Wälder stärken, Natur schützen: Neue Empfehlungen zur Wiederherstellung der Ökosysteme
Ein aktuelles Positionspapier der Naturwald Akademie zeigt, wie naturbasierte Lösungen die Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung der Natur unterstützen können. Wissenschaftlich fundierte Empfehlungen betonen die Bedeutung naturnaher Wälder, natürlicher Prozesse und vernetzter Lebensräume, um Klimawandelfolgen besser abzufedern und die langfristige Resilienz der Ökosysteme in Deutschland zu sichern.
10.06.2026
Naturbasierte Lösungen für die Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung der Natur zu nutzen, empfiehlt die Naturwald Akademie in einem heute erscheinenden Positionspapier. Angesichts der erwartbaren Milliarden Euro an Kosten für die notwendige Wiederherstellung der Natur werden naturnahe Maßnahmen effizient die Umsetzung unterstützen, zeigen die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Waldökologie. Naturverjüngung ist kostengünstiger als Bäume zu pflanzen, zudem passen sich selbst gesäte Bäume besser an die Auswirkungen der Klimaveränderungen an. „Natürliche und in ihrem Rhythmus wachsende Wälder können sich an den Klimawandel anpassen“, sagt Dr. Torsten Welle, wissenschaftlicher Leiter der Naturwald Akademie und Autor des Policy Brief. „Die Herausforderungen zur Wiederherstellung der Waldökosysteme übersteigen die finanziellen Möglichkeiten von Staat und Gesellschaft, daher sollten naturbasierte effiziente Lösungen genutzt werden – und naturnahe Wälder passen sich von selbst an die veränderten Umweltbedingungen an.“
Entscheidend für das Gelingen der Wiederherstellung der Natur wird auch die Stärkung anderer Lebensräume und an Wald angrenzender Ökosysteme wie Flussauen, Seen oder Wiesen sein. „Das natürliche Potenzial von Ökosystemen und die Vernetzung zu fördern ist günstiger als der künstliche Umbau der Wälder“, sagt Dr. Stefan Kreft, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Naturwald Akademie und ebenfalls Autor des Policy Brief. Dr. Kreft regt eine volkswirtschaftliche Gesamtbetrachtung zur Nutzung und dem Schutz von Ökosystemen an. Nur 16 Prozent der Wälder in Deutschland sind sehr naturnah und dementsprechend funktionstüchtig, da die natürlichen Strukturen des Waldes intakt sind. Mit zunehmender Erhitzung, starken oder gar keinen Regenfällen unterstützen naturnahe Wälder die menschliche Anpassung an den Klimawandel. Denn naturnahe Wälder verfügen über eine natürliche Fähigkeit zur Selbstorganisation und Selbstregulierung. Damit einher gehen eine natürliche Widerstandsfähigkeit und Resilienz gegen die Vielfalt von Störungen wie Dürren oder starken Regenfällen.
Übersichtlich aufbereitet gibt die Naturwald Akademie Empfehlungen zu den einzelnen Punkten der Wiederherstellungsverordnung der Natur. Die wissenschaftlich fundierten Empfehlungen unterstützen Bürgerinnen und Bürger sowie Organisationen dabei, sich am Plan zur Wiederherstellung der Natur zu beteiligen. Bis zum 25. Juni 2026 beteiligt die Bundesregierung die Öffentlichkeit an der Ausgestaltung der Wiederherstellungsverordnung der Natur. Sie ist seit August 2024 in allen EU-Staaten in Kraft.
Die wichtigsten Empfehlungen:
- Pronaturierung zur Wiederherstellung nutzen und natürliche Prozesse in Wäldern ermöglichen
- Naturverjüngung nutzen, da sie besser, schneller und kostengünstiger ist als Pflanzungen
- Wald-Lebensraumtypen flexibel in die Waldbewirtschaftung integrieren
- Natura zweitausend als Ausgangspunkt für die Wiederherstellung stärken
- Waldmonitoring auf Fernerkundung stützen