Klima & Umwelt

Coca, Kühe und Kahlschlag: Kolumbiens Amazonas zwischen Drogenökonomie und Weideland

Rauchschwaden über dem Nationalpark Serranía de Chiribiquete, klandestine Pisten durch einstigen Regenwald: Im kolumbianischen Amazonas treiben zwei Kräfte die Entwaldung voran – der illegale Koka-Anbau für den internationalen Kokainmarkt und die Viehwirtschaft. Trotz rückläufiger Abholzungsraten seit 2022 bleibt der Druck auf Schutzgebiete enorm. Zwischen 2000 und heute wurden fast 800.000 Hektar Primärwald vernichtet.

23.06.2026

Coca, Kühe und Kahlschlag: Kolumbiens Amazonas zwischen Drogenökonomie und Weideland

Aus der Vogelperspektive sehen sie aus wie grüne Wattebällchen, ordentlich in Reihen gezogen: Koka-Sträucher, eingebettet in kleine Rechtecke inmitten des Waldes. Wer über den kolumbianischen Amazonas fliegt, erkennt die Muster der Landnahme sofort – Brandrodungen an den Parkgrenzen, frische Schneisen, Weideland, das noch vor wenigen Jahren dichter Regenwald war. Reportagen von Dialogue Earth dokumentieren, wie in der Trockenzeit Feuer gelegt werden, deren verkohlte Stümpfe im nächsten Frühjahr Koka-Feldern oder Weiden weichen.

Die Doppeldynamik hat historische Wurzeln: Der Koka-Boom der 1980er und 90er Jahre machte Kolumbien zum weltgrößten Koka-Produzenten. Nachfolgeregierungen drängten Bauern zu Alternativkulturen – darunter Viehwirtschaft. Doch auch diese treibt Entwaldung voran. Im Chiribiquete-Nationalpark, dem größten Kolumbiens und UNESCO-Weltkulturerbe, hat illegale Rinderhaltung laut einer Untersuchung der Environmental Investigation Agency seit 2015 dreifach zugenommen; zwischen 2016 und 2019 stieg der Rinderbestand dort um 349 Prozent, knapp 17.000 Hektar wurden in vier Jahren gerodet. Heute zählt Kolumbien mehr als 500.000 Viehbetriebe und rund 23,4 Millionen Rinder.

Anzeige

Der Druck auf Schutzgebiete ist strukturell bedingt. „In einer Region mit wenigen wirtschaftlichen Alternativen für Kleinbauern und kaum Infrastruktur für Produktion und Vermarktung gelten Koka-Anbau und Viehwirtschaft für viele als einzige Einkommensquelle“, hält die IUCN fest. Die bewaffneten Gruppen, die nach dem Friedensabkommen von 2016 weite Teile des Amazonas kontrollierten, nutzten beide Aktivitäten als Finanzierungsquelle. Ehemalige FARC-Dissidenten wurden angeklagt, systematisch Regenwald für Weideland und Drogenanbau gerodet zu haben.

Dennoch zeigen staatliche Maßnahmen Wirkung: Die Abholzung ging 2022 um 29 Prozent zurück, 2023 um 54 Prozent und 2024 um weitere 34 Prozent – in vielen Teilen des Amazonas der größte Rückgang seit Jahren. Kolumbiens Regierung führt das auf ihren Umfassenden Entwaldungs-Eindämmungsplan 2023–2026 zurück, der Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften, ökologische Zonierung und finanzielle Anreize für Waldschutz kombiniert. Umweltministerin Susana Muhamad sprach von einer historischen Trendwende – wobei die Frage, wie viel auf freiwillige Vereinbarungen und wie viel auf das Ende der Zwangseradikation von Koka zurückgeht, unter Fachleuten umstritten bleibt. Einige Experten warnen, dass Koka-Felder zwar nicht mehr expandieren, aber vielerorts neu bepflanzt werden.

Doch der Generalstaatsanwalt mahnte: Zwischen Oktober 2024 und März 2025 gingen trotzdem fast 88.900 Hektar verloren, vielfach in ausgewiesenen Schutzgebieten. Koka-Anbau und unkontrollierter Bergbau rücken weiter vor. Der Wald schrumpft – nur etwas langsamer.

Quelle: UD
 

Related Posts

Newsletter

Unsere Verantwortung/Mitgliedschaften

Logo
Serverlabel
The Global Compact
Englisch
Gold Community
Caring for Climate

© macondo publishing GmbH
  Alle Rechte vorbehalten.

 
Lasche