Klima & Umwelt

Kanadas angeblich sauberste LNG-Fabrik fackelt Unmengen an Gas ab

Das LNG-Canada-Terminal in Kitimat, British Columbia, hat 2025 rund 350 Millionen Kubikmeter Gas abgefackelt – mehr als je ein anderes LNG-Terminal weltweit. Ursache ist ein Defekt, der noch drei bis fünf Jahre dauern kann. Die Anlage gehört Shell, Petronas und drei weiteren Konzernen.

15.06.2026

Kanadas angeblich sauberste LNG-Fabrik fackelt Unmengen an Gas ab

Kanadas erste große LNG-Exportanlage sollte das sauberste Flüssiggas der Welt liefern. So haben es Regierungsvertreter seit Jahren versprochen. Die Realität sieht anders aus: Das LNG-Canada-Terminal in Kitimat hat 2025 rund 350 Millionen Kubikmeter Gas abgefackelt – mehr als je eine andere LNG-Anlage weltweit im Vorjahr 2024. Das entspricht zehn Prozent des gesamten in die Anlage transportierten Gases. Die Enthüllung stammt aus einer gemeinsamen Recherche des kanadischen Investigativmediums The Narwhal und der britischen Organisation Point Source.

Der Vergleich mit globalen Benchmarks ist vernichtend: Die nigerianische Bonny-Island-LNG-Anlage, bislang als weltgrößter Gasfackel-Emittent des Jahres 2024 gelistet, verbrannte in jenem Jahr schätzungsweise 234 Millionen Kubikmeter Gas. Das algerische Terminal Arzew-Bethioua kam auf rund 233 Millionen Kubikmeter. LNG Canada übertrumpfte beide mit 350 Millionen Kubikmeter, wie The Narwhal auf Basis bei der Provinzaufsichtsbehörde eingereichten Daten errechnete. Mikhail Zhizhin vom Payne Institute for Public Policy in Colorado, der globale Fackeldaten auswertet, bestätigte, dass LNG Canada zu den weltweiten Spitzenquellen zählt.

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Die Ursache ist ein technischer Defekt, den das Konsortium unter Führung von Shell seit Ende 2024 kennt. An einem der Fackelstapel der Anlage, einem 122 Meter hohen Metallrohr, das überschüssiges Gas verbrennt, liegt eine „Integritätsstörung“ vor, wie aus internen Dokumenten der Energieaufsichtsbehörde BC Energy Regulator hervorgeht, die The Narwhal im Januar 2026 veröffentlichte. Die Anlage sollte täglich rund 11.000 Kubikmeter Gas abfackeln – tatsächlich wurden es im Durchschnitt über 205.000 Kubikmeter pro Tag, mehr als 15-mal so viel wie geplant. Die Behörde erfuhr von dem Problem erst im April 2025, obwohl das Konsortium es bereits im Dezember 2024 erkannt hatte.

Die Reparatur zieht sich hin. LNG Canada gab an, die Behebung werde drei bis fünf Jahre beanspruchen. Ingenieure, die The Narwhal sprach, zweifeln daran, dass dies technisch unausweichlich ist – sie vermuten, das Kalkül sei eher finanziell: Eine Abschaltung für den Austausch des Equipments wäre teurer als das weitere Abfackeln von Gas, das man eigentlich verkaufen wollte. Ein Unternehmenssprecher erklärte lapidar, man „stimme die Ausrüstung auf reale Betriebsbedingungen ab“. In einer Jahreserklärung listete LNG Canada keinerlei Defekte für das Berichtsjahr 2024–2025 auf.

Für die rund 8.000 Einwohner von Kitimat ist das nicht nur eine Frage der Klimabilanz. Seit Herbst 2024 leuchten 90 Meter hohe Flammen nachts über der Stadt, ein tiefes Dröhnen durchzieht die Häuser, und schwarze Rauchwolken treiben über die Wohngebiete. Kitimat-Anwohner Chris Godfrey sagte gegenüber The Narwhal: „Alles, was ich weiß, ist, was ich jeden Tag sehe: große schwarze Rauchwolken über meinem Haus und Flammen, die meinen Garten die ganze Nacht beleuchten.“ Andere Bewohner wollen wissen, wie eine Reparatur technisch überhaupt möglich ist, ohne alle Fackeln gleichzeitig abzuschalten.

Die Emissionen, die durch die überschüssige Fackelei entstehen, sind erheblich. Laut Berechnungen der Umweltexperten entsprach allein das zusätzliche tägliche Abfackeln von 170.000 Kubikmeter Gas rund 430 Tonnen CO2-Äquivalent pro Tag – vergleichbar damit, ein Benzinauto 1,5 Millionen Kilometer zu fahren. LNG Canada war ohnehin schon als größte Einzelpunktquelle von Treibhausgasen in British Columbia genehmigt worden, mit vier Megatonnen CO2-Äquivalent jährlich im Normalbetrieb. Die Genehmigung berücksichtigt Geräteprobleme dieser Art nicht. Damit übertrifft allein die fehlerhafte Fackelei die Emissionen, die für den Normalbetrieb genehmigt wurden, um ein Vielfaches.

Kanada vermarktet sein LNG als klimafreundliche Alternative zu Kohle für Asienmärkte. Das 40-Milliarden-Dollar-Terminal in Kitimat, an dem Shell, Petronas, Korea Gas, PetroChina und Mitsubishi beteiligt sind, verschiffte seine erste Ladung am 30. Juni 2025. Dass ausgerechnet diese Anlage nun als Weltspitze beim Gasfackeln dasteht, untergräbt den Kern des Verkaufsarguments. Wie The Narwhal kommentierte: Solange das Fackelproblem nicht behoben ist und das Konsortium die Öffentlichkeit im Unklaren lässt, bleibt der Anspruch „sauberstes LNG der Welt“ das genaue Gegenteil der Wahrheit.

Quelle: UD
 

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