Klima & Umwelt

Nachhaltigkeit im Weinbau: Warum ein lebendiger Weinberg mehr kann als Trauben tragen

Arina Schefer erklärt, warum nachhaltiger Weinbau weit über das Bio-Siegel hinausgeht, welche Rolle Biodiversität für widerstandsfähige Weinberge spielt und wie der Klimawandel den Weinbau verändert. Die Delinat-Winzerberaterin spricht über ökologische Ausgleichsflächen, robuste Rebsorten und neue Anbaumethoden – und verrät, warum beim Weingenuss auch ein Eiswürfel durchaus erlaubt ist.

23.10.2026

Nachhaltigkeit im Weinbau: Warum ein lebendiger Weinberg mehr kann als Trauben tragen

Was macht nachhaltigen Weinbau wirklich aus? Zunächst einmal beginnt für Arina Schefer guter Wein im Weinberg: „Gesunde Trauben bringen guten Wein.“ Als Delinat-Winzerberaterin und Tochter von Karl Schefer, dem Gründer von Delinat, ist ihr die Philosophie des Unternehmens seit ihrer Kindheit vertraut. Nach einem Weinbaustudium hat sie ihre Leidenschaft für Wein und nachhaltigen Weinbau weiter vertieft. „Für Delinat ist das Bio-Siegel erst der Anfang“, so Arina, die im Unternehmen für Forschung und Entwicklung verantwortlich ist. Denn biologischer Weinbau allein reiche nicht aus, um einen Weinberg langfristig gesund und widerstandsfähig zu machen. Die Delinat-Methode geht deshalb deutlich weiter: Weinberge sollen nicht als Monokulturen funktionieren, sondern als vielfältige, lebendige Ökosysteme.

Weinbau als Ökosystem denken

Besonders prägend ist für Arina das Weingut Château Duvivier in Südfrankreich, das sie seit ihrer Kindheit kennt. Das historische Weingut aus dem 19. Jahrhundert liegt abgeschieden, umgeben von Eichenwäldern, und dient heute als Forschungs- und Entwicklungsstandort für die Delinat-Methode. „Die Umstellung von konventionellem auf biologischen Weinbau ist schon ein großer Schritt. Der Wechsel auf die Delinat-Methode geht aber noch einmal deutlich weiter“, erklärt Arina. Ein zentraler Baustein ist die Biodiversität: Mindestens 12 Prozent der Flächen sollen als ökologische Ausgleichsflächen dienen. Das bedeutet zwar weniger Platz für Reben, schafft aber ein widerstandsfähigeres Ökosystem. Unterschiedliche Pflanzen, Bäume und Tiere sorgen für mehr Vielfalt und ein gesundes Mikroklima. Delinat forscht dabei auch für seine Winzerinnen und Winzer. Neue Methoden werden unter anderem auf Château Duvivier erprobt und wissenschaftlich begleitet. Die Erkenntnisse werden anschließend innerhalb der Delinat-Community geteilt. So müssen nicht alle Winzerinnen und Winzer dieselbe Forschung selbst betreiben.

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Biodiversität gegen die Folgen des Klimawandels

Für Arina ist der Klimawandel derzeit die größte Herausforderung im Weinbau. Mal fehlt Wasser, mal gibt es zu viel davon, hinzu kommen steigende Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung. Übermäßige Feuchtigkeit wiederum begünstigt Pilzerkrankungen. „Gute Bedingungen für den Weinanbau muss man sich schaffen“, sagt Arina. Ein vielfältiger Weinberg kann dabei helfen, die Auswirkungen des Klimawandels abzufedern und sein eigenes Mikroklima zu verbessern.

Auch beim Pflanzenschutz sieht Arina Handlungsbedarf. Die Weinrebe gehört zu den landwirtschaftlichen Kulturen, die besonders intensiv behandelt werden. Ihre Haltung dazu ist deutlich: „Eigentlich müsste alles, was nicht bio ist, ein Label tragen: Achtung, Pestizide.“ Bei Delinat steht deshalb die Frage im Mittelpunkt, wie sich Wein rentabel produzieren lässt, ohne auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel zu setzen. Bei robusten PIWI-Rebsorten kann der Pflanzenschutz nochmals deutlich reduziert werden.

Wein soll vor allem Freude machen

Bei aller Nachhaltigkeit möchte Arina aber eines nicht vergessen: Wein soll Freude machen. Sie trinkt den Wein auch gerne mal mit einem Eiswürfel. „Egal, wie man den Wein trinkt: Hauptsache, er schmeckt.“ Ihre persönlichen Favoriten? Bei Rotwein mag sie Malbec oder kräftige Cuvées, etwa von Château Duvivier. Wer zum Weinkenner werden möchte, sollte vor allem degustieren und das eigene Geschmacksrepertoire schulen. Dabei hilft es, bewusst an unterschiedlichen Lebensmitteln, Kräutern, Früchten oder Gewürzen zu riechen und Aromen wiederzuerkennen. Der perfekte Ort für ein Glas Wein ist für Arina ohnehin nicht zwingend ein gedeckter Tisch: „Ob am Strand oder im Weinberg – am liebsten trinke ich Wein in der Natur, zum Beispiel bei Sonnenuntergang.“

Quelle: UD/pm

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