Klima & Umwelt

Die 1,5-Grad-Grenze fällt: UNEP erklärt Überschreitung für nahezu sicher

Die Erderwärmung wird die 1,5-Grad-Marke des Pariser Abkommens nach neuen UNEP-Berechnungen aller Voraussicht nach innerhalb weniger Jahre überschreiten. Der Bericht „Limiting Overshoot“ zeigt jedoch, dass eine spätere Rückkehr unter die Schwelle technisch und politisch noch erreichbar bleibt, wenn Staaten konsequent auf aggressive Emissionssenkungen und den Ausbau verlässlicher CO₂-Entnahme setzen.

09.10.2026

Die 1,5-Grad-Grenze fällt: UNEP erklärt Überschreitung für nahezu sicher

Nairobi hat ein Datum genannt, das viele Klimaforscher lange vermeiden wollten: Die Grenze von 1,5 Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau wird nach Einschätzung des UN-Umweltprogramms UNEP „innerhalb der nächsten Jahre“ überschritten. Der am 2. September veröffentlichte Bericht „Limiting Overshoot“ beschreibt damit erstmals offiziell einen Pfad, den die Klimadiplomatie bislang als Tabu behandelt hat.

Statt das Ziel für gescheitert zu erklären, setzt UNEP auf das Konzept des „Overshoot, Peak, and Decline“: Die Erwärmung überschreitet die Marke, erreicht einen Höhepunkt und sinkt anschließend wieder. Voraussetzung dafür sind aggressive Emissionssenkungen, ein massiver Ausbau verlässlicher CO₂-Entnahme und eine Verschiebung von Netto-Null hin zu netto-negativen Emissionen. Die Autoren warnen zugleich vor den Folgen des Übergangszeitraums: Hitzewellen, Waldbrände und Überschwemmungen, wie sie diesen Sommer zu beobachten waren, seien nur ein Vorgeschmack auf das, was in der Übergangsphase droht.

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Besonders deutlich wird der Bericht bei der Frage der Anpassung. Ganze Gemeinschaften könnten gezwungen sein, umzusiedeln oder ihre Lebensgrundlage zu verändern, heißt es. Das wirft Fragen von Gerechtigkeit, Macht und politischer Legitimität auf, für die neue, inklusive Formen der Governance nötig würden – ein Punkt, der die Debatte über Klimafinanzierung und Verantwortlichkeiten zwischen Industrie- und Schwellenländern weiter zuspitzen dürfte.

Für Unternehmen bedeutet der Bericht vor allem eines: Die Zeit der linearen Klimaplanung mit einem einzigen Zieljahr ist vorbei. Wer seine Transformationsstrategie bislang allein auf das Erreichen von Netto-Null ausgerichtet hat, muss nun auch die Phase danach mitdenken – inklusive der Frage, wie belastbar Lieferketten und Standorte gegenüber einer Welt sind, die vorübergehend heißer wird, als das Pariser Abkommen es vorsah.

Der Bericht ist auch politisch brisant, weil er zeitlich mit der UN-Generalversammlung und dem Global-Compact-Gipfel zusammenfällt, bei denen die internationale Gemeinschaft über die nächste Runde nationaler Klimapläne verhandelt. UNEP macht deutlich, dass ambitioniertere NDCs allein nicht reichen werden, wenn nicht parallel in Entnahmetechnologien und Anpassungsfinanzierung investiert wird.

Quelle: UD

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