BUND-Einkaufsführer „Torffrei gärtnern“
Die Gartensaison hat begonnen. Aus diesem Anlass veröffentlicht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine aktualisierte Übersicht zu Erden ohne Torf, die bundesweit in Bau- und Supermärkten, Gartencentern sowie online erhältlich sind.
06.04.2026
Corinna Hölzel, BUND-Gartenexpertin: „Ob für Blumen- oder Gemüsebeet, Balkonkasten, Kräutertopf, Anzucht oder Hochbeet: Wer zu Klima- und Artenschutz beitragen will, sollte beim Gärtnern zu torffreier Erde greifen. Denn jeder Sack herkömmlicher Erde enthält Torf und damit wertvolles Moor – ein wichtiger Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen und ein bedeutender Kohlenstoffdioxid-Speicher.“
Moore und ihre dicken Torfschichten sind über Jahrtausende gewachsen. Sie speichern viel Kohlenstoff. Werden sie für die Gewinnung von Torf abgebaggert, gehen wichtige Lebensräume für seltene Arten verloren. Und große Mengen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid gelangen wieder in die Atmosphäre.
Torffreie Erden zu Hause herstellen
Hölzel: „Es gibt inzwischen zahlreiche Alternativen zu den klimaschädlichen torfhaltigen Erden. Komposterden etwa eignen sich hervorragend für nahezu alle Obst- und Gemüsearten. Für Anzuchten und Topfpflanzen kann die Erde auf rund 80 Grad Celsius erhitzt werden, um Beikrautsaaten und Keime abzutöten. Unser aktueller Einkaufsführer gibt Tipps, wo torffreie Erden erhältlich sind, aber auch, wie man im Garten oder auf dem Balkon Kompost selber herstellen kann.“
In dem Einkaufsführer sind über 350 Produkte von 27 Herstellern aufgelistet, die bundesweit verfügbar sind. Er gibt zudem Auskunft über 16 große Gartencenter und Baumärkte mit den jeweils dort verfügbaren torffreien Produkten.
Hölzel: „Moore sind einzigartige Ökosysteme und bedeutende Klimaschützer, die wir bewahren müssen. Torf gehört deshalb auf keinen Fall in den Garten oder in Blumenkübel. Doch um die Nachfrage nach Billigblumenerde zu befriedigen, ist – nachdem die meisten der hiesigen Moore bereits zerstört sind – der Ausverkauf osteuropäischer Moore in vollem Gange. Es ist eine Katastrophe, wenn diese noch weitgehend intakten Lebensräume abgebaggert und unwiederbringlich zerstört werden.“
Rund 3 Millionen Kubikmeter Torf werden in Deutschland jedes Jahr in Blumenerden verbraucht, knapp 2 Millionen Kubikmeter davon in Hobbygärten. Ein großer Teil des Torfs kommt aus dem Import. Die gute Nachricht ist, dass aufgrund des Klimaschutzplans der Bundesregierung der Torfanteil in verkauften Erden sinkt.
Moore – ein Hotspot der Artenvielfalt
Moore beheimaten zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie Goldregenpfeifer, Hochmoorbläuling oder Sonnentau. Das sind Arten, die fast nur dort leben können. Zudem bedecken Moore weltweit nur 3 Prozent der Landoberfläche, speichern jedoch doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder weltweit – auf einer rund 7-mal so großen Fläche.
Hölzel: „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wissen nicht, dass sich jede Menge Torf im Sack befindet, wenn sie Blumenerde kaufen. So leisten sie unbewusst der Zerstörung dieses so wichtigen Lebensraumes und der Freisetzung von Kohlenstoffdioxid weiter Vorschub. Beim Kauf sollten sie unbedingt auf den Begriff ‚torffrei‘ achten. Denn auch torfarme Erde oder Bio-Erde können noch große Mengen wertvolles Moor enthalten.“