20 Jahre Sandoz-Chemieunfall
Auch wenn sich der Lachs im Rhein seit einigen Jahren wieder wohl fühlt, kann nach Ansicht des WWF für den Rhein keine Entwarnung gegeben werden. Insgesamt betrachtet sei der größte deutsche Fluss eher ein "Gebrauchsgegenstand" als ein lebendiger Fluss: Vor allem aufgrund des Ausbaus zu einem der weltweit am stärksten befahrenen Schifffahrtswege sind die Lebensräume für Tiere und Pflanzen in den Flussauen sowie in den Uferbereichen weiterhin stark eingeschränkt.
03.11.2006
"Die erfolgreiche Wiederbesiedlung durch den Lachs wird von Politikern zum ökologischen Rhein-Wunder erklärt, obwohl dieser Fisch kein geeigneter Indikator für den Gesamtzustand des Rheins ist. Stattdessen werden andere und drängende Umweltprobleme am Rhein sträflich vernachlässigt", beklagt Martin Geiger, WWF-Fachbereichsleiter Süßwasser. Die Flussufer und Auen sind seiner Ansicht nach so stark zugebaut, dass eine Verbindung zwischen den Lebensräumen Wasser, Ufer und Hinterland fehlt. "Um tatsächlich zu einem Öko-Paradies zu werden, müssten die Uferbefestigungen abgebaut werden, damit sich wieder Kies- und Sandbänke bilden können und die Seitenarme aktiv mit dem Hauptstrom verbunden sind", fordert Martin Geiger. "Dann hätten auch 'Mauerblümchen' wie die Eintags- und die Steinfliege, die einst für das Ökosystem Rhein charakteristisch waren, wieder eine Überlebenschance."
Statt beim Hochwasserschutz auf technische Rückhaltebecken zu setzen, könnten natürliche Überschwemmungsgebiete wie zum Beispiel Auenflächen dieselbe Funktion erfüllen - und wären zudem auch ökologisch sinnvoll: Damit würden Lebensräume für Tiere und Pflanzen zurück gewonnen, die heute am Rhein kaum noch existieren.
WWF-Experte Martin Geiger gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich der Rhein auch über die Gewässerqualität hinaus wieder zu einem funktionierenden Ökosystem im Sinne der europäischen Wasserrahmenrichtlinie entwickeln kann: "Für einen lebendigen Rhein dürfen die Einzelinteressen der Binnenschifffahrt, des Hochwasserschutzes in den Ländern und der Kommunen nicht zu Lasten des jeweils anderen und des Naturschutzes in den Vordergrund gedrängt werden."
Quelle: UD
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