Großbritannien streicht Klimahilfe zusammen – und stürzt den UN-Klimafonds in die Krise
Großbritannien ist nicht länger der größte Beitragszahler des UN-Klimafonds GCF. Die Labour-Regierung hat die bisherige Zusage für den Zeitraum 2024 bis 2027 von umgerechnet rund 2 Milliarden Euro auf gut 1 Milliarde Euro halbiert. Damit folgt London dem Beispiel der USA unter Trump – und löst bei Entwicklungsexperten weltweit Alarm aus, dass weitere Geberstaaten nachziehen könnten.
23.06.2026
Der Green Climate Fund (GCF) der Vereinten Nationen gilt als zentrales Instrument der internationalen Klimafinanzierung: Mit einem Portfolio von über 20 Milliarden Dollar unterstützt er 354 Projekte in Entwicklungsländern beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel. Nun muss der Fonds einen schweren Rückschlag verkraften. Die britische Regierung teilte dem GCF-Vorstand im Mai mit, dass sie ihren Beitrag für die laufende Förderperiode auf 815 Millionen Pfund – umgerechnet rund 1,1 Milliarden Dollar – kürzt. Ursprünglich hatte London 1,62 Milliarden Pfund zugesagt.
Diese Zusage hatte der damalige Premierminister Rishi Sunak 2023 am Rande des G20-Gipfels in Indien als „größte einzelne Klimaschutzzusage, die das Vereinigte Königreich je gemacht hat“ angekündigt. Sie machte Großbritannien zum größten GCF-Geldgeber, nachdem die USA unter Präsident Trump ihre zugesagten 4 Milliarden Dollar bereits 2025 zurückgezogen hatten. Mit der aktuellen Halbierung verliert das Land diesen Status nun seinerseits – und fällt in der Rangfolge der Geberstaaten hinter Deutschland, Frankreich und Japan zurück.
Die Konsequenzen sind erheblich. GCF-Exekutivdirektorin Mafalda Duarte schrieb in einem Brief an den Fondsvorstand, der der Financial Times vorlag, die britischen Maßnahmen würden „voraussichtlich materielle Auswirkungen auf die Umsetzung“ der laufenden Projekte haben. Duarte zufolge begründete London den Schritt damit, mehr Mittel für wachsende Sicherheitsbedrohungen bereitstellen zu müssen – auf Kosten des Entwicklungshilfebudgets. Laut einer Carbon-Brief-Analyse halbiert Großbritannien damit unter dem Strich seine jährliche Klimafinanzierung für Entwicklungsländer, wenn man Haushaltsumschichtungen und Inflation einrechnet.
Besonders schmerzhaft ist der Einschnitt im historischen Vergleich: Die aktuelle Kürzung bedeutet, dass Großbritannien dem GCF rund 45 Prozent weniger zur Verfügung stellt als noch in der Förderperiode 2019 – die stärkste relative Kürzung zwischen zwei Runden unter allen großen Geberstaaten, nach den USA. Entwicklungsländer sind auf diese Mittel angewiesen, um ihre nach dem Pariser Abkommen zugesagten Klimaziele umzusetzen. Industriestaaten wie Großbritannien sind völkerrechtlich verpflichtet, Klimafinanzierung bereitzustellen.
Klima- und Hilfsorganisationen beobachten die Entwicklung mit wachsender Sorge. Die Befürchtung: Der britische Schritt könnte anderen Geberstaaten als Vorlage dienen, eigene Beiträge zu reduzieren – in einer Phase, in der der Klimafonds eigentlich gestärkt und ausgebaut werden müsste. Die britische Regierung hat zwar angekündigt, in den kommenden 3 Jahren insgesamt rund 6 Milliarden Pfund ihres Entwicklungshilfebudgets für Klimaprojekte in Entwicklungsländern einzusetzen. Doch angesichts der GCF-Kürzung und früherer Berichte über Doppelzählungen im britischen Klimafinanzierungsreporting bleibt erheblicher Zweifel, ob diese Zahlen das tatsächliche Engagement widerspiegeln.