Klima & Umwelt

Quotentricks auf hoher See

Europäische Fischereiunternehmen nutzen eine clevere Lücke im Quotensystem: Indem sie ihre Schiffe in Küstenstaaten des Indischen Ozeans registrieren, verschaffen sie sich Zugang zu höheren Fangkontingenten – und umgehen so die EU-Verpflichtungen zur Reduzierung des Thunfischfangs. Ein neuer Bericht der Blue Marine Foundation und des Beratungsunternehmens Kroll dokumentiert das Ausmaß.

26.06.2026

Quotentricks auf hoher See

Die EU hatte sich verpflichtet, den Fang von Gelbflossenthun durch Schiffe unter EU-Flagge um 21 Prozent zu reduzieren. Das Ergebnis überrascht: Statt weniger zu fangen, haben viele europäische Unternehmen ihre Flotten schlicht umgeflaggt. Durch die Registrierung ihrer Schiffe in Anrainerstaaten des Indischen Ozeans erhalten sie Zugang zu höheren nationalen Quoten – und umgehen so den europäischen Beschluss. Die von europäischen Unternehmen kontrollierte Flotte ist so auf mehr als 50 Ringwadenfänger und Versorgungsschiffe angewachsen, wie der Bericht von Blue Marine Foundation und Kroll zeigt.

Rund ein Drittel der gesamten Thunfischfänge im Indischen Ozean – darunter Bestände, die sich nach einer Phase starker Überfischung gerade erst erholen – gehen demnach auf europäische Unternehmen zurück. Jess Rattle von der Blue Marine Foundation erläutert den Mechanismus: Unternehmen lassen ihre Schiffe vor Ort registrieren, um Zugang zu den höheren Quoten der jeweiligen Küstenstaaten zu erhalten. Die EU-Verpflichtung zur Reduktion gilt formal nur für Schiffe, die tatsächlich die EU-Flagge tragen.

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Spanische und französische Thunfischunternehmen sind seit den 1980er-Jahren im Indischen Ozean aktiv und nutzen dort Ringwadenfänger – Schiffe, die mit riesigen, ringförmig ausgebrachten Netzen ganze Fischschwärme auf einmal einholen. Die Praxis hat eine lange politische Geschichte: Vor 5 Jahren warfen die Malediven den Europäern vor, keine ernsthaften Reduktionsvorschläge vorzulegen. 2023 lehnte die EU ein von Indonesien gefordertes Ringwadennetzverbot ab.

Das Umflaggen ähnelt dem Prinzip der sogenannten Schattenflotte im Öltankerbereich: Schiffe werden in Staaten registriert, die für einen laxen Umgang mit internationalen Regeln bekannt sind oder schlicht nicht die Ressourcen haben, die Einhaltung auf hoher See durchzusetzen. Trotz neuer Regelungen der Indian Ocean Tuna Commission, die langsam Wirkung zeigen, bleibt die strukturelle Lücke bestehen. Solange das Umflaggen ohne wirksame Gegenmechanismen möglich ist, droht die EU-Selbstverpflichtung zur Schonung der Thunfischbestände zum Papiertiger zu werden.

Die Praxis unterminiert nicht nur ökologische Ziele, sondern auch die Glaubwürdigkeit europäischer Nachhaltigkeitsversprechen gegenüber den Anrainerstaaten des Indischen Ozeans. Länder wie die Malediven oder Indonesien, deren Küstengemeinden auf gesunde Fischbestände angewiesen sind, sehen sich einer europäisch dominierten Flotte gegenüber, die formal unter fremder Flagge fischt. Wer die Regeln setzt, hält sie am Ende selbst nicht ein – das ist die Botschaft, die diese Praxis aussendet.

Quelle: UD
 

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