Asphalt fließt aus Tiefseevulkanen
Unterwasser-Vulkane aus denen Asphalt statt Lava quillt: Sie wurden jetzt im Golf von Mexiko auf einer Expedition des DFG-Forschungszentrums entdeckt. Das Wissenschaftlerteam stieß dabei in 3.000 Metern Wassertiefe auf ein artenreiches und bislang völlig unbekanntes Ökosystem. Über die spektakuläre Entdeckung berichtet die Wissenschaftszeitschrift Science in ihrer Mai-Ausgabe.
21.05.2004
Die Forscher vermuten, dass solche Asphaltvulkane nur im Golf von Mexiko vorkommen, dort aber häufig sind. Denn die Bedingungen, damit sie entstehen - große Wassertiefe, Salzstöcke im Meeresboden und Erdölvorkommen - sind nur hier gegeben.
Asphalt bleibt als Abfallprodukt übrig, wenn spezielle Mikroorganismen tief im Meeresboden Erdöl zersetzen. Kleinere Mengen davon sind nichts Ungewöhnliches, aber im Golf von Mexiko bedeckt der Asphalt stellenweise über einen Quadratkilometer Meeresboden. Einen der Hügel tauften die Forscher nach dem aztekischen Wort für Asphalt "Chapopote". Videoaufnahmen dieses Hügels zeigen deutlich, wie der Asphalt aus dem Krater den Hang hinuntergeflossen ist. Die Bilder erinnern verblüffend an Lava aus Landvulkanen. Außerdem zeigen sie jede Menge Leben: Bartwürmer, Muscheln, Fische, Krebse und - wie für Tiefsee-Oasen üblich - jede Menge Bakterien.
Asphalt gilt gemeinhin als lebensfeindlich. "Trotzdem haben wir jetzt ein ganzes Ökosystem gefunden, dass nicht nur auf Asphalt lebt, sondern sich anscheinend auch von ihm ernährt", sagt Bohrmann. Das Erstaunliche dabei ist, dass das Abfallprodukt Asphalt die sonst üblichen Grundnahrungsmittel der Tiefsee - Methan und Schwefelwasserstoff - gar nicht mehr enthält.
Fast alles Leben der Tiefsee ernährt sich von solchen chemischen Verbindungen, da Sonnenenergie nur die oberen Schichten des Meeres durchdringt. "Welche Verbindungen die Organismen an den Asphalt-Vulkanen genau nutzen, und wie das Geflecht des Lebens in diesem System gewebt ist, müssen wir jetzt herausfinden."
Der Geologe des DFG-Forschungszentrum Ozeanränder in Bremen ist fasziniert: "Nur selten hat man als Forscher die Gelegenheit völlig unbekannte Dinge zu entdecken. Auf der Erde bietet das in diesem Maße nur die Tiefsee."
Quelle: UD
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