Klima & Umwelt

Naturbasierte Lösungen: Im Schnitt 3,3 Euro Rendite pro Euro – und trotzdem ein Nischendasein

Grüne Schulhöfe, renaturierte Wassereinzugsgebiete, Stadtparks als Hochwasserschutz: 3 europäische Living Labs zeigen, dass naturbasierte Lösungen gegen Hitze und Starkregen wirtschaftlich rentabel sind. Finanziert werden sie trotzdem fast ausschließlich aus öffentlichen Kassen – private Investoren fehlen.

30.10.2026

Naturbasierte Lösungen: Im Schnitt 3,3 Euro Rendite pro Euro – und trotzdem ein Nischendasein

Was eine Kosten-Nutzen-Analyse in Aarhus, Dänemark, vorrechnet, klingt zunächst nach einem einfachen Geschäftsfall: Jeder in Natur- und Wasserparks investierte Euro bringt im Schnitt 4,15 Euro an Nutzen zurück – durch Erholungswert, höhere Aufenthaltsqualität, Kohlenstoffbindung und Trinkwasserschutz. In Cascais, Portugal, senkte die Wiederherstellung eines Wassereinzugsgebiets die erwarteten jährlichen Hochwasserschäden von 110.000 auf 62.000 Euro, ein Rückgang um 43 Prozent. Und im polnischen Poznań sollen 4,05 Hektar begrünte Schulhöfe an neun Schulen rund 280.000 Menschen zugutekommen: weniger städtische Hitze, gesündere Lernumgebungen.

Der im Projekttitel kursierende Schnitt von 3,3 Euro Rendite je investiertem Euro stammt aus der eigenen Gesamtauswertung von Invest4Nature über alle Living Labs hinweg; die genaue Berechnungsmethodik legt die Pressemitteilung nicht offen, weshalb die Zahl hier als Projektangabe und nicht als unabhängig geprüfter Befund zu lesen ist. Nachvollziehbar dokumentiert sind dagegen die drei folgenden Einzelfälle: Diese Living-Lab-Ergebnisse stammen aus dem EU-Forschungsprojekt Invest4Nature, das Ende September 2026 nach gut vierjähriger Laufzeit zu Ende ging. Laut EU-Förderdatenbank Cordis flossen rund 5 Millionen Euro Horizon-Europe-Mittel in das Vorhaben, das 15 Partnerorganisationen aus elf Ländern zusammenbrachte und von der Joanneum Research Forschungsgesellschaft (Graz) koordiniert wurde. Das Steinbeis Europa Zentrum war für Kommunikation, Disseminierung und einen Teil des administrativen Projektmanagements zuständig und veröffentlicht nun die Abschlussbroschüre „From Nature-based Solutions to Investable Practice“ mit Evidenzdatenbank, einer Decision Support Toolbox und politischen Handlungsempfehlungen.

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Warum private Kapitalgeber trotz solcher Zahlen zurückhaltend bleiben, zeigt ein Blick auf die globale Finanzierungslage. Laut dem UNEP-Bericht „State of Finance for Nature“ fließen derzeit weltweit rund 133 Milliarden US-Dollar jährlich in naturbasierte Lösungen – überwiegend aus öffentlichen Quellen. Um die internationalen Klima-, Biodiversitäts- und Landdegradationsziele zu erreichen, müssten sich diese Investitionen laut UNEP bis 2030 verdreifachen und bis 2050 vervierfachen; andernfalls bleibt bis Mitte des Jahrhunderts eine Finanzierungslücke von rund 4,1 Billionen US-Dollar. Die Zahl bezieht sich auf die globale Ebene, nicht spezifisch auf Europa – sie macht aber die Größenordnung des Problems deutlich: Der gesellschaftliche Nutzen naturbasierter Lösungen lässt sich in klassischen Investitionslogiken nur schwer abbilden, weshalb sie gegen konventionelle, grau-technische Infrastruktur verlieren.

Genau hier will das Projekt ansetzen. „Naturbasierte Lösungen können Städte und Regionen widerstandsfähiger machen, doch ihre weiterreichenden Vorteile lassen sich in Investitions- und politischen Entscheidungsprozessen nicht immer leicht kommunizieren“, wird Valerie Bahr, Leiterin des Bereichs Klima, Energie, Mobilität und Smart Cities am Steinbeis Europa Zentrum, in der Mitteilung zitiert. „Invest4Nature unterstützt Entscheidungsträger dabei, vom Interesse an naturbasierten Lösungen zur Umsetzung zu kommen.“

Für Kommunen und Investoren, die diesen Schritt gehen wollen, liegen mit der Abschlussbroschüre, der Evidenzdatenbank und der Toolbox nun zumindest die Werkzeuge vor. Ob sie den Sprung von der Pilotphase in die Breite schaffen, hängt am Ende aber weniger an Instrumenten als an der Bereitschaft öffentlicher Haushalte und privater Investoren, langfristigen – statt nur unmittelbar sichtbaren – Nutzen tatsächlich einzupreisen.

Quelle: UD/pm

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