Fraunhofer-Gutachten zeigt großes Potenzial für genossenschaftliche Wärmenetze
Ein neues Kurzgutachten des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI zeigt: In Deutschland könnten tausende gemeinschaftlich betriebene Wärmenetze entstehen. Trotz hoher Zustimmung in der Bevölkerung bremsen fehlende Planungssicherheit, unklare Vorgaben und mangelndes Fremdkapital den Ausbau – dabei stärken genossenschaftliche Lösungen regionale Wertschöpfung und die Unabhängigkeit von fossilen Energien.
18.06.2026
Ein aktuelles Kurzgutachten des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI zeigt, dass es in Deutschland ein bislang weitgehend ungenutztes Potenzial für genossenschaftliche Wärmenetze gibt. Etwa siebzig Prozent der Siedlungs- und Quartiersstrukturen in Deutschland liegen in Gebieten mit mittleren Wärmedichten und bieten damit ein enormes Potenzial für genossenschaftliche Wärmenetze – und das je nach Größe und Bevölkerung in allen Bundesländern.
Selbst bei einer Umsetzungsquote von 20 Prozent dieses technischen Potenzials könnten laut Kurzgutachten je nach Szenario etwa achttausend Wärmenetze in Deutschland entstehen, die von Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Kommunen gemeinsam getragen werden.
„Damit genossenschaftliche Wärmenetze ihr volles Potenzial entfalten können, brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen und eine gezielte Unterstützung“, sagt Jan Holthaus, Vorstand des DGRV. „Es ist wichtig, dass die kommunale Wärmeplanung solche Wärmenetze berücksichtigt und nicht nur große Fernwärmenetze und einzelne Heizungen. Gleichzeitig wird es klare gesetzliche Vorgaben für einen ambitionierten Heizungstausch brauchen, um Investitionssicherheit zu schaffen und den Umstieg auf klimafreundliche Wärmelösungen konsequent voranzubringen.“
Um die Wärmewende voranzubringen, hat die Bundesregierung mit dem Wärmeplanungsgesetz Kommunen verpflichtet, eine kommunale Wärmeplanung vorzulegen und dabei Gebiete nach ihrer Eignung für Wärmenetze auszuweisen. Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz soll der Heizungstausch technologieoffener, flexibler und insgesamt einfacher werden, doch es könnte damit der Umstieg von fossilen auf regenerative Energieträger und damit auch der Anschluss an Wärmenetze verlangsamt werden.
Genossenschaftliche Wärmenetze bieten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, gemeinsam in ihre Wärmeversorgung zu investieren und das Wärmenetz auch gemeinsam zu betreiben. Das stärkt die Unabhängigkeit von fossilen Preisschwankungen, die Akzeptanz und ergänzt öffentliche Fördermittel durch langfristig orientiertes privates und lokales Engagement. Das Kurzgutachten sieht hier je nach Szenario ein Investitionsvolumen von circa 70 Milliarden Euro und geht von ungefähr 25 Milliarden Euro als eingebrachtes Eigenkapital aus.
„Trotz des großen Engagements der Mitglieder genossenschaftlicher Wärmenetze sind gerade am Anfang Fremdkapitalgeber unabdingbar“, so Holthaus. „Entscheidend ist insbesondere die Absicherung des notwendigen Fremdkapitals, damit Projekte finanzierbar und skalierbar werden.“
Die Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim DGRV setzt sich daher schon länger für entsprechende Garantierahmen wie zum Beispiel ein Bürgschaftsprogramm oder einen Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau mit Haftungsfreistellung ein.
Genossenschaftliche Wärmenetze fördern regionale Wertschöpfung, reduzieren Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern und erhöhen die Resilienz der lokalen Wärmeversorgung. Das Kurzgutachten zeigt, dass 61 Prozent der Haushalte in Deutschland Wärmenetzen gegenüber positiv eingestellt sind. Planungssicherheit, geeignete Förderinstrumente und verfügbares Fremdkapital sind zentrale Voraussetzungen dafür, dass dieses Potenzial ausgeschöpft wird.