Naturfinanzierung und Geschlechterdaten: Warum beides zusammengehört, um die globalen Biodiversitätsziele zu erreichen
Vor dem 17. Vertragstreffen der UN-Biodiversitätskonvention (CBD COP17) im Oktober in Jerewan fordern zwei IIED-Forscherinnen eine radikale Kurskorrektur: Die Lücke bei der Naturfinanzierung sei nur zu schließen, wenn gleichzeitig geschlechtersensible Biodiversitätsdaten erhoben und genutzt würden. Beides hänge untrennbar zusammen – und beides komme viel zu kurz.
29.10.2026
Nicola Sorsby und Karen Wong Pérez vom International Institute for Environment and Development (IIED) argumentieren in einem Insight-Beitrag, dass die Umsetzung des Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework (GBF) an zwei zentralen Schwachstellen krankt. Die erste ist finanzieller Natur: Ziel 19 des Rahmenwerks sieht vor, bis 2030 jährlich 30 Milliarden US-Dollar an neuer internationaler Finanzierung für den Naturschutz zu mobilisieren. Bislang wurden jedoch nur 386 Millionen US-Dollar für den Global Biodiversity Framework Fund (GBFF) und 1.000 US-Dollar für den Cali Fund zugesagt – ein Bruchteil des Bedarfs. Bei der Zwischenverhandlung SBI-06 in Rom wurde zwar eine ambitionierte Roadmap zur Naturfinanzierung vereinbart, doch die tatsächlichen Mittelzusagen bleiben dramatisch hinter den Zielen zurück.
Die zweite Schwachstelle betrifft Daten und Teilhabe. Die Halbzeitbilanz des Gender Plan of Action, die ebenfalls in Rom vorgelegt wurde, basiert auf gerade einmal 14 Länderberichten von 196 Vertragsparteien und 20 Beobachterorganisationen. Ein durchgängiges Thema war der anhaltende Mangel an geschlechtersensiblen Biodiversitätsdaten – also Daten, die erfassen, wie Menschen je nach Geschlecht und weiteren intersektionalen Faktoren Biodiversität unterschiedlich erleben, nutzen, bewirtschaften und schützen. „Daten sind Macht“, schreiben Sorsby und Wong Pérez. „Sie zeigen, was funktioniert – und, entscheidend, was nicht.“
Frauenorganisationen, insbesondere solche mit Wurzeln in indigenen Gemeinschaften und Gemeinschaften afroamerikanischer Abstammung, hätten eine lange Tradition in der Erhebung von Biodiversitätsdaten, die auf indigenem, traditionellem und lokalem Wissen basieren. Doch diese Daten würden nicht anerkannt, was zu Politiken führe, die weder die Beiträge von Frauen würdigten noch ihre Bedürfnisse adressierten oder ihre Rechte achteten. Bei SBI-06 hätten die Vertragsparteien zwar Empfehlungen zu Gender verabschiedet, der Abschlusstext sei aber durch die Formulierung „in Übereinstimmung mit nationalen Gegebenheiten, Prioritäten und Kapazitäten“ verwässert worden. Zudem sei eine Chance verpasst worden, die Gender-Aktionspläne über die drei Rio-Konventionen hinweg besser zu koordinieren.
Die Autorinnen argumentieren, dass Naturfinanzierung und Geschlechterdaten nicht getrennt behandelt werden dürften – auch wenn sie im GBF in separaten Verhandlungssträngen liegen. Geschlechtergerechte Naturfinanzierung erfordere Klarheit darüber, wer Mittel erhalte, wer an Entscheidungen über deren Verwendung beteiligt sei und wer davon profitiere. Daten zur Naturfinanzierung müssten nach Geschlecht, Alter, Ethnizität und Einkommen aufgeschlüsselt werden, um nachzuverfolgen, wie viel Finanzierung direkt bei Frauenorganisationen ankomme. Für COP17 fordern sie unter anderem, die Finanzierung auf die im GBF vorgesehene Größenordnung zu skalieren, gemeinschaftsgenerierten Daten und diversen Wissenssystemen Anerkennung zu verschaffen und sicherzustellen, dass indigene Völker, lokale Gemeinschaften und Frauengruppen Zugang zu Finanzierung erhalten und deren Verwendung mitbestimmen können.
Quelle: UD
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