Unsere Sonne - nervös wie selten
Beeinflussen Schwankungen der Sonnenaktivität das Klima? Internationales Forscherteam rekonstruierte historischen Verlauf der Sonnenaktivität und prognostiziert deren Rückgang in wenigen Jahrzehnten
06.12.2004
Wie in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Nature" berichtet wird, haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (Lindau-Katlenburg), der Universität Oulu (Finnland), der Heidelberger Akademie der Wissenschaften sowie der EAWAG (Zürich) jetzt die Sonnenaktivität für die letzten 11.000 Jahre rekonstruiert. Sie machten dabei die Entdeckung, dass wir uns gegenwärtig in einer Phase ungewöhnlich hoher Sonnenaktivität befinden. Sie dauert seit rund 70 Jahren an und kam in vergleichbarer Stärke das letzte Mal vor zuletzt 8000 Jahren vor.
Das Ergebnis ist überraschend : Nur in 8 Prozent der letzten 11.000 Jahre war die Sonne so aktiv wie heute. Die anderen Zeiten außergewöhnlich hoher Aktivität liegen am Anfang des Intervalls, also vor mehr als 8000 Jahren.
Der Befund hat nun erhebliche Konsequenzen für die Frage, ob Schwankungen der Sonnenaktivität auch für Klimaschwankungen auf der Erde verantwortlich sein können. Diese Vermutung liegt mittlerweile auf der Hand: Drei Intervalle ruhiger Sonne zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert n.Chr. fallen nämlich mit den historisch belegten Abkühlungsphasen auf der Nordhalbkugel zusammen. Diese sogenannte "Kleine Eiszeiten" zeigte zum Teil gravierende Auswirkungen auf die Landwirtschaft und das soziale Gefüge in Europa. Klima-Modelle, die mit Änderungen der Sonneneinstrahlung auf der Basis der C-14-Produktion angetrieben werden, zeigen für die vorindustrielle Zeit im letzten Jahrtausend eine überraschend gute Übereinstimmung der Modell-Resultate mit Klimazeitreihen.
Noch besteht unter den Wissenschaftlern kein Konsens darüber, welche Verstärkungsmechanismen die vermutlich kleinen Änderungen des Energieflusses von der Sonne das Klima auf der Erde merkbar beeinflussen. "Doch eines scheint sicher", so Kromer. "Die Sonne spielt eine ganz gewichtige Rolle bei den beobachteten natürlichen Klimaschwankungen!" Dennoch kann dieses Erklärungsmodell nicht als bequemes Argument dafür herhalten, die Gefahr einer globalen Erwärmung durch anthropogen erzeugte Treibhausgase herunter zu spielen. "Modellrechnungen zeigen nämlich gleichzeitig, dass die erhebliche Erwärmung seit circa 1990 nicht der Sonne zuzuschreiben ist", gibt Kromer zu bedenken. "Diese Veränderung ist vielmehr konsistent mit dem Anstieg der Treibhausgase in den letzten anderthalb Dekaden erklärbar."
Quelle: UD
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