Klima & Umwelt

Waldschutz: Von Glasgow bis zum Rückzug

Das Vereinigte Königreich hatte der UN 200 Millionen Pfund für den Schutz des Kongobecken-Regenwaldes zugesagt — dem zweitgrößten Regenwald der Welt. Vier Jahre später zieht London Projekte im zweistelligen Millionenbereich zurück. Die britische Aid-Kürzung trifft Programme für Waldschutz und lokale Gemeinschaften direkt. Bislang sind erst 39,8 Millionen Pfund geflossen.

27.08.2026

Waldschutz: Von Glasgow bis zum Rückzug

Die Details der Rückzugsbewegung stammen aus einer Recherche von Josh Gabbatiss für Carbon Brief von Mitte Juli 2026. Danach hat die britische Labour-Regierung das „Congo Basin Forest Action Programme” (CBFA), das ursprünglich mit einem Budget von 90 Millionen Pfund geplant war, auf 18,8 Millionen Pfund zusammengestrichen. Ausgegeben wurden davon bislang 15 Millionen Pfund. Auch der britische Anteil am „Biodiverse Landscapes Fund” für den westlichen Kongo im Umfang von mindestens 12,3 Millionen Pfund wurde nach nur zwei von geplanten sieben Jahren beendet.

Der Vorstoß zur Rettung der Regenwälder war 2021 auf der Weltklimakonferenz in Glasgow ein Prestigeprojekt der damaligen konservativen Regierung unter Boris Johnson. Mehr als 140 Nationen unterzeichneten die „Glasgow Leaders’ Declaration on Forests and Land Use” mit dem Ziel, Waldverluste bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Zwölf Geberländer sagten insgesamt 1,5 Milliarden US-Dollar für Kongobecken-Staaten bis 2025 zu. Der britische Beitrag: 200 Millionen Pfund, ergänzt um 350 Millionen für Indonesien und bis zu 300 Millionen für den Amazonas.

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Zac Goldsmith, der als konservativer Minister die Waldziele bei COP26 verantwortete, wird in der Carbon-Brief-Recherche mit deutlichen Worten zitiert: „Wir sind vom vielleicht globalen Vorreiter im Naturschutz zu einer Nation geworden, die ihre Versprechen gegenüber Ländern bricht, für die die Umwelt eine existenzielle Frage ist.” Auch Damian Fleming, Waldschutz-Direktor bei WWF International, ordnet die Folgen ein: „Länder mit tropischem Regenwald treffen langfristige politische und entwicklungspolitische Entscheidungen in der Erwartung, dass internationale Partner ihre Zusagen einhalten.”

Die Kürzungen sind Teil eines umfassenderen Rückzugs der Labour-Regierung aus der internationalen Klima- und Entwicklungsfinanzierung, mit der Verteidigungsausgaben priorisiert werden. Bereits die Vorgängerregierung hatte die Hilfen gekürzt. Ähnliche Bewegungen zeichnen sich in weiten Teilen Europas sowie in den USA unter der Trump-Administration ab. Entwicklungsministerin Jenny Chapman gab in einer parlamentarischen Anfrage an, dass bis 2024 lediglich 39,8 Millionen Pfund tatsächlich in den Kongo-Regenwald geflossen sind. Zu den Zahlen für Indonesien und den Amazonas machte sie keine Angaben. Zwar wurde die Frist für die Erreichung der 200-Millionen-Pfund-Marke bis 2029 verlängert, doch bleibt der bisherige Beitrag im Vergleich zu den ursprünglichen Zusagen bescheiden.

Für die betroffenen Länder ist das ein doppelter Rückschlag. Die sechs Nationen des Kongobeckens gehören zu den ärmsten der Welt, gleichzeitig ist der Regenwald der größte Kohlenstoffspeicher der Erde. Eine offizielle britische Sicherheitsanalyse warnte selbst, dass „Degradation oder Kollaps” von Amazonas oder Kongo „die nationale Sicherheit und den Wohlstand Großbritanniens bedrohen”. Zu den erschwerenden Rahmenbedingungen zählen laut internen Regierungsdokumenten „komplexe politische Ökonomien” sowie in Gabun ein Militärputsch, der die Arbeit „verkompliziert” habe.

Die britische Regierung bemüht sich, die Symbolik zu retten. Sie erklärt, das Fünf-Jahres-Ziel von 11,6 Milliarden Pfund Klimafinanzierung erreicht zu haben, ebenso wie die Unterziele von 3 Milliarden Pfund für Naturschutz und 1,5 Milliarden Pfund für Wald. Für die neue Klimafinanzierungsperiode ab 2026 verzichtet London jedoch auf feste, „ring-fenced” Zusagen für Wald und Natur. Sarah Champion, Vorsitzende des International Development Committee, äußerte sich besorgt: Bei einer Anhörung habe die Ministerin diesen Kurswechsel als „Wette” bezeichnet.

Quelle: UD
 

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