Stockholm kauft CO2 aus der Luft – und setzt damit weltweit Maßstäbe
Stockholm wird zum fünftgrößten Käufer permanenter Kohlenstoffabscheidung weltweit. Die schwedische Hauptstadt hat einen Vertrag mit dem Energieunternehmen Stockholm Exergi unterzeichnet, der die Abnahme von 50.000 Tonnen Kohlendioxid-Entnahmen pro Jahr über 15 Jahre vorsieht. Das Abkommen ist Teil einer ambitionierten Klimastrategie, die Stockholm bis 2030 klimapositiv und bis 2040 vollständig frei von fossilen Brennstoffen machen soll.
30.06.2026
Die schwedische Hauptstadt setzt bei der Klimawende auf eine Technologie, die weltweit noch Seltenheitswert hat: die dauerhafte Entnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Durch die städtische Holdinggesellschaft Stockholm Stadshus AB hat die Stadt einen Langzeitvertrag mit dem Energieversorger Stockholm Exergi abgeschlossen. Für 15 Jahre werden jährlich 50.000 Tonnen sogenannte Carbon Removals – also dauerhaft gespeichertes Kohlendioxid – eingekauft. Damit reiht sich die Stadt unter die weltweit größten institutionellen Abnehmer dieser noch jungen Technologie ein.
„Die Stadt Stockholm strebt an, bis 2030 territorial klimapositiv und bis 2040 vollständig frei von fossilen Brennstoffen zu sein. Durch diesen Kauf nimmt Stockholm eine globale Führungsrolle unter klimaambitionierten Städten ein und wird zum fünftgrößten Käufer permanenter Kohlenstoffabscheidung weltweit“, sagt Karin Wanngård (S), Bürgermeisterin von Stockholm. Sie betont, dass der Schritt ein wichtiges Signal sei zu einem Zeitpunkt, an dem die grüne Transformation deutlich beschleunigt werden müsse.
Technologisch setzt Stockholm dabei auf das Verfahren BECCS – Bioenergy with Carbon Capture and Storage. Stockholm Exergi baut derzeit eine der weltweit größten Anlagen zur atmosphärischen Kohlendioxid-Abscheidung. Die Anlage soll künftig bis zu 800.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aus der Luft filtern – mehr als der gesamte jährliche Ausstoß des Straßenverkehrs in Stockholm. Das abgeschiedene Gas wird per Schiff nach Bergen in Norwegen transportiert und dort in Gesteinsformationen tief unter dem Meeresgrund dauerhaft eingelagert. Weitere Details zur Anlage und zum Speicherprozess finden sich auf der Projektseite von Stockholm Exergi.
Anders Egelrud, Geschäftsführer von Stockholm Exergi, sieht in dem Vertrag nicht nur einen Meilenstein für die Stadt, sondern auch ein Signal für den Aufbau eines neuen Marktes: „Die Stadt Stockholm war seit Langem Vorreiterin beim Klimawandel. Jetzt zeigt sie erneut Führungsstärke darin, wie Kommunen, Unternehmen und andere Akteure handeln sollten, indem sie tiefe Emissionsreduktionen mit dem Kauf permanenter Kohlenstoffabscheidung verbinden. Gleichzeitig helfen sie dabei, eine neue Industrie aufzubauen und einen Markt für Carbon Removals zu schaffen.“
Im städtischen Umweltprogramm und Klimaaktionsplan hat Stockholm das territorial definierte Ziel verankert, die Emissionen innerhalb der Stadtgrenzen bis 2030 drastisch zu senken und die Menge der entnommenen Treibhausgase über die Emissionen zu heben. Die eingekauften Carbon Removals sollen dabei keine Ausrede für vermiedene Reduktionen sein, sondern gezielt jene Restemissionen ausgleichen, die sich schwer oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand vermeiden lassen – darunter Emissionen aus Baumaterialien sowie aus der Abwasserbehandlung.
Das Modell, das Stockholm hier verfolgt, könnte wegweisend für andere Großstädte werden. Denn während viele Städte noch damit ringen, ihre fossilen Emissionen zu senken, geht Stockholm bereits den nächsten Schritt: den strukturierten Einkauf von zertifizierten, dauerhaften Negativemissionen. Angesichts der wachsenden Zahl klimaambitionierter Kommunen weltweit dürfte der Markt für Carbon Removals künftig deutlich an Dynamik gewinnen – Stockholm hat ihn mitgeprägt.