Trump gegen Klimaforschung: USA droht Verlust des weltberühmten Atmosphäreninstituts
Die Trump-Regierung will das National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Colorado schließen – offiziell wegen angeblichen „Klimaalarmismus“, tatsächlich wohl als politische Vergeltung gegen den Bundesstaat. Wissenschaftler warnen vor schweren Folgen für Wettervorhersage, Katastrophenschutz und nationale Sicherheit. NCARs Trägerorganisation klagt bereits.
04.06.2026
Seit Jahrzehnten ist das NCAR in Boulder, Colorado, eine der führenden Institutionen für Atmosphären- und Klimaforschung weltweit. Es untersucht Wetter, Dürren, Waldbrände und die Dynamik des Erdsystems – Wissen, das direkt in Wetterprognosen, Katastrophenschutz und langfristige Ressourcenplanung einfließt. Im November kündigte die Trump-Regierung die Schließung des Zentrums an und begründete dies mit dessen Beitrag zu dem, was sie als „Klimaalarmismus“ bezeichnet. NCARs Trägerorganisation, die University Corporation for Atmospheric Research (UCAR), hat daraufhin Klage eingereicht.
Waleed Abdalati, früherer Chefwissenschaftler der NASA und heute Direktor des Cooperative Institute for Research in Environmental Sciences an der University of Colorado, hält die Begründung für falsch. „Ich denke nicht, dass es Alarmismus seitens der NCAR-Wissenschaftler gibt. Sie betreiben Forschung und berichten im Peer-Review-Verfahren, was sie finden. Dass einige Ergebnisse beunruhigend sein können, macht die Beunruhigung nicht zum Ziel der Arbeit“, sagte er gegenüber Inside Climate News. Sein Urteil ist eindeutig: „Ich denke, es ist ein großer Verlust aus den falschen Gründen. Es gibt keinen guten Grund, das zu zerstören.“
Hinter der Schließung vermuten viele eine politische Retourkutsche: Colorados Gouverneur hatte sich geweigert, Tina Peters zu begnadigen, die wegen Wahlmanipulation zugunsten Trumps verurteilt worden war. Abdalati kommentiert das vorsichtig: „Viele glauben, dass dies Vergeltung ist.“ Die UCAR-Klage spricht direkt von einer „Vergeltungskampagne gegen den Bundesstaat Colorado“. Abdalati betont, was auf dem Spiel steht – etwa die Arktis, die sich schneller verändert als jeder andere Erdteil: Ohne das entsprechende Forschungswissen könne man weder wirtschaftliche Chancen noch Sicherheitsrisiken richtig einschätzen. „Unsere wirtschaftlichen und strategischen Interessen sind eng damit verknüpft, wie gut wir die Umwelt und ihre Entwicklung verstehen“, sagt er. Die Abkehr davon gefährde die nationalen Interessen der USA – nicht schütze sie.