Die Anlage ist nicht das Produkt, sondern die Antwort auf die Analyse
Steigende Energiekosten und volatile Strompreise stellen Unternehmen vor wachsende Herausforderungen. Bernd Petruzzelli, Geschäftsführer der E3 Energie Effizienz Experten GmbH, erklärt im Interview, warum der Schlüssel zur Energieoptimierung nicht in einzelnen Anlagen liegt, sondern in der intelligenten Analyse und Vernetzung ganzer Energiesysteme.
05.11.2026
Der PV-Zubau auf Gewerbedächern ist im ersten Quartal 2026 um 33 Prozent eingebrochen, gleichzeitig boomen Batteriespeicher im Gewerbesegment mit einem Plus von 42 Prozent. Die Zahlen des BSW-Solar zeigen einen Markt im Umbruch: Unternehmen investieren nicht mehr nur in Module, sondern zunehmend in die intelligente Steuerung ihrer Energieflüsse. Branchenexperten betonen, dass Speicher allein nicht ausreichen – erst die Kombination mit intelligentem Lastmanagement passe Erzeugungsspitzen an industrielle Lastprofile an. Vor diesem Hintergrund beschreibt Bernd Petruzzelli, Geschäftsführer der zum Würth-Konzern gehörenden E3 Energie Effizienz Experten GmbH, im Interview den Ansatz seines Unternehmens: Statt mit der Anlagentechnik zu beginnen, setzt E3 auf die vorgelagerte Analyse von Lastgangdaten und Verbrauchsmustern.
UmweltDialog: E3 spricht von „ganzheitlichen Energielösungen“ – ein Begriff, den praktisch jeder Anbieter im Markt verwendet. Können Sie an einem konkreten Kundenprojekt zeigen, was E3 tatsächlich anders macht als ein Installateur, der ebenfalls PV, Speicher und Wallbox aus einer Hand anbietet?
Bernd Petruzzelli: Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass wir nicht mit der Technik beginnen, sondern mit den Energiedaten des Kunden. Bei einem aktuellen Projekt haben wir zunächst sämtliche Lastgangdaten analysiert und darauf aufbauend sieben verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Photovoltaik- und Speichergrößen simuliert.
Dabei konnten wir nicht nur die technisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung empfehlen, sondern auch Auffälligkeiten im Verbrauchsverhalten identifizieren. So zeigte die Analyse beispielsweise einen außergewöhnlich hohen Stromverbrauch in einer bestimmten Woche. Gemeinsam mit dem Kunden stellte sich heraus, dass dies auf zusätzliche Klimatisierungsmaßnahmen in der Produktion zurückzuführen war. Da solche Lastphasen künftig häufiger auftreten können, sah die Lösung danach deutlich anders aus. Empfohlen wurde eine schrittweise ausbaubare Lösung aus Photovoltaik, Speicher und Energiemanagement.
Dieses Beispiel zeigt sehr gut, dass der Mehrwert mit der Transparenz über die Energieverbräuche beginnt. Genau darin liegt auch der Unterschied zu einer klassischen Anlagenplanung: Wir analysieren Energieflüsse, Lastspitzen, Eigenverbrauchspotenziale und Netzentgelte und machen die relevanten Zusammenhänge für den Kunden sichtbar. Erst auf dieser Basis entsteht ein individuelles Energiekonzept. Die Anlage ist anschließend nicht das Produkt, sondern die Antwort auf die Analyse.
UmweltDialog: Energiemanagement ist das Herzstück Ihrer neuen Positionierung. Welches System setzen Sie ein, welche Daten fließen ein, und wie hoch sind die messbaren Einsparungen bei einem typischen Gewerbekunden?
Bernd Petruzzelli: Wir setzen auf eine algorithmenbasierte Energiemanagement-Plattform, die kontinuierlich Optimierungsprozesse durchführt. Dabei werden unter anderem Verbrauchsdaten, Erzeugungsdaten, Wetterprognosen sowie weitere energiewirtschaftliche Parameter berücksichtigt. Je nach Anwendungsfall können auch Marktmechanismen wie der Day-Ahead- und Intraday-Handel einbezogen werden.
Die erzielbaren Einsparungen hängen selbstverständlich von den jeweiligen Rahmenbedingungen des Unternehmens ab. Auf Basis historischer Verbrauchsdaten und entsprechender Simulationen sehen wir im Zusammenspiel von Photovoltaik, Speicher und Energiemanagement häufig Einsparpotenziale von 20 bis 30 Prozent bei den Stromkosten.
Wichtig ist dabei: Jede Prognose basiert auf den bekannten Daten der Vergangenheit. Änderungen in Produktion, Unternehmensentwicklung oder Marktumfeld können die tatsächlichen Ergebnisse beeinflussen. Mit zunehmender Laufzeit verbessert sich jedoch die Datenbasis und damit auch die Genauigkeit der Optimierung.
UmweltDialog: Die Pressemitteilung nennt Lastspitzenreduktion und Eigenverbrauchsoptimierung als Ziele. Viele mittelständische Betriebe haben aber weder einen Energiemanager noch die IT-Infrastruktur dafür. Wie lösen Sie das praktisch – und was kostet der Einstieg?
Bernd Petruzzelli: Genau deshalb übernehmen wir diesen Part für unsere Kunden. Sie benötigen weder eigenes Fachpersonal noch eine komplexe Infrastruktur.
Die erforderliche Energiemanagement-Hardware und die Anbindung der Systeme werden von uns bereitgestellt. Voraussetzung ist in der Regel lediglich ein Internetzugang. Die technische Umsetzung sowie die laufende Auswertung und Optimierung erfolgen über unsere Systeme.
Der Einstieg in das Energiemanagement liegt je nach Anwendungsfall bei etwa 2.000 Euro. Damit schaffen Unternehmen die Grundlage, Lastspitzen gezielt zu reduzieren, den Eigenverbrauch zu steigern und Energiekosten langfristig zu optimieren.
UmweltDialog: E3 gehört zum Würth-Konzern. Das gibt Ihnen Rückhalt, aber auch den Ruf eines Zulieferers. Wie verändert die Neupositionierung Ihr Kundengespräch – kommen Unternehmen zu Ihnen, weil sie ein Energieproblem haben, oder verkaufen Sie ihnen immer noch primär eine Anlage?
Bernd Petruzzelli: Unsere Kunden kommen in erster Linie mit einer energiewirtschaftlichen Herausforderung zu uns. Das können steigende Energiekosten, Unsicherheiten bei der Energieversorgung oder der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit sein.
Unsere Aufgabe ist es dann, gemeinsam mit dem Kunden die passende Lösung zu entwickeln. Das Ergebnis ist kein Standardprodukt, sondern ein maßgeschneidertes Energiekonzept, das aus verschiedenen Komponenten wie Photovoltaik, Speicher, Ladeinfrastruktur oder Energiemanagement bestehen kann.
Die Zugehörigkeit zum Würth-Konzern unterstützt uns dabei. Viele Kunden verbinden damit Verlässlichkeit, Qualität und langfristige Partnerschaft. Diese Werte spiegeln sich auch in unseren Energiekonzepten wider. Wir bauen die Anlage als Generalunternehmer und bleiben über Serviceverträge auch im Betrieb Ansprechpartner des Kunden.
UmweltDialog: Die Bundesregierung hat gerade die Förderlandschaft für betriebliche Energieeffizienz angepasst. Welche Förderprogramme nutzen Ihre Kunden aktuell am häufigsten, und wie hoch ist die typische Förderquote bei einem E3-Projekt?
Bernd Petruzzelli: Da wir nicht in die Finanzierung unserer Kunden eingebunden sind, können wir keine allgemeingültige Aussage zu tatsächlichen Förderquoten treffen.
Was wir jedoch leisten, ist eine umfassende Beratung zu den verfügbaren Fördermöglichkeiten. Die Förderlandschaft verändert sich kontinuierlich und unterscheidet sich teilweise erheblich nach Bundesland, Branche und Anwendungsfall.
Wir beobachten relevante Entwicklungen fortlaufend und unterstützen unsere Kunden dabei, passende Förderprogramme für ihr Vorhaben zu identifizieren. Welche Förderungen letztlich genutzt werden, entscheidet der Kunde im Rahmen seiner individuellen Investitions- und Finanzierungsstrategie.
UmweltDialog: Viele Unternehmen investieren aktuell in Photovoltaik. Warum reicht eine PV-Anlage allein künftig nicht mehr aus?
Bernd Petruzzelli: Photovoltaik bleibt ein zentraler Baustein, entfaltet ihr volles Potenzial jedoch erst im Zusammenspiel mit intelligentem Energiemanagement. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Strom erzeugt wird, sondern wann er erzeugt, gespeichert, verbraucht oder gegebenenfalls vermarktet wird.
Deshalb betrachten wir Energieversorgung immer als Gesamtsystem. Für jeden Kunden arbeiten wir die Lösung aus, die zu seinem Betrieb passt. Unser Ziel ist es, Unternehmen unabhängiger von Strompreisschwankungen zu machen und ihre Energiekosten langfristig planbarer zu gestalten.
UmweltDialog: Welche Rolle spielen Zukunftsplanung und Skalierbarkeit bei der Entwicklung eines Energiekonzepts?
Bernd Petruzzelli: Ein Energiekonzept sollte immer die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens berücksichtigen. Deshalb erstellen wir gemeinsam mit unseren Kunden einen individuellen Stufenplan.
Dabei fließen beispielsweise geplante Produktionserweiterungen, zukünftige Elektrifizierungsmaßnahmen, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen oder veränderte Energiebedarfe ein. Lösungen werden von Anfang an so ausgelegt, dass sie mit den Anforderungen des Unternehmens mitwachsen können. Über den gesamten Lebenszyklus optimieren wir die Anlage und passen sie an, wenn sich der Betrieb des Kunden verändert.
So entstehen Investitionen, die nicht nur heute wirtschaftlich sind, sondern auch morgen noch zu den strategischen Zielen des Unternehmens passen.
Quelle: UD
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