Arktis-Klima kurz vor Kippe
Nirgendwo auf dem Planeten tritt die Erderwärmung deutlicher in Erscheinung als in der Arktis. Die Anzeichen dafür häufen sich, dass in dieser Region, nach der Definition des Weltklimarates IPCC, bereits ein „gefährlicher Klimawandel" vor sich geht. Kritische Punkte seien hier bereits in Reichweite, bei denen kleine Veränderungen das gesamte System verändern können, schreiben spanische Polforscher vom Consejo Superior de Investigaciones Científicas in der Zeitschrift „Nature Climate Change".
07.03.2012
Dabei gibt es in der Arktis jedoch noch eine ganze Reihe weiterer Kippelemente. "Das Auftauen der Permafrost-Böden gehört etwa dazu, da es große Vorkommen des Klimagases Methan in die Atmosphäre freisetzen könnte, oder die Rückgänge der Taiga-Nadelwälder, einem wichtigen CO2-Speicher. Das Schwinden des Grönlandgletschers lässt die Meere steigen, das Trocknen der Torfböden erleichtert unkontrollierte Flächenbrände wie in Russland 2010 und die steigende Meerestemperatur lässt Methanhydrate freikommen", zählt Duarte auf.
Grundsätzlich rechnet die Forschung damit, dass Kippelemente ab einer Erwärmung von zwei Grad über dem Temperaturniveau von 1990 in Bewegung kommen. In der Arktis dürfte dies wesentlich früher der Fall sein, erhitzt sie sich doch schneller - um ein Grad pro Jahrzehnt. Die natürliche Anpassung der Ökosysteme der Region ist deutlich langsamer als die Klimaerwärmung.
„Wichtig ist es deshalb, jene Alarmsignale zu identifizieren, die Anhaltspunkte über die genaue Situation dieser Kippelemente geben. Dadurch erst kann auch die Politik bessere Präventiv- und Anpassungsmaßnahmen einleiten", so Duarte. Denn die Reaktion des Menschen auf den arktischen Klimawandel ist bisher kontraproduktiv: Man beschränkt sich weitgehend darauf, Vorteile der Eisschmelze für Transport, Schiffverkehr und Erdöl- sowie Gasgewinnung auszubeuten, weshalb Fachleute die Region bereits als neuen „Wilden Westen" bezeichnen.
Quelle: UD / pte
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