückenlosen Nachweis, dass ihr Kakao nicht auf gerodeten Flächen gewachsen ist. Die Zeit wird knapp.
22.06.2026
Die Zahlen sind ernüchternd: Laut einer aktuellen Analyse der britischen Nichtregierungsorganisation Trase, die Handels- und Finanzierungsströme landwirtschaftlicher Rohstoffe auf Basis öffentlicher Daten kartiert, konnten 2024 nur 48 Prozent der Kakaoexporte aus der Côte d’Ivoire bis zu den Erzeugungskooperativen rückverfolgt werden. Der Rest des Handelsvolumens läuft über mehrere Zwischenhändler – sogenannte indirekte Lieferketten, die die Herkunft der Bohnen verschleiern. Gegenüber der Trase-Analyse von vor 2 Jahren hat sich dieser Wert kaum bewegt.
„Die Verbreitung indirekter Kakaolieferungen und der daraus resultierende Mangel an Transparenz über ihre Herkunft machen es für Unternehmen sehr schwer, Probleme wie Entwaldung oder Kinderarbeit anzugehen“, erklärte Trase in seinem Bericht. Das ist keine abstrakte Warnung mehr: Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), die ab Dezember 2026 in Kraft tritt, verpflichtet EU-Importeure von Kakao, Kaffee, Soja, Palmöl und anderen Rohstoffen, die Herkunft ihrer Waren bis zum Anbaugrundstück zu belegen und nachzuweisen, dass dort keine Entwaldung stattgefunden hat.
Für die Elfenbeinküste ist das eine besondere Herausforderung. Zwischen 2000 und 2024 gingen 79 Prozent der Wälder des westafrikanischen Landes verloren oder wurden degradiert, wobei die Kakaoexpansion fast die Hälfte des Waldverlusts in diesem Zeitraum verursachte. Zwar sind die Entwaldungsraten im letzten Jahrzehnt gesunken – doch Trase weist darauf hin, dass dies zum Teil daran liegt, dass kaum noch natürlicher Wald vorhanden ist. Die Elfenbeinküste liefert rund ein Drittel des weltweiten Kakaos, die EU nimmt 66 Prozent seiner Bohnenexporte ab. Der Marktzugang ins wichtigste Abnehmergebiet hängt nun direkt an der Fähigkeit, Lieferketten lückenlos zu dokumentieren.
Das Land setzt zur Vorbereitung auf ein digitales Kauf- und Verkaufssystem, das auch die Verifizierung erleichtern soll. Doch die Branche steht unter Druck: Exporteure, Händler und Schokoladenhersteller, die auf ivorischen Kakao angewiesen sind, müssen bis Dezember nachweisen können, woher ihre Rohstoffe stammen – oder riskieren, vom EU-Markt ausgesperrt zu werden. Branchenbeobachter warnen, dass ein Scheitern an den Rückverfolgbarkeitsanforderungen den Exportfluss empfindlich stören und Druck auf Händler und Hersteller erhöhen könnte. Die EUDR war bereits zweimal verschoben worden; Handelspartner wie Brasilien, Indonesien und die USA drängen weiter auf Lockerungen. Ob das Zeitfenster diesmal hält, bleibt offen.