Klima & Umwelt

Dürre, Hunger, Krieg: Neue Forschung zeigt, wie das Klima Konflikte befeuert

Kriege und Klimakrise werden in der öffentlichen Debatte oft getrennt behandelt. Doch sie hängen direkt zusammen: Eine neue Studie der Rice-Universität zeigt, dass natürliche Klimaschwankungen wie El Niño die Wahrscheinlichkeit eines bewaffneten Konflikts um mehr als ein Drittel erhöhen. Und bei fortschreitender Erderwärmung droht sich dieses Risiko weiter zu verschärfen – mit globalem Konfliktpotenzial von 5 bis 13 Prozent zusätzlich.

30.06.2026

Dürre, Hunger, Krieg: Neue Forschung zeigt, wie das Klima Konflikte befeuert

Eine im Fachjournal PNAS veröffentlichte Untersuchung der Rice-Universität hat erstmals quantifiziert, wie stark natürliche Klimavariabilität das Ausbruchsrisiko bewaffneter Konflikte beeinflusst. Das Ergebnis ist deutlich: In einem starken El-Niño-Jahr lag die globale Wahrscheinlichkeit für einen neuen bewaffneten Konflikt bei 4,9 Prozent – gegenüber 3,6 Prozent in einem starken La-Niña-Jahr. Das entspricht einer Steigerung um mehr als ein Drittel. El Niño dreht die üblichen Wind- und Niederschlagsmuster im tropischen Pazifik um, bringt Dürren nach Südostasien, Australien und dem südlichen Afrika und erhöht global die Temperaturen. Die Studie macht dabei einen klaren Mechanismus aus: Es sind vor allem anhaltende Trockenheit und die damit verbundenen Ernteausfälle, die Spannungen eskalieren lassen.

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„Anhaltende Trockenheit hat in der Regel stärkere Auswirkungen auf die Landwirtschaft und damit verbundene Konflikte als erhöhte Niederschläge“, erklärt Jürgen Scheffran vom Institut für Geographie der Universität Hamburg. Wenn Ernten ausfallen, steigen Nahrungsmittelpreise, wächst soziale Unzufriedenheit, verschärfen sich Rivalitäten um Wasser und Land. Armut, gesellschaftliche Instabilität und eine Geschichte gewaltsamer Konflikte machen Gesellschaften dabei besonders anfällig – der Klimawandel wirkt in solchen Kontexten als Brandbeschleuniger.

Das Muster zeigt sich exemplarisch in der Geschichte des Sudan-Konflikts: Eine schwere Dürre dehnte die Sahara immer weiter in den fruchtbaren Süden aus, Wasserstellen wurden zum Eskalationspunkt – der Darfur-Konflikt gilt als erster Klimakonflikt der Welt. Ähnliches gilt für Syrien: Eine Dürre trieb bäuerliche Familien in die Städte, befeuerte urbane Überlastung und soziale Unzufriedenheit, bis sich 2011 unter dem Druck des Assad-Regimes ein Aufstand und schließlich ein Bürgerkrieg entwickelte.

Eine 2019 in „Nature“ veröffentlichte Metastudie hatte bereits gezeigt, dass Klimavariabilität und Klimawandel im vergangenen Jahrhundert zu 3 bis 20 Prozent häufigeren, längeren und intensiveren Konflikten geführt haben. Heute erhöht der Klimawandel das globale Konfliktrisiko um rund 5 Prozent. Bei einer Erwärmung um 2 Grad Celsius – im laufenden Jahrhundert noch realistisch – stiege dieses Risiko auf 13 Prozent. Scheffran warnt vor dem Doppeleffekt: „Konflikte erhöhen die Verwundbarkeit gegenüber dem Klimawandel, und Kriege verschärfen ihrerseits Umweltzerstörung und Klimawandel – was zu einem Teufelskreis führt.“ Bewaffnete Auseinandersetzungen blasen durch Aufrüstung und Ressourcenverbrauch Millionen Tonnen Treibhausgase in die Atmosphäre – die nächste Runde des Kreises dreht sich dann bereits.

Quelle: UD
 

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