Klima & Umwelt

SCHOTT löst Klimaneutralitätsziel ab – SBTi bestätigt neuen Reduktionspfad

Der Technologiekonzern SCHOTT verabschiedet sich von seinem selbstgesetzten Ziel „Klimaneutral 2030" und ersetzt es durch wissenschaftsbasierte Reduktionsziele. Die Science Based Targets initiative (SBTi) hat die überarbeitete Zielarchitektur bestätigt. Im Mittelpunkt steht nun ein konkretes Scope-3-Reduktionsziel von 27,5 Prozent bis 2030. Auch die börsennotierte Tochter SCHOTT Pharma richtet ihre Klimastrategie entsprechend neu aus.

18.08.2026

SCHOTT löst Klimaneutralitätsziel ab – SBTi bestätigt neuen Reduktionspfad

Der Schritt markiert eine strategische Neuausrichtung, die über Symbolik hinausgeht. SCHOTT hatte sich 2019 das Ziel gesetzt, die eigene Produktion bis 2030 bilanziell klimaneutral zu stellen – einschließlich der Kompensation von Emissionen über Gutschriften aus externen Klimaschutzprojekten. Dieses Ziel wird nun nicht weitergeführt. An seine Stelle tritt eine differenziertere Strategie, die auf tatsächliche Emissionsminderungen setzt und von der SBTi wissenschaftlich validiert wurde.

„Die damals gesetzten Klimaziele waren ein wichtiger Ausgangspunkt für unsere Transformation. Jetzt gehen wir den nächsten Schritt", erklärt Dr. Torsten Derr, Vorstandsvorsitzender der SCHOTT AG. Man setze weiterhin auf Strom aus erneuerbaren Energien und treibe die technologische Weiterentwicklung der Produktion voran. „Gleichzeitig richten wir den Fokus noch stärker auf Emissionsminderungen entlang der Wertschöpfungskette", so Derr.

Bereits 2023 hatte die SBTi ein gemeinsames Reduktionsziel für Scope 1 und Scope 2 sowie ein sogenanntes Supplier-Engagement-Ziel für Scope 3 anerkannt. Das Scope-1- und Scope-2-Ziel – eine Reduktion um 46,2 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2019 – hat SCHOTT nach eigenen Angaben inzwischen übertroffen. Seit 2019 sanken die direkten und indirekten Emissionen um rund 70 Prozent, maßgeblich getrieben durch die Umstellung der Strombeschaffung auf Energy Attribute Certificates aus erneuerbaren Energiequellen sowie durch Power Purchase Agreements. Dieser Hebel bleibt zentral, ergänzt durch technologische Weiterentwicklungen und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz.

Neu ist das konkrete Scope-3-Reduktionsziel, das das bisherige Supplier-Engagement-Ziel ablöst. SCHOTT will ausgewählte Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette bis zum Geschäftsjahr 2030 um 27,5 Prozent senken. Das ist insofern bedeutsam, als mehr als 80 Prozent des gesamten Corporate Carbon Footprint im Geschäftsjahr 2025 auf Scope-3-Emissionen entfielen – eine direkte Folge der bereits erreichten Reduktionen in Scope 1 und 2. Der Fokus liegt dabei auf eingekauften Waren und Dienstleistungen, brennstoff- und energiebezogenen Emissionen sowie der Weiterverarbeitung verkaufter Produkte.

Um das Ziel zu erreichen, plant SCHOTT unter anderem, Product Carbon Footprints von Vorprodukten in die Einkaufsbewertung einzubeziehen, den Dialog mit Lieferanten zu Nachhaltigkeitsthemen zu intensivieren und Lieferanten bei der Beschaffung erneuerbarer Energien, eigenen SBTi-Zielsetzungen und PCF-Berechnungen zu unterstützen. „Wir sehen signifikantes Potenzial, gemeinsam mit Lieferanten die Scope-3-Emissionen zu reduzieren", sagt Dr. Martin Bleider, Leiter Sustainable Procurement bei SCHOTT. Man werde das Engagement in der Wertschöpfungskette mit Pilotprojekten weiter ausbauen.

Trotz des neuen Schwerpunkts auf die Lieferkette sieht SCHOTT auch bei der eigenen Produktion weiteres Reduktionspotenzial. Die Dekarbonisierung der energieintensiven Glasschmelze bleibt ein zentrales Element. Im bayerischen Mitterteich soll im Laufe des Jahres 2027 eine erste elektrische Pilotwanne mit geringem Gasanteil in Betrieb gehen. SCHOTT investiert dafür rund 40 Millionen Euro. Die Anlage dient der Erprobung der Technologie unter industriellen Bedingungen. Darüber hinaus prüft der Konzern weitere Ansätze zur Emissionsreduktion in der Glasschmelze, darunter Mikrowellen- und Plasmatechnologien. „Wir investieren in Technologien, die das Potenzial haben, die Emissionen unserer Produktion langfristig weiter zu senken. Gleichzeitig stärken wir damit industrielles Know-how am Standort Deutschland", so Derr.

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Auch SCHOTT Pharma, Hersteller pharmazeutischer Aufbewahrungs- und Verabreichungssysteme, richtet sich an den aktualisierten Konzernzielen aus. Die SBTi-Validierung erfolgte auf Konzernebene, SCHOTT Pharma trägt im Rahmen seiner eigenen Nachhaltigkeitsstrategie zur Zielerreichung bei. „Unsere Klimaschutzambitionen bleiben unverändert. Das aktualisierte Scope-3-Ziel ermöglicht es uns, unsere Maßnahmen noch gezielter auf die Bereiche mit dem größten Potenzial zur Emissionsreduktion auszurichten", sagt Reinhard Mayer, CFO von SCHOTT Pharma.

Konkret setzt SCHOTT Pharma auf die Verbesserung der Energieeffizienz in der Produktion und die Integration neuer Technologien. Am Schweizer Standort etwa wurde die Herstellung von Water for Injection von einem konventionellen Destillationsverfahren auf ein membranbasiertes System umgestellt, das überwiegend mit Strom und Wärmerückgewinnung arbeitet und die Wassereffizienz von rund 70 auf über 90 Prozent steigert. Zudem bewertet SCHOTT Pharma bei Beschaffungsentscheidungen die Klimaziele und den Einsatz erneuerbarer Energien bei Lieferanten und beteiligt sich an Brancheninitiativen wie Energize und Alliance to Zero, um die Dekarbonisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben.

Emissionsgutschriften aus Klimaschutzprojekten außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette sind nicht Bestandteil der bestätigten Klimaziele. Damit vollzieht SCHOTT einen Wandel, den in den vergangenen Jahren zahlreiche Unternehmen vollzogen haben: weg von Neutralitätsversprechen, die auf Kompensation basieren, hin zu messbaren Reduktionen entlang der eigenen Wertschöpfungskette.

Quelle: UD
 

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