Klima & Umwelt

Wie gelingt nachhaltiger Straßenbau, wenn er nicht mehr kosten darf?

Die Klimawende im Straßenbau scheitert oft am Budget. Echter Klimaschutz im Infrastruktursektor skaliert deshalb nicht über ein grünes Gewissen, sondern nur dann, wenn nachhaltige Alternativen verlässliche Performance zu wettbewerbsfähigen Preisen liefern.

03.07.2026

Wie gelingt nachhaltiger Straßenbau, wenn er nicht mehr kosten darf?

Von Fabian Zitzmann

Wer über die Dekarbonisierung der Wirtschaft spricht, übersieht meist einen entscheidenden Hebel: unsere Infrastruktur. Doch wie soll eine nachhaltige Modernisierung gelingen, wenn die öffentliche Hand und Baukonzerne im Straßenbau unter massivem Kostendruck stehen? In einer risikoaversen Traditionsbranche bewegt ein gutes Gewissen allein keine Tonne Asphalt.

Ausschreibungen im Tiefbau sind kostenoptimiert, Vergabeentscheidungen fallen auf Basis von Performance und Preis. Wer hier nicht mithalten kann, hat keine Chance – unabhängig davon, wie überzeugend die Klimabilanz auf dem Papier aussieht. Innovative, nachhaltige Ansätze haben es deswegen oft schwer, wenn sie sich gegen etablierte, fossile Verfahren durchsetzen müssen.

Die harte Realität lautet: Kreislaufwirtschaft skaliert in der Industrie nur dann, wenn die Alternative die gewohnte Performance liefert und günstiger ist als der herkömmliche Standard. Genau diese Kombination ist heute technologisch möglich.

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Wie dieser Hebel in der Praxis funktioniert, zeigt der Blick auf den Asphalt, der klassisch aus Gestein und Bitumen besteht. Um Straßen gegen extreme Wetterbedingungen und steigende Verkehrsbelastungen zu wappnen, wird ihnen seit vielen Jahrzehnten fabrikneuer Kunststoff beigemischt.

Obwohl diese Polymere im Schnitt nur weniger als ein Prozent des gesamten Asphaltgemischs ausmachen, sind sie für die Straße unabdingbar für Langlebigkeit und Leistung. Doch Kunststoffe treiben das Kosten- und Emissionsprofil unverhältnismäßig in die Höhe. Je nach Rezept verursachen sie etwa ein Fünftel der Materialkosten und gut ein Drittel des CO₂-Ausstoßes. Das ist der Hebel, an dem wir mit unserem Produktportfolio bei ecopals ansetzen können.

Über ein etabliertes Partnernetzwerk mit der Recyclingwirtschaft ersetzen wir im Asphalt mit der Produktlinie „EcoFlakes“ die bislang ausschließlich fabrikneuen Kunststoffe durch leistungsäquivalente Recyclingpolymere. Denn es ist ökonomisch wie ökologisch widersprüchlich, weiterhin fossile Primärrohstoffe zu fördern, während die Verwendung bestehender Ressourcen das Problem sofort lösen könnte.

Eine der zentralen Fragen, die sich die Branche stellen muss, ist strategischer Natur: Die wichtigsten Rohstoffe der Asphaltproduktion, Bitumen und die zur Leistungssteigerung eingesetzten Kunststoffadditive, sind Derivate der Erdölindustrie.

Jeder Preisschock am Ölmarkt schlägt direkt auf die Asphaltkosten durch und ist angesichts geopolitischer Verwerfungen und wachsender Nachfrage bei fossilen Rohstoffen keine Ausnahme mehr, sondern das neue Normal. Eine Branche, deren wichtigste Inputs so stark von einem einzigen Rohstoffpfad abhängen, trägt ein Klumpenrisiko, das sich mittelfristig in Kalkulation und Versorgungssicherheit niederschlagen wird.

Wer in der Asphaltproduktion heute auf leistungsfähige Recyclingpolymere umsteigt, entbindet sich großzügig von dieser Abhängigkeit. Das ist einer der strategischen Vorteile für unsere Kunden, die Projekte langfristig rechnen müssen. Und er lässt sich auch im großen Maßstab realisieren. Recyclingkunststoffe sind im europäischen Binnenmarkt in hoher Qualität und ausreichender Menge verfügbar. Strukturelle Engpässe auf der Rohstoffseite gibt es nicht.


Über den Wechsel auf EcoFlakes in der Bindemittelmodifikation sparen wir unseren Kunden mehrere Euro je produzierter Tonne Mischgut. Da der Straßenbau ein klassisches Mengengeschäft ist, multipliziert sich dieser Kostenvorteil schnell. Hinzu kommen operative Einsparungen in Lagerung und Logistik, die die Wirtschaftlichkeit weiter stärken.

Als wirtschaftlich vorteilhafte Alternative zu traditionellen polymermodifizierten Bindemitteln sind wir deutschlandweit und international in sieben Ländern aktiv. Dabei konzentrieren wir uns insbesondere auf den öffentlichen Straßenbau. So konnten wir unter anderem bereits mehrere Autobahnprojekte mit unserer Additivtechnologie realisieren.

Parallel dazu erstrecken sich die Praxisreferenzen auch in den privaten Asphaltbau: Logistikzentren, Parkflächen sowie schwerbelastete Umschlagsplätze gehören gleichermaßen zum Anwendungsspektrum der EcoFlakes.

Hervorzuheben ist, dass sich derzeit eine besondere Dynamik vor allem im internationalen Geschäft entfaltet. Die Nachfrage nach leistungsäquivalenten, nachhaltigen Alternativen in der Asphaltmodifikation ist im Ausland zuletzt spürbar gewachsen. Seit vergangenem Jahr skalieren wir deswegen insbesondere im Vereinigten Königreich, einem Markt, der die Voraussetzungen zur Umstellung auf kreislaufwirtschaftlich optimierte Baustoffe umfassend nutzbar macht. Ebenso in Osteuropa bis hin zu Spanien sind wir vertreten.

Marktübergreifend gilt jedoch dasselbe Prinzip: Innovationen setzen sich nicht durch, weil sie nachhaltig sind, sondern weil sie zudem in Performance und Preis überlegen sind. Wer die Klimawende in der Industrie ernst meint, wird sie also nur dort verwirklichen, wo Nachhaltigkeit zum wirtschaftlichen Vorteil wird. Erst dann wird sie zum Standard.

Über Fabian Zitzmann

Fabian Zitzmann ist Managing Partner bei ecopals, einem Hersteller nachhaltiger Materiallösungen für den Straßenbau. Mit der Produktlinie EcoFlakes bietet das Unternehmen Hochleistungs-Asphaltzusätze an, die die Lebensdauer und Performance von Fahrbahnen verbessern und zugleich den CO₂-Fußabdruck der Asphaltproduktion um bis zu 20 Prozent senken. Als wirtschaftlich vorteilhafte Alternative zu traditionellen polymermodifizierten Bindemitteln ist das Unternehmen deutschlandweit und international in sieben Ländern aktiv.

Quelle: UD
 

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