Umwelt

Haie und Rochen am Abgrund: Weltgrößte Haikonferenz zeichnet düsteres Bild

Mehr als 800 Forscher und Naturschützer trafen sich Anfang Mai im sri-lankischen Colombo zur Konferenz „Sharks International“. Ihr Befund: Über ein Drittel aller Hai- und Rochenarten ist vom Aussterben bedroht, Populationen haben sich seit 1970 halbiert. Und Rochen, so zeigen neue Daten, sind noch stärker gefährdet als Haie – werden aber kaum geschützt.

05.06.2026

Haie und Rochen am Abgrund: Weltgrößte Haikonferenz zeichnet düsteres Bild

Überfischung hat die weltweiten Bestände von Haien und Rochen seit 1970 halbiert. Heute gelten mehr als ein Drittel aller Arten als vom Aussterben bedroht. Diese Zahlen bildeten den düsteren Hintergrund der „Sharks International 2026“, die nur alle vier Jahre stattfindet. Besonders alarmierend: Neue, noch nicht peer-reviewte Daten des Dalhousie-Teams schätzen, dass jährlich rund 191 Millionen Rochen getötet werden – fast doppelt so viele wie Haie. Während 33 Prozent der Haiarten als bedroht eingestuft werden, trifft das auf 36 Prozent der Rochen insgesamt und auf 69 Prozent der Riffrochen zu. Dennoch genießen Rochen kaum Schutz durch internationale Handelsabkommen. „Rochen sind in nahezu jeder Kennzahl stärker gefährdet als Haie“, sagte Rima Jabado, Leiterin der Shark Specialist Group der IUCN. „Trotzdem tauchen sie meist weder in nationaler noch in regionaler Schutzgesetzgebung auf.“

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Ein zentrales Thema war der globale Handel mit Hai- und Rochenfleisch, der laut einer WWF-Studie mit 2,6 Milliarden Dollar zwischen 2012 und 2019 den Flossenhandel (1,5 Milliarden Dollar) weit übersteigt. Aaron MacNeil von der Dalhousie University präsentierte Erkenntnisse aus einem Großdatenprojekt zur Handelsstruktur: Mehr als 50 Prozent der Untererfassung bei der Artenmeldung an die FAO entfallen auf nur 5 Länder – Nigeria, Japan, Indonesien, China und Argentinien. Das macht effektiven Schutz schwer.

Trotz innovativer Ansätze – von eDNA-Monitoring über Satelliten-Tagging bis zu gemeindenahen Ausstiegsprogrammen für Fischer – bleibt die Lage ernst. Daniel Fernando, Mitgründer des Blue Resources Trust aus Sri Lanka, forderte schwierige Entscheidungen ein: „Wir sind nicht mehr in der Situation vor 30 oder 40 Jahren, wo nachhaltige Fischerei für viele Arten noch möglich war. Wir sind an einem Punkt, wo Fischereien für viele dieser Arten geschlossen werden müssen, um ihnen eine Chance zur Erholung zu geben.“ Sophy McCully Phillips, Beraterin der britischen Regierung, verwies auf den Dornhai als warnendes Beispiel: Trotz jahrzehntelanger Warndaten folgte die Politik den wissenschaftlichen Empfehlungen nicht – und der Bestand kollabierte. „Trotz unserer besten Datenlage ist dieser Bestand aufgrund eines fehlenden politischen Willens zusammengebrochen.“

Quelle: UD
 

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