Klima & Umwelt

Die reichsten 10 Prozent verursachen Umweltkosten von 5,7 Bio Dollar pro Jahr

Was kostet uns die Überschreitung planetarer Grenzen? Eine neue Studie des EU-finanzierten Forschungsprojekts WISE Horizons beziffert diese Kosten erstmals konkret – mit einem alarmierenden Ergebnis: Die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung verursachen jährlich Umwelt- und Klimaschäden in Höhe von 1,7 bis 5,7 Billionen US-Dollar. Die Zahlen werfen eine zentrale Frage auf: Ist es Zeit, die Hauptverursacher stärker in die Verantwortung zu nehmen?

02.07.2026

Die reichsten 10 Prozent verursachen Umweltkosten von 5,7 Bio Dollar pro Jahr

Dass Umweltbelastungen überproportional von einer kleinen, wohlhabenden Minderheit verursacht werden, ist seit Langem bekannt. Wie hoch die daraus entstehenden Kosten tatsächlich sind, hat die nun veröffentlichte Studie (erschienen in Communications Sustainability) erstmals systematisch berechnet. Die Ergebnisse zeigen eindrücklich, wie stark die Verantwortung für Umweltzerstörung bei den obersten 10 Prozent der Konsumierenden liegt.

Der größte Teil der Schäden entfällt dabei nicht auf den Klimawandel, sondern auf den Verlust der Biodiversität. Laut Studie sind 47 bis 56 Prozent der Gesamtkosten auf das Artensterben zurückzuführen. Der Klimawandel folgt mit 36 bis 45 Prozent erst an zweiter Stelle. Damit macht die Studie deutlich, dass Umweltpolitik auch den Schutz der biologischen Vielfalt stärker in den Fokus rücken sollte.

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Hauptverursacherinnen und Hauptverursacher leben vor allem in den USA und der EU

Die Verursacherinnen und Verursacher der größten Umweltschäden sind global sehr ungleich verteilt. Rund 60 Prozent der reichsten 10 Prozent leben in den USA und der Europäischen Union, während nur etwa 2 Prozent in Indien ansässig sind. Im Durchschnitt verursacht jede Person dieser Gruppe Umweltkosten von 2.300 bis 7.500 US-Dollar pro Jahr – mit erheblichen regionalen Unterschieden.

So liegen die jährlichen Pro-Kopf-Umweltschäden der obersten 10 Prozent in den USA bei etwa 19.000 bis 63.000 US-Dollar. Das entspricht 6 bis 20 Prozent ihres Einkommens und 0,8 bis 3 Prozent ihres Vermögens. In Indien hingegen belaufen sich die Schäden auf lediglich 410 bis 1.400 US-Dollar pro Person und Jahr – rund 0,8 bis 2,8 Prozent des Einkommens und 0,2 bis 0,5 Prozent des Vermögens.

Verantwortung nach dem Verursacherprinzip

Insgesamt übersteigen die Kosten der Schäden die heutigen Finanzierungslücken für den Schutz des Klimas und der Biodiversität. Die Studie unterstreicht damit das Potenzial politischer Maßnahmen, die gezielt bei den Hauptverursacherinnen und Hauptverursachern ansetzen – beispielsweise in Form einer Umweltsteuer. Solche Instrumente könnten wirksam dazu beitragen, die fehlenden finanziellen Mittel für beide Umweltkrisen bereitzustellen und zugleich die ökologische Verantwortung gerechter zu verteilen.

Inge Schrijver, Forscherin an der Universität Leiden in den Niederlanden und Hauptautorin der Studie, sagt: „Auch wenn es mir unangenehm ist, der Umwelt einen Preis zuzuweisen – der wahre Wert der Natur ist unermesslich –, machen Geldbeträge das Ausmaß der Schäden und der Verantwortung der obersten 10 Prozent deutlich. Die Schadenssumme ist höher als die Mittel, die weltweit für Klima- und Biodiversitätsfonds benötigt werden. Würde der Verursacher zahlen und dieses Geld in Lösungen fließen, könnte das einen enormen Unterschied machen. Gleichzeitig geht es um mehr als Geld: In erster Linie müssen Schäden verhindert werden. Deshalb sind neben finanziellen Maßnahmen auch strengere Regeln und Vorschriften entscheidend.“

Quelle: UD/pm
 

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