Klimawandel: Nord- vs. Südeuropa
Vor einer Verschärfung der Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa warnt der Mitautor des UN-Klimaberichts zu den Folgen des Klimawandels, Prof. Dr. Joseph Alcamo, Direktor des "Center for Environmental Systems Research" von der Universität Kassel. "Die Anzeichen des Klimawandels sind auch in Europa mittlerweile deutlich sichtbar", so Prof. Alcamo.
03.05.2007
Die Zukunft hat schon begonnen - auch Europa ist betroffen
Zwar schienen die meisten der beobachtbaren Veränderungen unspektakulär - etwa das Abschmelzen der Gletscher in den Alpen, die in höhere Regionen verschobene Baumgrenze in den Bergregionen Europas sowie Veränderungen in der Ausbreitung einiger Tier- und Pflanzenarten. Einige der Auswirkungen sind sehr viel unmittelbarer, wie etwa die Hitzewelle des Jahres 2003, die in Europa für 35.000 Todesopfer verantwortlich war und die der UN-Klimabericht als "ohne historisches Vorbild" bezeichnet. Dem Bericht zufolge wird ohne eine Verlangsamung des Klimawandels Mitteleuropa letztlich die gleiche Zahl heißer Tage erwarten können, wie es sie bereits jetzt in Südeuropa gibt. Todesursachen in Folge der Hitzewellen werden sich somit wahrscheinlich in Süd- und Mitteleuropa erhöhen. Prof. Alcamo warnt, dass die Auswirkungen des Klimawandels zudem die Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa verschärfen werden. Dem Bericht der IPCC zufolge wird der Klimawandel in Nordeuropa zwar das Wachstum des Waldes fördern, in Südeuropa aber gleichzeitig durch große Waldbrände Waldflächen vernichten. Dementsprechend wird die Getreideproduktion im Norden des Kontinents steigen, während sie im Süden generell abnehmen wird.
Deutschland und der Rest Mitteleuropas wird ebenfalls von diesen negativen Folgen betroffen sein, zu denen steigende Zahlen von Überschwemmungen im Inland und an der Küste gehören sowie trockenere Sommer und erhöhter Beanspruchung der Wasserressourcen. Ganz Europa sieht sich einem erhöhtem Auftreten von Überschwemmungen und einer wachsenden Anzahl gefährdeter Pflanzen- und Tierarten gegenüber. Bis 2080 könnten zwischen einem Viertel bis zur Hälfte aller europäischen Pflanzenarten bedroht, stark gefährdet oder am Rande des Aussterbens stehen, verursacht durch klimabedingten Stress.
Prof. Alcamo rät: "Nicht in Panik verfallen, sondern überlegt handeln!" Der Bericht biete keinen Anlass zur Panik, wie Prof. Alcamo weiter ausführt. Er zeige aber, dass es Zeit sei für ernsthafte Anstrengungen, sich dem Klimawandel in allen Aspekten des täglichen Lebens anzupassen. "Jedesmal, wenn eine neue Brücke oder eine neue Straße gebaut wird, ein Bürogebäude errichtet oder die Bebauung eines Küstenstreifens geplant wird, müssen die Auswirkungen es Klimawandels (mit) einkalkuliert werden", fordert der Umweltexperte aus Kassel.
Quelle: UD
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