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Zukunft des Nutri-Score: Mehr Reichweite und Klarheit gefordert

Der Nutri-Score ist in Deutschland etabliert und vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern bekannt. Seine Wirkung bleibt jedoch hinter dem möglichen Potenzial zurück, solange er nicht breiter im Markt verbreitet ist und beim Einkauf nicht richtig eingeordnet wird.

10.07.2026

Zukunft des Nutri-Score: Mehr Reichweite und Klarheit gefordert

Das ist ein zentrales Ergebnis der digitalen Fachveranstaltung „Gemeinsam Wirkung erhöhen – Zukunft des Nutri-Score in Deutschland“ der Verbraucher Initiative, auf der am 24. Juni 2026 mehr als 40 Teilnehmende aus Politik, Wissenschaft, Handel, Industrie und Verbraucherschutz diskutierten, wie der Nutri-Score in Deutschland verständlicher, wirksamer und zukunftsfähiger werden kann. Am Panel-Talk beteiligten sich unter anderem Vertreterinnen und Vertreter des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Nestlé Deutschland, Aldi Süd und des Instituts für Ernährungspsychologie der Georg-August-Universität Göttingen.


Im Mittelpunkt des Fachaustauschs stand die Frage, wie das Kennzeichnungssystem seine eigentliche Stärke besser ausspielen kann: Verbraucherinnen und Verbraucher bei der schnellen Orientierung innerhalb vergleichbarer Produktgruppen beziehungsweise bei ähnlichem Verzehranlass zu unterstützen. Vielfach missverstanden wird zudem, dass der Nutri-Score nicht die Gesamtqualität eines Lebensmittels bewertet. Herkunft, Natürlichkeit, Verarbeitungsgrad und Tierwohl werden beispielsweise nicht berücksichtigt. Gerade deshalb braucht es klare Kommunikation darüber, was der Nutri-Score leisten kann – und was nicht.

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„Der Nutri-Score muss nicht alles leisten, aber das, wofür er gemacht ist, muss er verlässlich tun. Um sein Potenzial weiter zu heben, braucht es die Zusammenarbeit der verschiedenen Stakeholder“, sagt Miriam Bätzing, Geschäftsführerin der Verbraucher Initiative. „Dazu gehören Politik, Wissenschaft, Handel, Hersteller und Verbraucherorganisationen. Seine Wirkung entfaltet der Nutri-Score erst dann, wenn er im Supermarkt konsequent sichtbar ist und korrekt gelesen wird.“

Einigkeit bestand unter den Teilnehmenden darin, dass die zentrale Herausforderung weiterhin die Freiwilligkeit der Anwendung bleibt. Solange Unternehmen selbst entscheiden können, ob sie den Nutri-Score nutzen, bleiben Lücken im Markt. Für Verbraucherinnen und Verbraucher erschwert das den schnellen Vergleich beim Einkauf. Zugleich wurde deutlich: Verbreitung allein reicht nicht aus. Damit der Nutri-Score im Alltag wirkt, muss er korrekt interpretiert werden. Missverständnisse über seine Aussagekraft schwächen Vertrauen und praktische Wirkung. Trotz 1.040 registrierter Anwender und mehr als 1.550 Marken (Stand Juni 2026) bleibt die Verbreitung im Markt lückenhaft, der Zuwachs scheint an Dynamik zu verlieren.

Die Veranstaltung machte zudem deutlich, dass Weiterentwicklung kein Makel, sondern ein Qualitätsmerkmal des Nutri-Scores sein kann. Die überarbeitete Berechnungsmethode (Algorithmus) zeigt, dass das System wissenschaftlich überprüft und an neue Erkenntnisse angepasst werden kann. In der Diskussion wurde außerdem deutlich, dass der Nutri-Score nicht nur Orientierung beim Einkauf geben kann, sondern auch Impulse für Rezepturveränderungen setzt – etwa bei der Reduzierung von Salz und Zucker.

Mehrfach betont wurde, dass der Nutri-Score nicht isoliert von einzelnen Akteuren vorangebracht werden kann. Notwendig ist ein begleitender Multi-Stakeholder-Dialog, der fachliche Weiterentwicklung, praktische Umsetzung im Markt und Verbraucherkommunikation zusammendenkt. Besonders wichtig sind dabei gemeinsame, verständliche Botschaften und niedrigschwellige Formate, die Menschen im Einkaufsalltag erreichen.

Die Verbraucher Initiative sieht darin eine Gemeinschaftsaufgabe: Politik kann bessere Rahmenbedingungen schaffen und die europäische Verankerung vorantreiben. Handel und Hersteller können durch breitere Anwendung, Rezepturanpassungen und Verbraucherinformation am Point of Sale Wirkung entfalten. Wissenschaft und Verbraucherschutz können helfen, das System verständlich einzuordnen, Missverständnisse abzubauen und die Perspektive der Verbraucherinnen und Verbraucher einzubringen. Auch der Wunsch nach einer dauerhaft koordinierten Kommunikation wurde deutlich: „Es braucht ein institutionalisiertes Sprachrohr“, brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt. Eine „Charme-Offensive für den Nutri-Score“ forderte eine weitere.

Die Verbraucher Initiative wird die Ergebnisse der Veranstaltung auswerten und den Austausch mit den beteiligten Akteurinnen und Akteuren fortsetzen. Ziel ist es, konkrete Ansätze für mehr Wirkung, bessere Kommunikation und eine breitere Nutzung des Nutri-Scores in Deutschland zu entwickeln.

Hintergrund

Der Nutri-Score ist eine freiwillige Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen. In Deutschland wurde er im November 2020 eingeführt. Er bewertet die Nährwertqualität eines Produkts anhand einer fünfstufigen Farb- und Buchstabenskala von A bis E.

Der Nutri-Score dient dem Vergleich von Produkten innerhalb von Produktgruppen oder zwischen Produkten, die für denselben Zweck beziehungsweise Verzehranlass infrage kommen. Er bezieht sich dabei immer auf 100 Gramm oder 100 Milliliter eines Produkts. Eine Bewertung der Gesamtqualität eines Lebensmittels leistet er nicht.

Quelle: UD/pm
 

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