Ewigkeitschemikalien schießen bei Thames Water in die Höhe
Bei Pilotversuchen für ein umstrittenes Wasserrecycling-Projekt von Thames Water stiegen die Werte einer toxischen PFAS-Chemikalie auf das 13-Fache des gesetzlichen Grenzwerts. Der Wasserversorger will künftig täglich bis zu 75 Millionen Liter aufbereitetes Abwasser in die Themse leiten, um Dürren zu begegnen – doch die eigenen Tests zeigen massive Kontaminationsprobleme, die das Unternehmen als „betrieblich herausfordernd“ beschreibt.
15.09.2026
Das berichtet der Guardian unter Berufung auf technische Unterlagen von Thames Water, die der Zeitung vorliegen. Perfluoroktansulfonat (PFOS), ein mutmaßliches Karzinogen aus der Gruppe der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), erreichte in den beiden Testläufen Werte von 6,3 beziehungsweise 8,7 Nanogramm pro Liter – bei einem gesetzlichen Grenzwert für Oberflächengewässer von 0,65 Nanogramm. Die Dokumente zeigen einen „schnellen Durchbruch von PFOS“ über den Grenzwert hinaus in weniger als einem Monat Betriebszeit. Thames Water räumte in den Unterlagen ein, die Einhaltung der Grenzwerte sei „betrieblich herausfordernd“ und erfordere die häufige Regeneration, Reaktivierung und den Austausch von Aktivkohlefiltern bei „erheblichem zusätzlichem Betriebsaufwand“. Die Daten stehen in „deutlichem Kontrast“ zu den öffentlichen Aussagen des Unternehmens, wonach das Projekt die Flussumgebung nicht schädigen werde.
PFAS werden als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, weil sie sich in der Umwelt nicht abbauen. Standard-Kläranlagen sind nicht darauf ausgelegt, sie herauszufiltern oder zu zerstören. Die schädlichen Auswirkungen auf Gewässer sind nach aktuellen Daten weitverbreitet – sämtliche englischen Gewässer sind mit toxischen Chemikalien belastet. PFAS gelten auch als Bedrohung für die menschliche Gesundheit. Zusätzlich zu den PFAS-Problemen zeigten die Pilotversuche sehr hohe Eisenwerte im aufbereiteten Wasser, die laut den Dokumenten „erhebliche nachteilige Auswirkungen“ auf den Fluss hätten.
Das Projekt „Teddington Direct River Abstraction“ (TDRA) sieht vor, bei Niedrigwasser bis zu 75 Millionen Liter pro Tag aus der Themse bei Teddington im Südwesten Londons zu entnehmen und durch die gleiche Menge aufbereiteten Abwassers aus der Kläranlage Mogden über einen neuen Tunnel zu ersetzen. Zum Vergleich: Thames Water verliert täglich 571 Millionen Liter durch Leckagen in seinem Leitungsnetz – fast das Achtfache der geplanten Recyclingmenge. Die Kosten des Projekts sind von ursprünglich 350 Millionen auf voraussichtlich über 500 Millionen Pfund gestiegen, da das Unternehmen zusätzliche mechanische Pumpen in einem Naturschutzgebiet installieren muss.
Ian McNuff von der Bürgerinitiative Solar, die das Projekt wegen irreversibler Umweltschäden an der Themse ablehnt, kommentiert: „Im Grunde können sie es nicht richtig zum Laufen bringen. Testfehler traten schnell auf, und die Vorstellung, dass sie das während einer Dürre als zuverlässige Anlage ein- und ausschalten können, ist unrealistisch – schon gegen die aktuellen Standards, erst recht gegen die verschärften Standards, die bei PFAS und Pestiziden zu erwarten sind.“ Die Umweltbehörde Environment Agency hatte bereits 2019 ein früheres Vorhaben am selben Standort wegen inakzeptabler Umweltauswirkungen abgelehnt. Die Ergebnisse der beiden Pilotversuche liegen der Behörde vor. Als strategisches Infrastrukturprojekt kann das aktuelle Vorhaben allerdings ohne lokale Zustimmung durchgesetzt werden – obwohl sowohl der Gemeinderat als auch die örtliche liberaldemokratische Abgeordnete Munira Wilson dagegen sind.
Ein Sprecher der Environment Agency betonte, es gälten „strenge gesetzliche Anforderungen zum Schutz unserer Flüsse, des Grundwassers und der Trinkwassereinzugsgebiete“ und der Standort Teddington werde weiterhin „rigorosen Umweltbewertungen“ unterzogen. Thames Water erklärte, die Pilotdaten seien „nicht repräsentativ“ für den späteren Betrieb, und forderte ein nationales PFAS-Verbot, dessen Kosten die Hersteller tragen sollten – nicht die Wasserkunden.
Quelle: UD
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