Dramatisches Artensterben in den Ozeanen
Eine kanadische Studie sagt den Kollaps aller wirtschaftlich genutzten Fischbestände bis 2048 voraus - wenn die Menschen die Ozeane weiter wie bisher plündern. Als Gründe nennen die Autoren Überfischung, Verschmutzung, Zerstörung der Lebensräume und den Klimawandel.
04.11.2006
Der WWF will bis 2010 zehn Prozent der Meere unter Schutz stellen - bislang sind es lediglich 0,5 Prozent. "Wir brauchen eine weltweites, repräsentatives Netzwerk von gut gemanagten Schutzgebieten, um die biologische Vielfalt der Ozeane dauerhaft zu erhalten", so der WWF-Experte Stephan Lutter. Die kanadische Studie zeigt auf, dass der Verlust der Artenvielfalt die Stabilität des Ökosystems Meer gefährdet. In wirksam geschützten Gebieten hingegen erhole sich das Ökosystem relativ schnell.
Die Politik dürfe nicht länger die Fakten ignorieren. Seit Jahren schlägt beispielsweise die EU die Warnungen der Forscher vor dem Zusammenbruch der Kabeljaubestände in Nord- und Ostsee in den Wind. Kürzlich beschloss die EU für den Dorsch in der östlichen Ostsee eine Fangquote von über 40.000 Tonnen - der Internationale Rat zur Erforschung der Meere (ICES) hatte für einen Fangstopp plädiert. Eine ähnlich katastrophale Entscheidung drohe im Dezember für die Fangquoten in der Nordsee. "Der Kabeljau könnte das nächste Opfer einer kurzfristigen Fischereipolitik werden", so WWF-Expertin Vesper.
An Wirtschaft und Verbraucher appelliert der WWF, stärker auf Fisch aus nachhaltigem Fang zu setzen. Dies garantiere das blaue Siegel des "Marine Stewardship Council". "Weltweit tragen etwa vier Prozent aller Fischereien das blaue Logo. Das ist ein mühsamer errungener Erfolg - aber noch zu wenig, um die Überfischung wirksam einzudämmen", so Vesper. Verbraucher sollten beim Kauf auf das blaue MSC-Siegel achten. Darüber hinaus empfiehlt der WWF seinen kürzlich veröffentlichten Fischführer für die Brieftasche zur schnellen Orientierung beim Fischkauf. "Mittelfristig müssen sich die Konsumenten von Fischen wie Kabeljau oder Tunfisch wohl auf kleine Fische wie Hering oder Sprotte umsteigen", erläutert Vesper.
Quelle: UD
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