Korallenriffe verlieren fast zehn Prozent ihrer Bedeckung in vier Jahrzehnten
Ein neuer Bericht des Global Coral Reef Monitoring Network, unterstützt von UNEP, zeigt: Die weltweite Hartkorallenbedeckung ist seit den 1980er-Jahren um mindestens 9,5 Prozent zurückgegangen. Vier globale Hitzewellen seit 1998 haben den Riffen immer weniger Zeit zur Erholung zwischen den Ereignissen gelassen.
22.10.2026
Ein neuer Bericht des Global Coral Reef Monitoring Network, der von UNEP unterstützt wird, zeichnet ein zunehmend beunruhigendes Bild vom Zustand der Weltmeere. Wie UNEP selbst dokumentiert, ist die globale Hartkorallenbedeckung über die vergangenen vier Jahrzehnte um mindestens 9,5 Prozent zurückgegangen.
Ursache ist eine Serie von vier durch den menschengemachten Klimawandel ausgelösten Ozeanhitzewellen seit 1998, die jeweils zu großflächiger Korallenbleiche führten. Bleiche selbst tötet Korallen nicht unmittelbar, macht sie aber anfällig für Krankheiten und Verhungern, erklärt Sinikinesh Beyene Jimma, Leiterin der UNEP-Abteilung für marine und küstennahe Ökosysteme. Das eigentliche Problem liegt in der zunehmenden Frequenz der Hitzewellen: Gabriel Grimsditch, Programme Management Officer bei UNEP, vergleicht die Riffe mit einem Boxer, der eine schnelle Serie von Schlägen einstecken muss – die Korallen schwächen sich mit jeder Hitzewelle weiter, ohne die nötige Zeit zu bekommen, sich wieder zu stabilisieren.
Aktuelle Satellitendaten von NOAA Coral Reef Watch untermauern den Befund: Seit Januar 2023 waren rund 84,4 Prozent der weltweiten Riffflächen bleicherelevantem Hitzestress ausgesetzt, mit dokumentierter Massenbleiche in mindestens 83 Ländern und Territorien. Damit ist die laufende vierte globale Bleicheperiode nach Einschätzung von Wissenschaftlern das bislang großflächigste dokumentierte Ereignis dieser Art – nach früheren globalen Bleichewellen in den Jahren 1998, 2010 und 2014 bis 2017, die jeweils bereits erhebliche, teils irreversible Schäden an Riffsystemen von Australien bis in die Karibik hinterlassen hatten. Klimamodellprojektionen, die UNEP im Rahmen des Berichts heranzieht, deuten darauf hin, dass jährliche schwere Bleicheereignisse selbst bei konservativen Erwärmungsannahmen bis 2050 zur Regel für die Mehrheit der weltweiten Riffe werden könnten.
Für Wirtschaftssektoren, die direkt von Korallenriffen abhängen – Tourismus, Fischerei, Küstenschutz –, ist der Bericht ein Weckruf mit unmittelbarer ökonomischer Relevanz. Riffe erbringen ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Leistungen, die sich nur schwer kurzfristig ersetzen lassen. Für Unternehmen mit Wertschöpfung in Küstenregionen oder maritimer Lieferkette liefert der Bericht damit ein konkretes Argument, physische Klimarisiken stärker in die eigene Risikobewertung zu integrieren, statt Biodiversitätsverlust als abstraktes, entferntes Problem zu behandeln.
Quelle: UD
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