Wirtschaft & Strategie

Ecuador wird zum Schlachtfeld im Rohstoffkrieg

Ecuador steht vor dem größten Bergbauboom seiner Geschichte – und dahinter steckt vor allem China. Gleich 3 Großprojekte für Gold und Kupfer liegen in chinesischen Händen oder kurz davor. Lokale Gemeinschaften und Umweltschützer warnen vor Geheimniskrämerei und irreversiblen Schäden. Und die USA versuchen, mit einem Milliardenabkommen Boden gutzumachen.

29.06.2026

Ecuador wird zum Schlachtfeld im Rohstoffkrieg

Im April 2026 unterzeichnete Ecuador einen 1,7-Milliarden-Dollar-Vertrag mit dem chinesischen Bergbaukonzern CMOC für das Cangrejos-Projekt in der Provinz El Oro – ein Vorhaben, das zur größten Goldmine des Landes werden soll. Wenige Monate zuvor, im März 2026, hatte der chinesische Staatskonzern Jiangxi Copper Corp (JCC) die australische SolGold für 1,2 Milliarden Dollar übernommen und damit das Cascabel-Projekt gesichert: Nach Regierungsangaben könnte es die drittgrößte Goldmine, sechstgrößte Kupfermine und weltgrößte Untertagssilbermine werden. Zusammen mit dem bereits operativen Mirador-Kupferkomplex kontrollieren chinesische Unternehmen nun de facto Ecuadors 3 größte Bergbauprojekte.

Das Cascabel-Projekt umfasst 5.000 Hektar nahe der Grenze zu Kolumbien und befindet sich in einer entscheidenden Genehmigungsphase. Hugo Arnal, Nachhaltigkeitsdirektor von SolGold, versichert gegenüber Dialogue Earth, dass die Planungen auf einen minimalen Fußabdruck von weniger als 630 Hektar ausgerichtet seien: „Wir wollen zeigen, dass verantwortungsvoller Bergbau möglich ist, indem wir Umweltauswirkungen minimieren und soziale Vorteile maximieren.“ Doch José Cueva vom nationalen Anti-Bergbau-Front-Netzwerk FNA sieht das anders: Das Projekt werde „im Verborgenen vorangetrieben“, über die tatsächlichen Auswirkungen sei kaum etwas öffentlich bekannt.

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Der geopolitische Hintergrund ist kaum zu übersehen. Im Februar 2026 unterzeichneten die USA ein bilaterales Rahmenabkommen mit Ecuador, um Ecuadors Gold-, Kupfer- und Seltene-Erden-Vorkommen als strategische Rohstoffe einzustufen – begleitet von bis zu 10 Milliarden Dollar Finanzierungszusagen. Das Problem: Chinesische Staatsfirmen kontrollierten zu diesem Zeitpunkt bereits die 3 größten noch nicht erschlossenen Projekte des Landes mit geschätzten Ressourcen von über 50 Milliarden Dollar. Washington kämpft damit um Boden, den Peking sich bereits gesichert hat.

Für betroffene Gemeinschaften und die biologisch reichen Regionen Ecuadors bleibt die Bilanz bisher düster. Der Mirador-Kupferkomplex hat lokale Konflikte ausgelöst, Zwangsumsiedlungen und mangelnde Konsultation werden dokumentiert. In der Amazonasregion deforestierte ein chinesisch kontrolliertes Unternehmen fast 700 Acres und verseuchte den Chumbiyacu-Fluss mit Schwermetallen – 500-fach über akzeptablen Grenzwerten –, bevor seine Lizenzen 2025 suspendiert wurden. Die ecuadorianische Regierung begrüßt die ausländischen Investitionen und den erhofften Steuerfluss. Umwelt- und Gemeindeorganisationen warnen dagegen, dass großflächiger Tagebau in landwirtschaftlich genutzten und biologisch diversen Gebieten langfristig mehr kostet als er einbringt. Der Bergbauboom kommt – die Frage ist, wer am Ende profitiert und wer die Rechnung bezahlt.

Quelle: UD
 

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